1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Victoria Porten aus Salmtal das Landeskunstgymnasium in Alzey

Menschen : Wenn Bilder Geschichten erzählen

Victoria Porten aus Salmtal ist 16 Jahre alt und besucht die Oberstufe des Landeskunstgymnasiums Alzey. Dort kann sie ihre Leidenschaft für Kunst ausleben. Aber sie hat noch weitere Interessen und Talente.

„Als wir die Treppen in der Schule hoch sind, habe ich gemerkt, wie meine Tochter aufgeblüht ist und gespürt, dass sie hierher gehört.“ So beschreibt Carmen Porten die Situation, als ihr klar wurde, dass ihre gerade 14-jährige Tochter ins Internat des Landeskunstgymnasiums nach Alzey ziehen wird. „Das ist mir natürlich nicht leicht gefallen, aber man soll den Kindern nicht im Weg stehen“, berichtet sie.

An ihrer alten Schule, dem Peter-Wust-Gymnasium, hatte Viktoria Porten an einem Wettbewerb teilgenommen und war eine der zwölf Preisträgerinnen von insgesamt 80 Teilnehmern. Der Preis war ein Workshop, der von der „Alexandra Lang Stiftung“ bezahlt wurde. Dort hat sie jemanden kennengelernt, der das Landeskunstgymnasium besucht. „Als ich von dieser Schule gehört habe, wäre ich am liebsten gleich hingegangen“, erzählt sie begeistert.

Zur zehnten Klasse ist sie schließlich, nach einer Aufnahmeprüfung und einer Kunstmappe, die sie anfertigen musste, gewechselt. Kunst ist an der staatlichen Schule, zu der sie eine dreieinhalbstündige Anfahrt mit dem Zug hat, ein Hauptfach. In der Oberstufe hat sie Mathe, Englisch und Kunst gewählt. Dazu gibt es zwei Stunden Kunst als Nebenfach von einer anderen Lehrkraft. Die Schule ist mit verschiedenen Werkstätten ausgestattet, so dass die Kinder und Jugendlichen dort nach Schulschluss weiterarbeiten können.

Victoria Porten erzählt: „Wir haben in den Herbst- und Sommerferien verpflichtende Projektwerkstätten, die eine Woche dauern.“ Heimweh hatte die 16-jährige kaum, auch nicht am Anfang. „Die Situation war einfach spannend, es sind interessante Leute dort. So habe ich mich schnell eingelebt.“ Lerninhalte sind etwa Mal- und Zeichen-Techniken, bei denen beispielsweise auf die Proportionen und Schattenwurf eingegangen wird. Kompetenzen erwerben sie zudem im Fotografieren und im Umgang mit Foto- oder Architekturprogrammen. „Bei Vorträgen bekommen wir viele Ideen von Alltagskunst- und Design, in denen wir unser Wissen vielleicht einmal einbringen können. Verpackungsdesgin ist ein Beispiel“, berichtet die 16-Jährige, die eher Menschen in ihren Bildern malt oder zeichnet als Landschaften.

Schattenwurf und Proportionen hat sie erst mit Bleistift geübt. Dann ist sie zu den Farben übergegangen. An Aquarellfarben fasziniert sie, wie sich die Pigmente beim Trocknen verteilen. Ölfarben gehören nicht zu ihren bevorzugten Materialien. Mit Tinte arbeitet sie am liebsten: „Der Comicstil, den ich sehr gerne zeichne, geht sehr gut mit Schwarz und Weiß. Das gibt starke Kontraste und Schraffierungen können sehr viel Ausdruck hineinbringen.“

Ausgestellt waren ihre Werke schon beim „Intermezzo 3“ in der Kunstgalerie „Kunstraum“ in Wittlich. Zu ihren Vorbildern zählt Ahndongshik, der Manga-Comics zeichnet. Beruflich könnte sie sich vorstellen, vielleicht im Bereich Illustration zu arbeiten. „Mit Bildern Geschichten erzählen, die bleiben, das ist mir wichtig“, sagt sie nachdrücklich.

Bis zum beruflichen Alltag ist es aber noch ein anstrengender Weg, mit aufstehen um 6.30 Uhr, acht Schulstunden am Tag und langen Zugfahrten am Wochenende. Normalerweise wäre das für die meisten Schüler schon genügend Programm, anders bei Victoria Porten: Sie lernt seit drei Jahren Japanisch, spielt Ukulele, näht einen Teil ihrer Kleidung selbst und ist bei der Schülerzeitung aktiv.

Woher sie ihre Begabungen hat, wissen ihre Eltern auch nicht, ihr Vater Volker ist Elektromeister und ihre Mutter Carmen Zahntechnikerin. „Dass sie beruflich in unsere Fußstapfen tritt, haben wir uns schon lange abgeschminkt“ sagt Mutter Carmen lachend.