Studierende der Hochschule Mainz stellten Architekturentwürfe für das Observatorium Hoher List vor. Doch sind sie realisierbar?

Kunst : Der Traum von himmlischer Ruhe

Studierende der Hochschule Mainz stellten Architekturentwürfe für das Observatorium Hoher List vor. Doch sind sie realisierbar?

Auf den Wegen machen sich blühende Kräuter breit, Putz und Lack blättern von den Gebäuden ab: Das Areal der Sternwarte Hoher List, welches eine Künstlergruppe zu neuem Leben erwecken und die Astronomische Vereinigung Vulkaneifel weiternutzen möchte, hat das Flair eines traumverlorenen Ortes – auch an dem Sommertag, an dem sich künftige Architektinnen und Architekten aus Mainz mit Eifeler Künstlern, Kommunalpolitikern und anderen Interessierten trafen, um Modelle für eine neue Gestaltung zu präsentieren.

Bruno Nelles, der die Sternwarte gern vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) Nordrhein-Westfalen kaufen möchte, war ebenfalls anwesend und gab kurz den Stand der Dinge durch: „Ich bin nach wie vor bereit, auch wenn es natürlich ein Risiko ist. Im Moment hängt es an der Uni Bonn, der noch Inventar gehört.“ Mit anderen Worten: Der Eigentümerwechsel ist noch immer nicht vollzogen oder in greifbarer Nähe.

Dass die Sternwarte jedoch das Potenzial für faszinierende kulturelle, wissenschaftliche und soziale Nutzungen hat, machten die 13 Arbeiten deutlich, die im vergangenen Wintersemester unter Leitung von Professor Jürgen Rustler an der Uni Mainz entstanden. Da fiel es schwer, sich der Kraft der Visionen zu entziehen und nur auf den schnöden Mammon zu schauen, an dem vieles scheitern könnte. Zum Beispiel der Entwurf von Joel Jöbgen und Luis Pereira, wohl einer der spektakulärsten: Angelehnt an die runden Maarformen werden die einzelnen Gebäude, in denen eine astronomisch-geologische Lehrer-Schüler-Akademie sowie Kunst-Ateliers und Werkstätten angesiedelt sind, durch einen gläsernen, in die Hanglage hineingebauten Rundgang verbunden. Das Modell ist geprägt vom steten Wechselspiel zwischen Ruhe und Lebendigkeit, zwischen drinnen und draußen.

„Wir wollen diesen ehemals elitären Ort, der zweihundert Jahre Wissenschaftsgeschichte hat, mit der einzigartigen Eifelnatur ringsum verbinden und ihm Identität geben“, so Jöbgen.

Autos aus dem Areal verbannen, Seminarräume und Übernachtungsmöglichkeiten für Künstler und kleine Besuchergruppen schaffen, das Teleskop erhalten, ein Café ansiedeln, eine Shuttle-Verbindung zum Dorf herstellen, an Wander- und Radwege anknüpfen, Themenwelten und Ausstellungsflächen oder eine Art Amphitheater für Events schaffen, behutsame Eingriffe in den Gebäudebestand mit vorgelagerten Glasfronten zum Beispiel rund um die Kuppelbauten, immer wieder Ruhe-Inseln einbauen. All das kennzeichnet viele der Entwürfe.

„Es geht bei den Arbeiten nicht um Wirtschaftlichkeit, sondern sie wollen Visionen aufzeigen und Inspiration geben für das, was möglich wäre“, betonte Professor Rustler. „Das Areal ist eine tolle Herausforderung für die Studierenden.“ Die waren ein Mal vor Ort, im Winternebel, die Weite der Vulkanlandschaft von der Sternwarte aus nicht sichtbar. Umso erstaunlicher, dass sie diese dennoch als Hauptakteure in ihre Entwürfe einbauten und so den Charakter des Areals trafen.

„Die Modelle haben die künstlerischen Impulse wunderbar aufgenommen“, findet Jutta Schulte-Gräfen, Malerin aus Rengen und Sprecherin der Gruppe „SternwARTe“, die gemeinsam mit Nelles nicht müde wird im Versuch, die gewünschte Lösung für den Hohen List zu realisieren.

Die Gäste schauen sich eines der Modelle an, wie die zum Kulturtreff umgebaute Sternwarte einmal aussehen könnte. Foto: TV/Karl Maas

„Mich hat besonders ein Entwurf überzeugt, der lichtdurchflutete Kuppeln mit den original Holzvertäfelungen neu inszeniert und der die heimischen Natursteine verwendet. Aber an allen begeistert mich, dass sie unsere Grundidee teilen: Das Gesamtensemble aus Gebäuden, Wegen und Flächen wird nicht aufgeteilt in verschiedene Bereiche mit Einzelinteressen, es bleibt als Ganzes erhalten. Das ist auch uns besonders wichtig.“

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