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Neues zum Pitter aus Korlingen: Von Schuhen, Dreck und einem Wortduell

Kurzgeschichte : Neues zum Pitter aus Korlingen: Von Schuhen, Dreck und einem Wortduell

Autor Bernhard Hoffmann erzählt in seiner neuen Kurzgeschichte, wie es dem jungen Pitter aus Korlingen nach der Hochzeit mit seiner Katharina ergeht. Die legt Wert auf eine saubere Küche – nicht nur an Feiertagen.

Schaut mal, da stehen die Schuhe neben der Haustür, und drüber ist ein Holzbrett, damit sie nicht nass werden. Darauf liegt faul Maunz, der Kater, weil die Sonne so schön scheint. Dass die Stiefel und Schuhe da stehen, in Reih und Glied, geordnet die von Großvater, dem Pitter, dem Knecht – die vom Pit lümmeln so schief herum – und zuletzt die kleinen der Marie, das kam so:

In der Küche wollte die junge Ehefrau, die Katharina, alles sauber haben. Es blitzten die Töpfe und das kupferne Geschirr, blank waren die Teller und Schüsseln. Wenn mal ein Hälmchen in die Suppe gefallen war, fischte die Katharina es sofort heraus. Wenn ein Krümel in der Schüssel lag, wurde sie flugs gespült – zum Leidwesen der Magd war da immer etwas zu wischen und zu scheuern.

Ja, und das mit den Schuhen kam dann so: Mittags stiefelte die ganze Bande in die Küche, hungrig und nicht links und rechts schauend, nur auf den Herd. Und dabei hatten sie natürlich an den Stiefeln den Mist aus dem Stall oder die Brocken vom Feld – herrje, war das ein Dreck, wenn es nass war! Am schlimmsten aber war es, wenn einer in einen Kuhfladen getreten war, puh!

Wegen der krabbelnden Kinder war das der Katharina egal, denn Dreck macht Speck, auch wenn die Schreiber in den Almanachen 100-mal das Gegenteil behaupteten. Nur das Fegen und Putzen jeden Tag war doch lästig, und dazu der üble Geruch.

Und einmal reichte es ihr. Sie stemmte sich in die Küchentür und befahl allen, die Schuhe im Flur stehen zu lassen. Da sah man natürlich große Zehen aus den Löchern in den Wollsocken gucken oder dass der Knecht wieder mal zwei verschiedene anhatte. Aber man fügte sich.

Das war ein Etappensieg. Jetzt ging es weiter: die Kerle sollten ihre dreckigen Klumpen draußen säubern. Dazu reichte sie, sich in die Haustür stellend, die Arme in den Hüften, einen Spatel und einen grobborstigen Handfeger. Der Pitter schaute sie nur an, schob sie wie eine Feder beiseite und flatschte in den Flur, alle nach. Nur die Marie säuberte fein ihre Schuhe.

Tags drauf: dasselbe Spiel. Und so kam es am dritten Tag zum Streit. Hui, flogen da die Worte hin und her. Sie habe es satt. Er schufte seit sechs Uhr. Sie koche von nun an nichts mehr, da sollte er mal sehen. Ein undankbares Weib sei sie. Die Männer seien Schweine, sie eine Ziege. Und so für fünf Minuten, in denen eine ganze Arche Noah ihre Pforten öffnete.

Derweil hatte die Marie die Schuhe sauber, der Pit seine klammheimlich dahinter geschoben, der Knecht sie auch ausgezogen und draußen gesäubert, der Großvater sie vor die Tür geworfen – bis sie allein im Gang standen und am Klappern hörten, wie die Magd drinnen auftischte.

Die Katharina heulte kein bisschen, nein wirklich, da sah man nichts. Aber wie sie der Pitter so ansah…  Da zog er die Stiefel aus und warf sie – nein, er wollte erst – und stellte sie vor die Tür neben Maunz, den Kater. Dann schaute er da noch eine Weile hin und ging schweigend zum Essen. Eieiei, wie still das heute Mittag war.

Jedenfalls brachte der Pitter am Abend draußen vor der Haustür ein Brett an, auf das sie alle ihre Schuhe stellen konnten. Da aber der Kater jetzt keinen Platz mehr hatte und es manchmal auch regnete, standen sie später drunter: die vom Großvater, dann die vom Pitter, vom Knecht, alle schön in der Reihe wie die Soldaten, dann die unordentlich hingeworfenen vom Pit und zuletzt sehr ordentlich die kleinen der Marie.

In der Küche blitzte jetzt immer nicht nur das Geschirr, sondern auch der Boden, und die Magd fand das auch sehr gut. Glaubt mir, das war der einzige Streit, den die Katharina und der Pitter jemals hatten. Sagen sie jedenfalls.