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So kam die Stadt Trier zu einem neuen Logo

Trierer Geschichten : So kam die Stadt zu einem neuen Logo

Auszug aus dem nächsten Buch von Alt-OB Helmut Schröer: Das Symbol wurde zunächst heftig kritisiert – dann akzeptiert.

Die Reaktionen in  Veröffentlichungen über Trier und in der Trierer Presse waren  mehr als eindeutig: „Die Stadt stellt ihr neues ‚Logo‘ vor. Dem Chronisten kommt die stilisierte Porta Nigra wie eine leere Eisenbettstelle vor, und die beiden Durchgänge erinnern an das Logo von McDonald’s.“ So äußerte sich der Verfasser der Stadttrierischen Chronik, Adolf Heuser, einige Monate, nachdem die Stadt Trier am 11. Oktober 1995 in  der Presse ein neues Logo der Stadt Trier vorgestellt hatte. Die Zeit seit dieser Pressekonferenz hatte nicht gereicht, die Erregung in der Stadt Trier abzubauen.

Zahlreiche Leserbriefe bewerteten das Projekt „Neues Logo“. Die Ablehnung überwog deutlich. So schrieb ein Leser im Trierischen Volksfreund: „Nein, sympathisch und freundlich ist dieses Logo nicht. Es  ist eine schnodderige Verhöhnung unseres ehrwürdigen Wahrzeichens. Ein Wahrzeichen, welches als das schönste und am besten erhaltene römische Bauwerk nördlich der Alpen eingestuft wird, darf mit diesem Logo nicht über die Grenzen unserer Stadt hinaus diskriminiert werden.“

Am 19. Oktober 1995 startete der Trierische Volksfreund in der Trierer Fußgängerzone eine Umfrage, um „festzustellen, wie denn das neue Wiedererkennungszeichen für die altehrwürdige Römerstadt bei den Bürgern ankommt“. Die Meinungen waren durchaus geteilt. Ergänzt wurde der Zeitungsartikel durch eine Karikatur (siehe unten auf dieser Seite). In der Diskussion meldeten sich auch die Trierer Grünen und wiesen auf eine „gewisse Ähnlichkeit“ mit dem von ihnen entwickelten   Erkennungssymbol in Trier hin.

Trier hatte über mehrere Wochen ein Thema. Ausgangspunkt war die bereits erwähnte Pressekonferenz des Trierer Oberbürgermeisters am 11. Oktober 1995. Im TV-Bericht hieß es: „Premiere im Trierer Rathaus: Star war keine Politgröße, sondern das neue Stadt-Logo. Mit dem Signet will sich die Stadt nach außen in einem neuen, moderneren Licht präsentieren.“

Das neue Logo war ein Ergebnis einer Diskussion um ein Stadtmarketing-Konzept, die 1992 begonnen hatte. „Stadtmarketing“ ist ein schwieriger Begriff, der oft missverstanden wird. „Jetzt fangen die im Rathaus wieder an, Werbung zu machen“, hörte man zu Beginn des Projektes immer wieder. Es war aber natürlich nicht das Ziel, ein neues Werbekonzept für die Stadt Trier zu erstellen. Erfolgreiche Werbung gelingt nachhaltig nur dann, wenn das Produkt stimmt. Auf das Stadtmarketing der Stadt Trier übertragen, lautete deshalb die Frage: Was muss getan werden, damit das „Produkt Trier“ in Zukunft wettbewerbsfähig ist?

Warum aber gerade zu Beginn der 90er Jahre eine solche Logo-Diskussion? Das kommunale Leben ist sehr vielgestaltig. Im Dschungel der täglichen Sachfragen, der zahlreichen Entscheidungen sind Wegmarken, an denen man sich orientieren kann, hilfreich. Es besteht sonst die Gefahr einer Politik der Eintagsfliegen. Man verliert sich in Einzelheiten; ein Gesamtkonzept ist nicht sichtbar.

In Zeiten, in denen sich die Städte in einem zunehmenden Wettbewerb befinden, wäre eine solche Haltung sehr gefährlich. Als Stadt in einem europäischen Großraum erfährt Trier diese Wettbewerbssituation tagtäglich. Deshalb muss sie sich verstärkt um Zielgruppen als Wirtschaftsstandort, als Lebensraum zum Wohnen, Arbeiten, Studieren, Einkaufen, zur Freizeitgestaltung und als Erholungsgebiet bemühen. Wenn man sich nur auf Werbung beschränkt, wenn das „Produkt Stadt Trier“ nicht stimmt, wird man in diesem Wettbewerb unterliegen.

Wie kommt man zu einem Zukunftskonzept für eine Stadt? Zu einer fundierten Antwort kommt man, wenn man zunächst die Frage beantwortet: Wer ist die Stadt? Geprägt wird die Qualität einer Stadt von der Identifikation  der Bürgerinnen und Bürger mit der städtischen Gemeinschaft. Man kann zwischen Einwohnern und Bürgern einer Stadt unterscheiden. Einwohner tauchen vor allem in  Statistiken auf. Ihre Leistung für eine Stadt besteht vor allem darin, dass sie ihre Steuern bezahlen. Bürger engagieren sich darüber hinaus, bringen sich in die Stadt ein. Sie machen letztlich die Stadt aus. Die Stadt, das sind nicht nur einige wenige im Rathaus. Die Stadt – das sind alle Bürgerinnen und Bürger.

Das offizielle Wappen (Hoheitszeichen) der Stadt Trier, ebenfalls in den Stadtfarben Rot und Gelb, wird nach wie vor genutzt. Der Stadtpatron Petrus hält in der rechten Hand den Stadtschlüssel und in der linken ein Buch. Foto: Presseamt der Stadt Trier

Wenn also ein Zukunftsprojekt für eine Stadt erarbeitet werden soll, wenn eine Stadtmarketingdiskussion stattfinden soll,  dann ist dies nicht nur eine Aufgabe für einige wenige Akteure im Rathaus, sondern eine Aufforderung an alle städtischen Akteure in den Verbänden, Institutionen und Vereinen, letztlich an alle Bürger.

Das Ergebnis der Diskussionen in Arbeitsgruppen waren sechs Leitbilder. Es wurde sehr deutlich, dass es nicht gelingen konnte, ein konkretes Leitbild, das alle Bereiche der Stadt Trier in ihrer zukünftigen Entwicklung umfasste, zu formulieren. Folgende Leitbilder wurden in der „Zukunftswerkstatt“ erarbeitet:

• Trier, die europäische Stadt

• Trier, die Stadt der erlebbaren Geschichte und Kultur

• Trier, die Stadt der Kooperationen

• Trier, die „gesunde“ Stadt

• Trier, die Stadt mit leistungsorientierter und bürgernaher Verwaltung

• Trier, die Stadt des engagierten Bürgers.

An diesem Punkt des Verfahrens wurde dann die Frage gestellt, wie man diese Ergebnisse der  Stadtmarketingdiskussion überzeugend nach außen darstellen könnte. Natürlich auch in die Stadt hinein, um das Wir-Gefühl zu stärken.

Der Trierische Volksfreund griff die Diskussion über das neue Logo der Stadt Trier 1995  mit dieser Zeichnung auf, die den damaligen Oberbürgermeister Helmut Schröer in Chinesen-Optik zeigt. Die stilisierten Torbögen der Porta hatten manche an das Logo von McDonald’s erinnert. Foto: Fritz-Peter Linden

Die Stadt Trier schrieb im Frühjahr 1994 einen Wettbewerb aus. Die Aufgabe war, für die erarbeitete Gesamtkonzeption Marketing-Maßnahmen vorzuschlagen. Den endgültigen, siegreichen Entwurf beschrieb die Agentur wie folgt: „Die Diskussion wurde grundsätzlich von der Vorstellung geleitet, mittels eines neuen Logos visuell einen etwas moderneren Auftritt der Stadt Trier zu ermöglichen. Dies wird durch die lockere schematische Darstellung des baulich etwas ‚schwerfälligen‘ Trierer Wahrzeichens, der Porta Nigra, gewährleistet.

Die beabsichtigte Kombination zwischen Geschichte und Modernität der Stadt kommt darüber hinaus (neben der durch Sterne angedeuteten europäischen Stilisierung der Porta) durch die gewählte Trajan-Schriftvariante zum Ausdruck, die einen bewussten Kontrast zwischen der Porta-Umsetzung und dem Schriftzug ‚Trier‘ darstellt. Die Schrift baut auf der original römischen ‚Capitalis‘ auf. Es ist eine langlebige und trotzdem elegante Schrift, die in ihrem Erscheinungsbild nicht altmodisch wirkt. Die farbige Variante des neuen Logos, das keineswegs gänzlich das traditionelle Petrus-Wappen ersetzen will, ist in den Stadtfarben rot-gelb gehalten.

Mit einem (neuen) Logo sind stets viele subjektive Interpretationen, Sympathien und Anmutungen verbunden. Logos, über die nicht diskutiert wird, sind in aller Regel auch die langweiligsten. Die vorgelegte Variante stellt den massiven Baukörper auf eine sympathisch moderne Weise dar, ohne dabei den für Trier so bedeutsamen historischen Bezug zu verleugnen.“

Die von den Experten vorgeschlagene Variante wurde am 4. September 1995 in einer Sitzung des Stadtvorstandes dem Oberbürgermeister und den Dezernenten präsentiert. Offensichtlich wurde in dieser Sitzung eine Diskussion in der Öffentlichkeit über das neue Logo erwartet. Denn der Oberbürgermeister „wies darauf  hin, dass das Stadtsiegel mit dem Petrus weiterhin Hoheitszeichen bleibe“ (Protokoll der Sitzung).

Die Diskussion unmittelbar nach der Vorstellung des neuen Logos in der Öffentlichkeit war heftig. Mehr und mehr setzte sich aber in der Öffentlichkeit  der Gedanke durch, dass das Ziel der Stadt, sich auch über eine solche Darstellung sowohl den Bewohnern als auch den Gästen der Stadt einheitlich und wirkungsvoll zu präsentieren, ein richtiger Schritt war.

Das neue Logo wurde ein wichtiger, millionenfacher Werbeträger. Auf allen Briefbögen, Formularen und Schriften der Stadt wurde es verwendet. Und zunehmend wurde es auch als Aufkleber angefordert.

In der Diskussion meldeten sich vereinzelt auch positive Stimmen. In einem Leserbrief hieß es: „Endlich einmal ein erfrischendes Logo – und schon gibt es heftige Diskussion. Das ist auch gut so. Aber ist bei der Logo-Diskussion auch alles logo? Die einen erinnert das neue Logo an alles andere, nur nicht an die Porta. Den anderen kommt es bekannt vor, weil sie in dem neuen Logo alte Logos wiederfinden. An was erinnert das neue Logo nun? An alles andere oder an Altbekanntes? Oder vielleicht doch nur einfach an das, was es auf den ersten Blick ausstrahlt, nämlich Frische und Sympathie.“

Im Oktober 1995 war eine so positive Bewertung die Ausnahme. Inzwischen hat das Logo, das im Oktober 2020 genau 25 Jahre alt wird, eine große Zustimmung gefunden.