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Die Bombe, das Abenteuer und echte Freunde

Evakuierung : Die Bombe, das Abenteuer und echte Freunde

Viele Menschen mussten für einige Stunden ihr Zuhause verlassen. Doch wo sollen großen Familien wie die Swobodas hin? Wie es der ergangen ist, schildert unsere Reportage.

„Auch das noch!“ Als Hannah Swoboda von der Evakuierung erfuhr, war das ihr erster Gedanke. Nach wochenlangen Ausgangseinschränkungen, Homeoffice, Kita- und Schulausfall sollte sie mitsamt Ehemann, vier Kindern und Mutter ihr Haus verlassen, an das sie zuvor wegen der Auflagen im Zusammenhang mit der Pandemie gefesselt waren.

„In den letzten Wochen war unser Zuhause unser Mikrokosmos. In Zeiten vor Corona hätte ich die Evakuierung ganz locker gesehen. Nun habe ich tatsächlich überlegt was wäre, wenn jetzt dieses Zuhause auch noch weg wäre?“, beschreibt Hannah Swoboda ihre Gefühle. Sie könne mit Wahrscheinlichkeiten gut umgehen, doch vor einem Jahr habe auch keiner es für möglich gehalten, dass eine Pandemie unser aller Leben auf den Kopf stellt.

Bombenentschärfung in Trier

„Der Verstand sagt, dass das ein Routineeinsatz ist, den die Spezialisten im Griff haben, aber ich habe trotzdem das Familienbuch und alle Ausweise mitgenommen.“ Sie scherzt: „Ich hatte kurz vorher das Haus geputzt und gedacht: Hoffentlich war das jetzt nicht umsonst – und im gleichen Moment: Du bist ja bekloppt.“

Ihr Mann Arno Ewald sei die Ruhe selbst gewesen. Zusammen hätten sie die Kinder im Alter von drei, fünf, neun und elf Jahren über die Situation informiert. Während die beiden Großen sich die Aufgabe des Kampfmittelräumdienstes erklären ließen, fragte der Fünfjährige mit leuchtenden Augen: „Kann ich die Bombe mal sehen?“ Das war natürlich nicht möglich, auch wenn sie nur einige Häuser neben ihrem Anwesen lag – entdeckt beim Ausgraben eines Lochs für einen Pool.

Doch wohin mit ihnen und der Mutter von Hannah Swoboda, die nebenan wohnt? „Wir haben kurz überlegt, in die Jugendherberge zu ziehen, es war ja anfangs angedacht, dass die Evakuierung bis 23 Uhr dauern sollte – da schlafen die Kinder normalerweise“, sagt Hannah Swoboda. Zum Glück bot Stephan Vanecek an, die Familie aufzunehmen. Als guter Freund und Mitspieler im gemeinsamen Improvisationstheaterverein „sponTat“ war es für ihn und seine im selben Haushalt lebenden Eltern in Mehring eine Selbstverständlichkeit, „der ganz‘ Corona“ (Trierischer Begriff für „Kind und Kegel“) Asyl zu gewähren.

Hannah Swoboda lobt im Zusammenhang mit der Räumung die Arbeit der Feuerwehr, die ihre Sache gut gemacht und persönlich an der Tür das Vorgehen erklärt habe. Die Tatsache, dass die Uhrzeit der Räumung wegen der berufstätigen freiwilligen Helfer nicht früher durchzuführen war, sei überzeugend vermittelt worden.

So machten sich kurz nach 17 Uhr die sieben Familienmitglieder im VW-Bus nach Mehring auf – inklusive Kartoffelsalat und Grillgut im Gepäck. Beim gemeinsamen Grillen stellte sich Erholung ein: „Wir konnten einen Abend lang mal alles vergessen, was mit Corona zu tun hat“, so Mutter Swoboda. „Das Wetter hat uns in die Hände gespielt und wir waren die ganze Zeit draußen.“

Vorherige Bedenken darüber, welches ihrer Häuser wohl nach dem Abend mehr verwüstet sei, erwiesen sich als unbegründet. Es gab weder eine Detonation in Heiligkreuz noch Verwüstungen in Mehring. Nach einem ausgiebigen Spaziergang zur Huxlay inklusive beeindruckendem Sonnenuntergang seien die Kinder erschöpft gewesen. Als klar war, dass die Entschärfung der Bombe geglückt ist, machten sich die Evakuierten auf den Rückweg.

„Wir waren noch nicht aus Mehring raus, da haben alle Kinder schon geschlafen“, erzählt Hannah Swoboda. Auch wenn dank gutem Wetter und reichlich Platz der Abend für diese Familie entspannt verlaufen ist, versichert sie: „Von der Idee, auch einen eigenen Pool im Garten anzulegen, sind wir abgerückt.“