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"Die Worte tun weh": Wittlicher Moscheenverein wehrt sich gegen politische Vorwürfe

"Die Worte tun weh": Wittlicher Moscheenverein wehrt sich gegen politische Vorwürfe

Die Landesregierung brach die Gespräche ab, die AfD forderte Prüfungen des Verfassungsschutzes: Den Umgang mit dem deutsch-türkischen Moscheenverein Ditib war Thema im Mainzer Landtag. Ditib-Mitglieder fürchten die Folgen.

Am Montag feierten Muslime das heilige Opferfest in der Moschee in Wittlich. Sie kamen aus Syrien, Marokko, Aserbaidschan und der Türkei. 400 Menschen beteten dort, erzählt Sebahattin Topal stolz. Er ist Vorsitzender der Ditib-Moschee in Wittlich. Horcht der 49-Jährige aber in die Gemeinde hinein, so wird seine Stimme leiser.

"Die Menschen sind traurig", sagt er. "Sie fürchten, dass es zu mehr Rechtsextremismus kommt und der Frieden zerbricht. Manche haben Angst, hier irgendwann nicht mehr leben zu können - dabei ist Deutschland seit Jahrzehnten die Heimat vieler Mitglieder."

Seit dem Putsch in der Türkei steht Ditib in den Schlagzeilen, das alleine in Rheinland-Pfalz 20.000 Mitglieder hat. Kritiker fürchten einen Einfluss des türkischen Staats, in dem Präsident Recep Tayyip Erdogan mutmaßliche Verschwörer verhaften ließ. Die rheinland-pfälzische Landesregierung lässt in zwei Gutachten prüfen, ob Ditib unabhängig arbeitet. Bis Sommer 2017 kann das dauern, heißt es.

Die Gespräche mit dem Moscheenverein über islamischen Religionsunterricht sind erst einmal ausgesetzt. Auch in der ersten Landtagssitzung nach den Sommerferien war Ditib ein Thema. Die AfD fordert, den Verband vom Verfassungsschutz prüfen zu lassen. "Unser Land ist zu einer Arena innertürkischer Konflikte geworden", sagt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Joachim Paul. Andere Parteien warnen auch vor Ditib, preschen aber nicht so vor wie die AfD: "Sie leistet keinen Beitrag, Muslime zu integrieren, bedient aber Ressentiments", schimpft Daniel Köbler von den Grünen, der den Ausbau islamischen Religionsunterrichts an Schulen befürwortet. "Ansonsten besteht die Gefahr, dass Kinder in Hinterhöfen von zweifelhaften Imamen hochgepredigt werden."

Doch auch die Vorprediger von Ditib stehen in der Kritik. Entsendet werden sie von der türkischen Religionsbehörde. Die veröffentlichte jüngst einen Comic, der den Märtyertod verherrlichte. In Nordrhein-Westfalen kündigte das Innenministerium daraufhin die Zusammenarbeit auf.

Topal sagt: "Wir distanzieren uns von jeglicher Politik. Unsere Arbeit ist religiös und sozial, Radikalismus lehnen wir ab." Ditib leiste in Wittlich "unendlich viel". Der Verein sei Anlaufstelle für Flüchtlinge gewesen, habe Kleider, Essen, Trinken ausgeschenkt und Kranke behandelt. Es gebe Feste mit Christen und Muslimen.

Zu Erdogan schweigt Topal. Im August besuchte er in Köln eine Kundgebung nach dem Putsch - privat, nicht als Ditib-Vorsitzender, und auch nicht wegen Erdogan, sagt er. "Ich wollte nach dem Putsch, bei dem Menschen gestorben sind, einfach für Frieden in der Türkei demonstrieren."Extra

Begleitet von heftigen Vorwürfen der AfD gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat der Landtag Rheinland-Pfalz neue Vertreter in die SWR-Gremien entsandt. Die AfD kritisierte, dass sie niemanden schicken kann. Die Entsendung entspricht den dafür vom Landtag festgelegten Zählverfahren. Joachim Paul bezeichnete den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als "nimmersatten Staatsfunk", dessen Gebührensystem ebenso auf Widerspruch in der Bevölkerung stoße wie dessen Berichterstattung. SPD, CDU, FDP und Grüne wiesen die Vorwürfe zurück. Die Beitragsfinanzierung ermögliche einen unabhängigen Rundfunk und dauerhaft etablierten Qualitätsjournalismus, hieß es im Mainzer Parlament. dpa