Zwei Unternehmen wollen wieder Züge zwischen Gerolstein und Kaisersesch fahren lassen

Infrastruktur : Zwei Unternehmen wollen wieder Züge zwischen Gerolstein und Kaisersesch fahren lassen

Die sieben Kommunen, die aus der seit mehr als sechs Jahren nicht mehr genutzten Bahnstrecke Gerolstein-Kaisersesch einen Radweg machen wollen, müssen sich erst einmal in Geduld üben. Denn es gibt zwei Unternehmen aus Rheinland-Pfalz, die sich für die Wiederinbetriebnahme der Eifelquerbahn interessieren.

An machen Stellen braucht es mittlerweile schon etwas Fantasie, um sich vorstellen zu können, dass auf der Strecke zwischen Gerolstein und Kaisersesch (Kreis Cochem-Zell) als Teilstück der Eifelquerbahn mal Züge gefahren sind. Die Natur hatte ja auch mittlerweile mehr als sechs Jahre Zeit, sich auf den gut 50 Kilometern wieder breitzumachen.

Seit der letzten Fahrt im Herbst 2012 ist viel darüber diskutiert worden, was mit der Strecke geschehen soll. Die jüngste Option, auf die sich der kommunale Arbeitskreis Eifelquerbahn (Mitglieder sind die Verbandsgemeinden Daun, Gerolstein, Kaisersesch, Kelberg und Ulmen sowie die Landkreise Cochem-Zell und Vulkaneifel) hat einigen können: die Strecke kaufen und einen Radweg bauen.

Ein Plan, dem die Kreistage und Verbandsgemeinderäte zugestimmt haben und für dessen Umsetzung wohl einige Jahre ins Land gegangen wären – nun aber müssen sich Kommunen erst mal hinten anstellen. Denn auf die Ausschreibung zum Verkauf der Strecke, die nur sogenannten Eisenbahnverkehrsinfrastrukturunternehmen vorbehalten war, haben sich zwei Interessenten gemeldet. Dazu gehört die Brohltal-Schmalspureisenbahn Betriebs-GmbH aus Brohl-Lützing (Kreis Ahrweiler). Sie betreibt mit dem Vulkan-Express seit mehr als 40 Jahren eine Schmalspurbahn zwischen Brohl am Rhein und Engeln in der Eifel.

Zum anderen ist es die Eifelbahn Verkehrs GmbH aus Linz (Kreis Neuwied). Sie ist seit gut 20 Jahren Betreiber der Kasbachtalbahn von Linz nach Kalenborn und hat Anfang April die Betriebsgenehmigung für die ersten Abschnitte der Brexbachtalbahn (führt vom Neuwieder Stadtteil Engers nach Au an der Sieg) erhalten. Wer den Zuschlag bekommt, darüber entscheidet die Deutsche Bahn als Besitzerin der Strecke.

Züge wieder auf die Schienen zwischen Gerolstein und Kaisersesch zu bekommen, das ist auch das Anliegen des vor Kurzem in Kaisersesch gegründeten Vereins Eifelquerbahn.

Die Gründungsmitglieder kämen nicht nur aus den Kreisen Vulkaneifel und Cochem-Zell, sondern auch auch aus den angrenzenden Bundesländern, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins.

Gestartet worden sei die Initiative Mitte März, wegen der großen Resonanz habe man bereits zwei Wochen später mit den Planungen zur Gründungsversammlung beginnen können. Eine Wiederinbetriebnahme der Eifelquerbahn eröffnet nach Auffassung des Vereins der Region viele Möglichkeiten. Die bis 2012 veranstalteten  Freizeitfahrten hätten gezeigt, wie mit einem interessant gestalteten Angebot der Tourismus von der Eifelquerbahn profitieren könne.

So biete beispielsweise die Kombination von Bahn und Rad einen großen Vorteil, beginne doch am Bahnhof in Daun einer der schönsten Radwege Deutschlands, der Maare-Mosel-Radweg, der per Zug für Touristen auf einfache und stressfreie Weise zu erreichen wäre.

In Zeiten, in denen das Thema Verkehrswende, getrieben durch den Dieselskandal, immer mehr und längere Staus sowie den Weggang der Jugend aus den ländlichen Regionen eine immer größere Bedeutung gewinne, sei eine funktionierende Infrastruktur abseits des Individualverkehrs von großer Bedeutung für die Zukunft der Region. Über die Anbindung der Eifelquerbahn an Gerolstein und Andernach ließen sich die Großräume Trier, Koblenz oder Köln bequem über die Schiene erreichen.

Als ersten Schritt hat der neue Verein geplant, die Öffentlichkeit rund um die aktuelle Situation der Eifelquerbahn und ihrer Perspektiven aufzuklären, um das Projekt gemeinsam mit möglichst vielen Unterstützern anzugehen.

Dazu werden unter anderem Flyer und Plakate verteilt. Parallel dazu laufen die weiteren Vorbereitungen zu ersten Arbeiten an der Strecke, um zeitnah nach dem Übergang der Infrastruktur an einen neuen Betreiber zum Beispiel mit dem Freischneiden der Gleise beginnen zu können.

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