Ein Herrscher mit einem Reich auf Zeit

Ein Herrscher mit einem Reich auf Zeit

Wenn Narren bestimmen: So will es die Tradition in der Zeit zwischen dem 6. Januar und Aschermittwoch. Dann wird in vielen Regionen - auch in einigen Teilen der Eifel - immer noch der Bohnenkönig als Herrscher über ein Reich auf Zeit gewählt.

Bitburg/Prüm/Daun Kaum hat der Monat Januar begonnen, erfährt man von Bräuchen, die sich um eine Bohne drehen, sei es bei einem Bohnenball oder der Wahl eines Bohnenkönigs. Diese Bräuche scheinen langsam auszusterben. Aber noch werden sie in einigen Ortenliebevoll in Variationen gepflegt und kultiviert.
Der Männergesangverein Daun kürt jedes Jahr am Abend des Dreikönigstages einen Bohnenkönig. Nach einem festlichen Essen werden Kuchenstücke gereicht. In einem ist eine weiße Bohne versteckt. Und wer sie findet, darf ein Jahr lang als Bohnenkönig den Verein repräsentieren und mit der Dame seines Herzens, der Bohnenkönigin, den Königsball eröffnen. Das ist bei den Daunern seit 1864 Tradition. Diesen Brauch pflegten vor wenigen Generationen nahezu alle Großfamilien.
"Wer König war, stand im Mittelpunkt. Er durfte sich zur Belohnung zwei Stücke Kuchen nehmen", erinnerte sich Paul Schütz, 1998 verstorbener Regionaldekan in Jünkerath.
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"Am Abend dieses Tages pflegte in jedem Haus eine Mannsperson zum Könige und eine Frauensperson zur Königin gemacht zu werden, die dann den Hausgenossen etwas schenken musste", schrieb der Pfarrer und Eifelforscher J. H. Schmitz um 1850.
Im Bitburger und Prümer Raum nannte man diesen Abend Hofabend. Am Abend von Dreikönig wurde in jedem Haus ein gutes Mahl bereitet. Der Hausherr schrieb unter einen Teller: König. Wer diesen Teller erhielt, war König und musste etwas zum Besten geben. Und jedesmal, wenn der König sein Trinkglas hob, riefen alle anderen: "Der König trinkt! Es lebe der König!" Der Ursprung und die Wahl lassen sich nur begreifen, wenn man das Fest Epiphanie, den Dreikönigstag, im Einklang mit Karneval sieht.
In Mitteleuropa begann durch das gesamte Mittelalter bis in die Gegenwart die Karnevalszeit am Fest Dreikönig (6. Januar) und dauerte bis Aschermittwoch. Dabei entwickelten sich die unterschiedlichsten Bräuche. Nahezu alle wurden von der Kirche und der weltlichen Macht geduldet. Denn Karneval stellt eine "verkehrte Welt" dar. Menschliche Ordnungen verkehren sich ins Gegenteil: Karnevalsprinzen und -könige, närrische Gesetze und Ordnungen, Erstürmen von Rathäusern. Nicht Kluge regieren, Narren bestimmen. Auch deren Wahl war "verrückt", dem zufälligen Los überlassen. Statt eines "Königs von Gottes Gnaden" gab es nun den "Bohnenkönig", der allerdings mitsamt seinem "Narrenstaat" nur vom 6. Januar bis Aschermittwoch "regieren" durfte. avi