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Schlaganfall nicht erkannt: Wittlicher Klinik muss Schmerzensgeld zahlen

Schlaganfall nicht erkannt: Wittlicher Klinik muss Schmerzensgeld zahlen

Das Wittlicher Krankenhaus muss einem 26-Jährigen 65 000 Euro zahlen, weil die Ärzte nicht erkannt hatten, dass er einen Schlaganfall erlitten hatte. Der Mann ist halbseitig gelähmt.

Wittlich. Marcus Müller kam am 7. August 2011 nachmittags per Notarzt ins Wittlicher Krankenhaus. Er hatte starke Kopfschmerzen, konnte sich nicht mehr auf den Beinen halten, sprach verschwommen. Alle Symptome sprachen für einen Schlaganfall. Trotzdem haben die an diesem Sonntag anwesenden Ärzte keinen Anlass gesehen, Müller näher zu untersuchen. Das sei kein Schlaganfall, eher eine Migräne, morgen könne er seinen Sohn wieder mit nach Hause nehmen, soll ein Arzt ihm gesagt haben, erinnert sich Vater Ulf Müller. Doch der Zustand seines Sohnes hat sich abends dann immer weiter verschlechtert.
Es kam zu Ausfallerscheinungen, Sprachstörungen, Lähmungserscheinungen, Schluckbeschwerden. Doch noch immer wurde der damals 23-Jährige nicht näher untersucht, obwohl er auf der sogenannten Stroke-Unit, der auf Schlaganfälle spezialisierten Abteilung des Wittlicher Krankenhauses, lag. Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CRT) sind die gängigsten Methoden, um einen Schlaganfall zu diagnostizieren. Sonntags würden die Untersuchungen im Wittlicher Krankenhaus nie gemacht, habe der Arzt ihm gesagt, so der Vater. Auch haben die Ärzte dem jungen Mann trotz des sich verschlechternden Zustands keine Medikamente gegeben, um das vermutliche Blutgerinnsel im Gehirn, das wohl den Schlaganfall ausgelöst hat, aufzulösen. Beides ein Fehler, wie nun das Trierer Landgericht festgestellt hat. Es verurteilte gestern das Wittlicher Krankenhaus zur Zahlung von 65 000 Euro an Marcus Müller wegen eindeutiger Fehlbehandlung. Eine Sprecherin des Krankenhausträger, der Cusanus Trägergesellschaft Trier (CTT), bestätigte, dass im Wittlicher Krankenhaus nicht rund um die Uhr und täglich ein MRT zur Verfügung stünde. Das soll sich aber ändern. Das Krankenhaus selbst verfügt nicht über ein eigenes MRT. Es arbeitet mit einer Belegpraxis zusammen.
Das Leben des 26-Jährigen konnte nur gerettet werden, weil er einen Tag später von Wittlich ins Brüderkrankenhaus Trier geflogen wurde. Dort wurden vier Schlaganfälle bei dem Patienten festgestellt. Seitdem ist er einseitig gelähmt. "Das schwere Schicksal unseres früheren Patienten bewegt uns sehr", sagt CTT-Chef Günter Merschbächer. Der lange Weg zurück ins Leben