Besser als jedes Navigationsgerät

Besser als jedes Navigationsgerät

Mit insgesamt elf Bischöfen (Diözesan- und Weihbischöfen) hat er rund 1,7 Millionen Kilometer zurückgelegt. Nach 37 Jahren gab Walter Greif das Lenkrad ab und begann die Altersteilzeit.

Trier. (c.c.) Etwa 900 Pfarreien gab es bis vor kurzem im Bistum Trier. Walter Greif kennt sie alle. Für den fröhlichen Katholiken, der an Weiberfastnacht sein 62. Lebensjahr vollendete und die Altersteilzeit begann, kein Grund zum Staunen, war gute Ortskenntnis doch 37 Jahre lang sein täglich Brot. Als Fahrer in Diensten der Trierer Weihbischöfe kam der gebürtige Nitteler in die entlegendsten Winkel des Bistums und weit darüber hinaus.

Begonnen hat die "Reisezeit" von Walter Greif im Jahre 1972. Da beschloss der gelernte Winzer mit Meisterbrief, sich selbstständig zu machen, und bewarb sich auf eine Stellenanzeige im Trierischen Volksfreund, in der ein Bischofsfahrer gesucht wurde. 21 Jahre lang chauffierte er Weihbischof Karl-Heinz Jacoby an seine Ziele, danach für jeweils fünf Jahre Gerhard Jakob, Felix Genn und jetzt Robert Brahm.

Intensives Kartenstudium und ein detailgenauer Spickzettel begleiteten Walter Greif auf seiner ersten Fahrt im Opel Kommodore mit Bischof Stein nach St. Thomas. "Inzwischen bin ich besser als jedes Navi", sagt er und lacht. Nur spaßeshalber habe er den elektronischen Routenführer im Auto und staune bisweilen über die Vorschläge des Gerätes. Öfter komme aus dem Fond der Kommentar: "Na, habt ihr zwei mal wieder Streit?"

Mit seinen Chefs verbindet Walter Greif ebenso wie seine drei Kollegen ein sehr warmes, inniges Verhältnis. Private Einladungen und die Gratulationen zu Geburtstagen, vor allem aber zu den Namenstagen seien üblich im Miteinander.

Nicht verwunderlich also, dass Greif zu seiner Verabschiedung ein ganz persönliches Geschenk von Bischof Brahm bekam: Der Weihbischof und einige seiner engsten Mitarbeiter werden mit dem Ehepaar Greif nach Paris reisen - im TGV, dem schnellsten Zug für den flotten Fahrer.

Der hat seine "Schützlinge" ohne Unfälle stets ans Ziel gebracht, kam nur mit Bischof Genn ein einziges Mal zu spät zu einer Firmung, weil er im Stau steckte. Besondere Höhepunkte waren die Besuche von Papst Johannes Paul II. in Deutschland, Katholikentage, die Wiedereröffnung des Doms 1974 und die Heilig-Rock-Wallfahrt im Jahr 1996. "Wir sind halt immer an vorderster Front."

Die letzte Fahrt im silbergrauen 5er-BMW führte Walter Greif mit Weihbischof Brahm für vier Tage nach Berlin. "Beim Nuntius waren wir, sind aber ohne den Brief mit dem Bischofs-Namen zurückgekommen", scherzt der Autoliebhaber.

Der Hobbywinzer will sich jetzt mehr mit seiner Enkelin beschäftigen und seinen Weinberg bearbeiten. Weg vom bischöflichen Fuhrpark also? "Nein, wenn ein neuer Bischof da ist, gibt es sicher öfter Engpässe. Da springe ich gerne ein", freut sich Walter Greif auf "Sonderfahrten".

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