Aufträge in Luxemburg: Rechtliche Unterschiede beachten

Aufträge in Luxemburg: Rechtliche Unterschiede beachten

Ein großes Absatzpotential, Verbindungen zu Frankreich und Belgien und nicht zuletzt die geografische Nähe - es gibt viele Gründe, sich als Unternehmer auch in Luxemburg umzusehen. Dabei gilt es, die rechtlichen Unterschiede genau zu studieren.

Trier/Luxemburg. (alo) Wenn Unternehmer in Luxemburg arbeiten oder dort eine Niederlassung eröffnen wollen, müssen sie beachten, dass sie ihr Heimatrecht aufgeben und nach ausländischem Recht arbeiten müssen. Das gilt zwar für alle EU-Länder, wird aber bei den direkten Nachbarn gern vergessen. "Die rechtlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich in vielen Teilen stark von den deutschen", sagt Rechtsanwalt Berthold Kohl. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, wie man sich im Ernstfall wehren kann.

Doch auch andere Faktoren können in Luxemburg überraschen. In Deutschland kennt man im Baubereich und bei Werkslieferungen das sogenannte Re verse-Charge-Prinzip. Das heißt, dass man die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger überträgt. Dieses Prinzip findet in Luxemburg aber keine Anwendung im Zusammenhang mit Bau- und Montagearbeiten. Daher muss man die Mehrwertsteuer in Rechnung stellen und abführen.

Außerdem müssen Unternehmen, die Arbeiten in den Bereichen Bau, Handwerk und Industrie in Luxemburg erbringen wollen, dies dem Mittelstandsministerium schon vorab in einem formlosen Schreiben mitteilen. Der vom Ministerium erstellte Meldenachweis muss dann bei den Arbeiten immer mitgeführt und auf Verlangen vorgezeigt werden. Das klingt zwar kompliziert, ist es aber nicht mehr, versichert Christina Grewe von der Industrie- und Handelskammer Trier, die Unternehmen bei Interesse am luxemburgischen Markt berät und auch Seminare zum Thema anbietet. "Es ist im Gegensatz zu früher, als man noch ein Führungszeugnis vorzeigen musste, viel leichter geworden."

Auch arbeitsrechtliche Aspekte sind zu beachten - wie der Mindestlohn in Luxemburg. "Außerdem spielt die Beziehungsebene eine größere Rolle", sagt Grewe. "Die Luxemburger wollen erst den Menschen statt den Geschäftspartner kennenlernen."

Dass sich eine gründliche Vorbereitung mit dem Thema lohnen kann, davon ist Heinrich Gillen vom Entsorgungsbetrieb François überzeugt. Neben der Zentrale in Rittersdorf hat das Unternehmen unter anderem einen Standort in Grevenmacher. "Wir machen ungefähr 25 Prozent unseres Jahresumsatzes mittlerweile in Luxemburg, mit steigender Tendenz", sagt Gillen. Er rät aber, sich den kompakten luxemburgischen Markt genau anzusehen, um eine Nische zu finden. Außerdem empfiehlt Rechtsanwalt Kohl, das dortige Qualitätsniveau zu beachten. "Das ist sehr hoch angesiedelt und wird entsprechend bezahlt. Aber das bedeutet auch, dass man beste Qualität abliefern muss."ExtraWelche Branchen haben eine Chance in Luxemburg? "Hochbau, Elektroinstallationen, Sanitär- und Heizungsbau, aber auch Versicherungen sind gefragt", erklärt Dagmar Lübeck von der IHK Trier. Auch Medizin- und Gentechniker könnten dort Fuß fassen. Aktuell gebe es zum Beispiel Ausschreibungen des Europäischen Rechnungshofes und des Europäischen Parlaments. "Da kann sich jede Branche wiederfinden", sagt Lübeck. (alo)

Mehr von Volksfreund