1. Region
  2. Trier & Trierer Land

TV-Kolumne Trierisch balaawern von Horst Schmitt

Kolumne Trierisch balaawern : Präschtisch: Scheranien aus Schpanien

Die Wort-Endungen lich, isch und ig sind ja wirklich schwer zu unterscheiden, und Deutschlehrer machen sich einen Spaß daraus, Schüler mit Wörtern wie den folgenden auf den Leim zu führen: leidlich, möglich, weiblich, fröhlich (Nachsilbe lich), neidisch, weibisch, modisch, komisch (Nachsilbe isch) und schäbig, prächtig, säumig, selig (Nachsilbe ig).

Und nicht nur Schüler haben es schwer, sondern auch die meisten Leute, wenn sie gepflegtes Hochdeutsch sprechen wollen. 

Da heißt es bei der Ausspreche beispielsweise fein zu unterscheiden zwischen Wörtern wie ländlich, fremdländisch, ablandig (bei Wind). Wenn die Sprachgeschichte es so gefügt hätte, dass das Trierische zur Grundlage des Hochdeutschen geworden wäre, dann hätten es Schüler beim Diktat und Redner beim Sprechen einfacher. Das ganze Balaawer mit diesen verflixten Endsilben lich, isch und ig hätten sie jedenfalls nicht.

Wenn wir Trierer (und Moselfranken im Allgemeinen) reden, klingen alle drei Endsilben völlig gleich: Alle werden zu einem sch.

Also: nötig = niedisch, innwendig = önnewendisch, fröhlich = frölisch, selig = seelisch, feurig = feurisch, eklig = ääglisch und prächtig = präschtisch.

Am letzten Beispiel (präschtisch) kann man sehen, dass sich gleich zweimal ein sch ins Wort gedrängt hat. Denn Trierer lieben das sch sehr und bauen es überall ein, wenn es nur irgendwie möschlisch ist.

Jedes ch, wo immer es sich versteckt, wird zum sch: Kirche = Körsch, reichlich = reischlisch, lächerlich = läscherlisch, Beleuchtung = Beleuschtung. Und im Wortbeginn wird es immer sch heißen, wenn sp oder st stehen: spitz = schpitz, Spanien = Schbanien, Stein = Schdaan, streiten = schdreiden. Selbst vor Fremdwörtern kennt das sch keine Zurückhaltung. Gelee wird zu Schelee, Geranien werden zu Scheranien und aus der Garage wird eine Garaasch.

 Das sch hat sich so in unserer Sprache und in unseren Köpfen eingenistet, dass es da selbst mit Gewalt nicht mehr auszumerzen ist. Wir sind ihm ausgeliefert.

Eine mit dem Trierer Platt aufgewachsene Bekannte ist seit ihrem Studium jahrzehntelang als Deutschlehrerin in Westfalen tätig und wird da heute noch gehänselt, weil sie das sch nicht weg bekommt.

Horst Schmitt

Weitere Kolumnen finden Sie im Buch Platt ist nicht platt von Horst Schmitt, Verlag Michael Weyand, 14,95 Euro.