1. Region

Obwohl die Marx-Ausstellung deutlich hinter früheren Erfolgen zurückbleibt, sind Land und Stadt höchst zufrieden.

Trier : Trier beendet Marx-Jahr mit Fest und Freibier

Obwohl die Schau zu Ehren des Philosophen deutlich hinter der zu Kaiser Nero zurückbleibt, sind Land und Stadt zufrieden. In den vier Museen sind 160 000 Besuche gezählt worden.

Nein, wie Nero ist er nicht, dieser bärtige Marx, an dem dieses Jahr in Trier kein Weg vorbeiführte. Dem Popstar unter den römischen Kaisern war es 2016 gelungen, mehr als 270 000 Besucher in die Region zu locken. Die große Ausstellung über den Philosophen Karl Marx, die noch bis Sonntag läuft, zog deutlich weniger Menschen an. Rund 160 000 Besuche wurden in allen vier kooperierenden Trierer Museen gezählt.

Dennoch sind alle Beteiligten glück­lich. „Wir schauen zurück auf ein faszinierendes Marx-Jahr 2018“, sagt Kulturminister Konrad Wolf. Rheinland-Pfalz, die Region und vor allem Trier seien weltweit als attraktiver Ausstellungsstandort wahrgenommen worden. In der Tat erschienen Tausende Artikel über Trier und seinen umstrittensten Sohn, über die Ausstellungen, die riesige Statue, über Marx-Ampelmännchen oder den 0-Euro-Schein, von dem die Tourist-Information 150 000 Exemplare in 60 Länder verkaufte.

Auch die Stadt sieht das Marx-Jahr als Erfolg. „Es gab in der nationalen und internationalen Presse viel Lob für Konzept und Umsetzung der Ausstellung“, sagt Kulturdezernent Thomas Schmitt. Kritik gab es natürlich ebenso: an zu schlechter Beleuchtung, zu kleiner Schrift, zu vielen inhaltlichen Überschneidungen in den vier Museen oder einer zu unkritischen Herangehensweise. Viele Besprechungen jedoch waren geradezu euphorisch. Die Ausstellung sei „wunderbar“, schwärmte die linke taz, die beim Thema Marx genau hingesehen haben dürfte. Auch die FAZ war begeistert: Dadurch, dass die Ausstellung Marx im Kontext seiner Zeit zeige, schaffe sie „auf intelligente und dennoch sinnliche Weise Abhilfe“ dagegen, dass Marx „nach Belieben in Gebrauch genommen“ werde.

Viele Einheimische haben „den lange vernachlässigten großen Trierer“, so Schmitt, besser kennengelernt. Gelegenheit dazu bot das üppige Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen, Konzerten, Theaterstücken oder Musicals. „Meine Erwartungen wurden weit übertroffen“, sagt Koordinator Rudolf Hahn. Als er 2015 mit der Planung begann, habe er mit 50 Veranstaltungen gerechnet, mehr als das Zehnfache sei daraus geworden. Rund 50 000 Menschen hätten so einen Zugang zu Marx gefunden – Trierer wie Touristen, Schüler wie Senioren, Klassik-Fans wie Briefmarkensammler. Denn die Bandbreite war groß.

Nicht minder zufrieden ist der Trierer Cheftouristiker Norbert Käthler. „Aus touristischer Sicht kann ich nur sagen: Das war ein ganz toller Erfolg.“ Die Zahlen fürs erste Halbjahr zeigen, dass es sechs Prozent mehr Besucher und sechs Prozent mehr Übernachtungen ausländischer Gäste gegeben hat. Bei den Chinesen war das Plus mit 23 Prozent besonders groß. Doch das ist nicht alles. Der Medienrummel befeuerte Triers Bekanntheit. Eine Stadt, die mit Marx laut Schmitt „künftig neben ihrem römischen Weltkulturerbe ein weiteres touristisches Alleinstellungsmerkmal hat“.

Wer es bisher verpasst hat, sich mit dem Philosophen, Ökonomen, Journalisten und dem Menschen Marx auseinanderzusetzen, hat dazu noch einmal Gelegenheit. Die Schau ist bis einschließlich Sonntag geöffnet und bietet wegen der großen Nachfrage mehrere Führungen an. Am Sonntagabend steigt im Theaterfoyer das große Marx-Abschiedsfest mit Freibier.