Wenn Gläser im Schrank vibrieren

WENGEROHR. Übel aufgestoßen ist Anwohnern der Bernkasteler Straße in Wengerohr der gestrige Bericht über den Lastwagen-Lärm in der Eifeler Straße, durch die seit der Sperrung der Ortsdurchfahrt die Umleitung führt. "Wir müssen seit Jahrzehnten den Schwerlastverkehr ertragen, die nur einige Wochen", klagen Altdorf-Bewohner. Ihr einziger Lichtblick: die Ortsumgehung.

Des einen Freud, des anderen Leid: "Den 18. August können viele Wengerohrer kaum noch erwarten" schrieben wir gestern. Seit die Ortsdurchfahrt Wengerohr wegen Straßenbauarbeiten gesperrt ist, rollt der komplette Schwerlastverkehr durch ein Wohngebiet, das sonst davon verschont ist. Am 18. August sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, und damit haben die Anwohner in der Eifeler Straße wieder Ruhe. Nicht aber die Bewohner des Altdorfs. Die freuen sich höchstens wegen der Säubrenner-Kirmes auf den 18. August. Was die Verkehrsführung in dem Wittlicher Stadtteil angeht, ist der Kirmes-Freitag für sie kein Tag der Freude. Dann wird nämlich wieder das lärmende Grauen an ihren Haustüren vorbei rollen: 26 000 Fahrzeuge täglich. "Vergangenes Jahr habe ich versucht, einen Zuschuss für Lärmschutzfenster zu bekommen", sagt Peter Berens, der seit 30 Jahren in der Bernkasteler Straße wohnt. Doch der Landesbetrieb Straßen und Verkehr (LSV) habe ihm in einem Schreiben erklärt, dass Messungen ergeben hätten, dass der Lärm noch unter den dafür nötigen Schwellenwerten läge. "Und außerdem bekommen sie ja die Ortsumgehung, hieß es noch", sagt Berens.Brock bewundert Anwohner für ihre Geduld

Die Ortsumgehung - die einzige Hoffnung auf ein ruhigeres Leben für die Altdorf-Bewohner - ist aber voraussichtlich erst in dreieinhalb Jahren fertig. Ortsvorsteher Theodor Brock, der sich für die 4,7 Kilometer lange Umgehung stark gemacht hat, weiß um das Problem: "Im Altdorf könnte man mir ein Haus schenken, ich würde es nicht wollen. Wenn ich bei Bekannten in der Bernkasteler Straße bin, vibrieren die Gläser im Wohnzimmerschrank." Der Schwerlastverkehr plagt die Leute. Vor 40 Jahren ist laut Brock erstmals ein Antrag für eine Ortsumgehung gestellt worden. Im Frühjahr dieses Jahres war Spatenstich für das 10,6-Millionen-Euro-Projekt (der TV berichtete mehrfach). Eine lange Zeit, die die geplagten Anwohner warten müssen. Von Verwunderung bis Empörung reichen daher die Reaktionen in der Bernkasteler Straße auf den gestrigen TV-Bericht. "Da müssen die in der Eifeler Straße mal für ein paar Wochen den Lärm in Kauf nehmen und denken nicht an die, die das all die Jahre haben", sagt Marlies Brixius, die in einer Seitenstraße der Bernkasteler Straße wohnt. Aus ihrer Einfahrt kommt sie wegen des hohen Verkehrsaufkommens auch nicht raus. "Ich habe mich dran gewöhnt, was soll ich denn machen? So ist das halt", sagt Brixius. Ihre Nachbarschaft sei in Aufruhr: "Weil ihr Ärger in dem Artikel nicht berücksichtigt wurde." Über die Belastungen dieser Anwohner hatte der TV bereits mehrfach im Zusammenhang mit der Ortsumgehung berichtet. Dennoch brachte der gestrige Bericht Altdorf-Bewohner zum Kochen. Die Schilderungen der Umleitungs-Anwohner machten ihnen bewusst, was sie schon seit Jahrzehnten ertragen. Teils still und ohne sich zu beschweren. Brock: "Ich bewundere die Leute dafür, wie sie das aushalten." Berens erklärt den Aufruhr: "Wir haben zwar jetzt für ein paar Wochen Ruhe. Aber eigentlich sind wir in der Bernkasteler Straße doch die Hauptleidtragenden. Wir hätten auch befragt werden müssen." Wenn er beim Frühstück das Küchenfenster gekippt habe, könne er noch nicht mal mehr die Nachrichten im Radio verstehen. Berens: "Jetzt halte ich das seit 30 Jahren aus. Da werde ich es auch noch die dreieinhalb Jahre bis zu Ortsumgehung schaffen."

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