Vom Hörsaal ins Reisfeld

TRIER. (red) Uni mal anders: Drei Wochen erforschten zehn Studenten aus Trier die Kultur der Menschen in Nordvietnam.

Begleitet von Professor Christoph Antweiler und Corinne Neudorfer übten sie Methoden, um das Leben in Nordvietnam - beispielsweise der Reisbauern - besser zu verstehen. Für Christoph Antweiler sind solche Übungen unerlässlich: "Das Schulen der Wahrnehmung ist wichtiger Bestandteil einer guten ethnologischen Ausbildung bei uns an der Universität." Erstes Reiseziel der Studenten in den Bergen Vietnams war Sapa, 1600 Meter über dem Meeresspiegel im Nordwesten an der Grenze zu China gelegen. Nach Öffnung des Landes 1986 wandelte sich Sapa von einem verschlafenen Außenposten in eine lebendige Touristenstadt. Die Bergvölker der Umgebung sind das größte touristische Potenzial Sapas: Fünf der 54 ethnischen Minderheiten Vietnams sind hier zuhause. Die angehenden Forscher befragten Händlerinnen, beobachteten Touristen und diskutierten jeden Abend mit allen Teilnehmern ihre Ergebnisse. Sie förderten Verblüffendes zu Tage. "Die Händlerinnen sprechen erstaunlich gut Englisch, fast alle Interviewpartner schienen es sich komplett selbst beigebracht zu haben", sagte Michelle Klein, Drittsemester an der Uni Trier.Geröstete Heuschrecken

Weitere Station der Reise war Ban Lác, ein Dorf 138 Kilometer südwestlich von Hanoi. Die Teilnehmer wohnten im Stelzenhaus des Dorfchefs Ha Cong Nham. Bei grünem Tee erzählte er den Studenten die Geschichte seines Dorfes. Touristen kenne er bereits seit den 1960er-Jahren. Seit 1993 wird das Dorf auch von Rucksacktouristen besucht, und der Dorfchef freut sich über das Interesse der Besucher. Die Aufgabe der Studenten stellten Christoph Antweiler und Corinne Neudorfer bereits auf der Busfahrt nach Ban Lác klar: "Nehmen Sie Teil am Leben der Dorfbewohner." Maren Freudenberg, 22 Jahre alte Studentin aus Trier, entschied sich für ein Thema, das ihr auch zuhause besonders gefällt. "Ich werde in den nächsten Tagen in der Küche der Familie des Dorfschefs mitarbeiten." Ihre neu erworbenen Kochkünste fanden abends großen Anklang bei den Gastgebern, auch den Studenten schmeckte es. Selbst geröstete Heuschrecken vernaschten die Studenten als Leckerbissen. Nach drei Wochen Forschen waren die Studenten begeistert von der Vielfalt Vietnams. "Hier gibt es noch eine Menge zu entdecken und zu erforschen", sagte Maren Freudenberg. Auch die Begleiter waren zufrieden: "Die Teilnehmer haben viel über ethnologisches Arbeiten gelernt", resümierte Christoph Antweiler. Die Arbeit sei jedoch noch nicht zu Ende. In Trier steht eine Ausstellung über die Exkursion an, Vietnam werde die Studenten also noch eine Weile begleiten.