Eine Villa, Weinsülze und der Sinn des Lebens

Eine Villa, Weinsülze und der Sinn des Lebens

In zwölf Etappen reisen zwölf Volksfreund-Reporter von A wie Aach bis nach Z wie Zewen - einmal quer durch die Region Trier. Ihr Ziel ist es nicht nur, die eigensinnige Schönheit von Eifel, Mosel und Hunsrück zu ergründen und etwas Typisches zu essen. Sie machen sich auch auf die Suche nach dem Sinn des Lebens. Eine ungewöhnliche Sommerreise.

Sommerreise Teil 1: Katharina Hammermann. Foto: Katharina Hammermann
Sommerreise Teil 1: Das idyllische Prümtal mit seinen Hopfenfeldern bei Holsthum. Foto: Katharina Hammermann
Sommerreise Teil 1: In der römischen Villa Bollendorf sind noch Reste der Badeanlage erhalten. Foto: Katharina Hammermann
Sommerreise Teil 1: Ein Sommerblumenstrauß mit wildem Oregano als Andenken. Foto: Katharina Hammermann
Sommerreise Teil 1: Die Echternacher Basilika. Foto: Katharina Hammermann
TV-Grafik: Birgit Keiser. Foto: Birgit Keiser
Sommerreise Teil 1: Auch der Jakobsweg führt bei Bollendorf durch das Sauertal. Foto: Katharina Hammermann

Aach/Bollendorf/Dockendorf. Die reine Fahrtzeit beträgt nicht einmal eine Stunde. Und doch reicht ein Nachmittag nicht aus, um von Aach vor den Toren Triers über das touristische Bollendorf ins bäuerliche Dockendorf zu reisen. Wochen wären wünschenswert. Zumindest für alle, die sanft geschwungene Talhänge, schroffe Felsen, sattes Grün, Schlösser, Burgen, prämierte Wanderwege, Römerrelikte, Schnaps, Orchideen, Reiterspiele, Hopfen, Landluft oder Paté Riesling mögen.
Mit jedem Meter, den das Auto von der flachen Eifel-Hochebene ins Sauertal hinabrollt, steigt das Urlaubsgefühl. Denn dort unten an der Grenze liegen malerische Dörfer, die Sehenswürdigkeiten Echternachs und die prächtigen Landschaften des deutsch-luxemburgischen Naturparks. Die Luxemburger Schweiz und das Ferschweiler Plateau sind wahre Wanderparadiese, während die Täler von Sauer und Prüm Wassersportler, Radler und Camper anziehen - vor allem solche mit gelben Nummernschildern.

Mit jemandem über den Sinn des Lebens reden: Es kostet Überwindung, Fremde auf der Straße einfach so nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Bei diesen Fremden allerdings könnte auch die reine Betrachtung schon Antworten liefern: Drei Frauen sitzen in der Sonne, nicht auf Stühlen, sondern einfach auf dem warmen Asphalt der Aacher Brunnenstraße, plaudern, stoßen mit einem Glas Sekt auf eine bestandene Prüfung an und schauen einem kleinen Jungen dabei zu, wie er voll kindlicher Freude mit Murmeln spielt. Obwohl sie die Frage erst einmal komisch findet, fällt Christine Gierens zum Sinn des Lebens ein Zitat von Johannes Bosco ein: "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen", sagt sie. Klingt gut, danke! Auch für den Sekt.

Einen Lieblingsplatz finden: Obwohl es auf dieser Route viele tolle Plätze gibt, fällt die Wahl leicht. Denn der von einem mittelalterlichen Arkadenbau mit dem ulkigen Namen Dingstuhl geprägte Echternacher Marktplatz (wo die Route dank einer Umleitung langführt) ist nicht bloß hübsch, er hat auch eine großartige Fähigkeit: Nur eine halbe Minute jenseits der deutschen Grenze gelegen, beamt dieser Platz seine Besucher komplett raus. Aus allem. Eben noch war die TV-Tour Arbeit. Nun ist sie Urlaub. Und zwar gefühlt in Frankreich, wo Läden "cadeaux" und "tabacs" verkaufen, wo die Sonne wärmer scheint, wo der Kaffee stark ist und das Leben süß.

Eine Sehenswürdigkeit bestaunen: Schloss Weilerbach, Burg Bollendorf, die Echternacher Basilika, die Hopfenfelder im Prümtal, die Teufelsschlucht, das Fraubillenkreuz, Schloss Holsthum… die Tour bietet zahllose Sehenswürdigkeiten. Ich bestaune die römische Villa von Bollendorf. Oder vielmehr: ihren gigantischen, modernen Überbau aus Holz und Stahl, von dem ein Weltkulturerbe wie die Trierer Barbarathermen nur träumen kann. Auch die Grundmauern des Bollendorfer Landhauses aus dem zweiten Jahrhundert samt Badeanlage, Atrium, Heizung und Keller sind gut in Schuss. Dennoch wirkt die Anlage mit ihren unlesbaren Infoschildern vernachlässigt. Es sei viel Geld investiert worden, sagt ein Bollendorfer, der vor seinem Haus Zeitung liest. Doch es fehle ein nachhaltiges Nutzungskonzept. Also: Infos zur Villa besser vor der Visite googeln. Eintritt frei.

Etwas essen und trinken: Eigentlich wollte ich am Bollendorfer Sauerstaden futtern, doch dann bin ich in Echternach gelandet, das sich zwar anfühlt wie Frankreich, aber in Luxemburg liegt und daher neben dieser köstlichen Fischsuppe, die ich im Restaurant Le Petit Poete mal hatte, so verrückte Dinge wie Paté Riesling (Weinsülzpastete) bietet. Weil es für Suppe zu warm und die Patisserie geschlossen ist, esse ich ein Eis: Malaga und Pistazie, groß, lecker und doppelt so teuer wie in Bitburg. Anders als der Echternacher Marktplatz hat ein Imbiss am Bollendorfer Sauerstaden die Fähigkeit, seine vielen niederländischen Besucher kulinarisch wieder nach Hause zu schicken: mit Fritten, Kipcorn und Frikandel special.

Ein Andenken mitbringen: Da bei der Schnapsbrennerei in der Holsthumer Mühle niemand öffnet, gibt es keinen Obstler als Andenken, sondern einen bei Ingendorf gepflückten Sommerblumenstrauß mit aromatisch duftendem Wild-Oregano (der im von hübschen Bauernhäusern und einem großen Reiterplatz geprägten Dockendorf allerdings auch nicht über den Geruch der Schweineställe hinwegtäuschen kann).
Ausblick: Die nächste Etappe der Sommerreise führt von Dockendorf über Enzen nach Fischbach.

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