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Zwei Traditionsvereine am Abgrund

Zwei Traditionsvereine am Abgrund

Dem Frauenhandball im Rheinland droht möglicherweise der Super-Gau: Vor dem Derby bei den Vulkanladies Koblenz/Weibern am Sonntag droht den Miezen der Absturz in die 3. Liga und dem Gegner vom Deutschen Eck das finanzielle Aus.

Trier/Koblenz. Von 2000 bis 2015 war der Handballverband Rheinland immer mit mindestens einer Mannschaft - den Trierer Miezen - in der 1. Frauen-Bundesliga vertreten. Insgesamt fünf Jahre lang gab es mit dem TuS Weibern, beziehungsweise seit 2013 unter dem Namen Vulkanladies Koblenz/Weibern, einen zweiten Rheinland-Vertreter. Im Mai 2015 stiegen beide in die 2. Liga ab. Während die Miezen finanziell und sportlich kleine Brötchen backen musste, gingen die Vulkanladies mit einem Etat von 900 000 Euro - dreimal so hoch wie der der MJC - und dem Ziel Wiederaufstieg ins Rennen.
Nach zwei Dritteln der Saison und vor dem Derby in Koblenz am Sonntag (16 Uhr) kann sich Koblenz/Weibern das Ziel als Neunter bereits abschminken. Und es könnte noch schlimmer kommen: "Mit einem solchen Etat kann man nicht im Mittelfeld der 2. Liga dümpeln", sagte Geschäftsführer Manfred Sattler, der selbst einen Großteil des Budgets aufbringt, der Rhein-Zeitung: "Ich recherchiere, ob die regionale Wirtschaft bereit ist, erstklassigen Mannschaftssport zu unterstützen. Ich alleine kann es nicht mehr stemmen."
Wenn man bis Ende März keine solide wirtschaftliche Basis schaffen könne, sei Schluss. Einzige Alternative sei, mit einem halbierten Etat und Spielerinnen aus der Region einen Neustart zu wagen: "Dann hätten wir noch zwei Jahre Luft", sagt Sattler: "Aber nach heutigem Stand wäre auch dieses Modell nicht zu finanzieren."
Aufgrund dieses Interviews machten in Koblenz Gerüchte die Runde, die beiden am Boden liegenden Vereine aus Trier und Weibern/Koblenz könnten künftig in irgendeiner Form kooperieren, um zumindest Zweitligahandball im Rheinland am Leben zu halten. "Wir sind zu diesem Thema noch nicht angesprochen worden", sagte MJC-Vorstand Jürgen Brech dem TV. Auch er sieht die Gesamtlage sehr pessimistisch: "Wenn es so kommt, dass keiner der beiden Vereine mehr in der 2. Liga spielt, wäre das eine Katastrophe für den regionalen Handball." Gedanken über eine wie auch immer geartete Partnerschaft mit den Vulkanladies habe man sich aber bei der MJC noch nicht gemacht.
"Die Lage ist sportlich äußerst schwierig, aber solange wir noch rechnerisch die Chance auf den Klassenerhalt haben, geben wir nicht auf", sagt Brech. Koblenz hat acht der vergangenen elf Spiele verloren. "Ich hoffe, dass nicht ausgerechnet gegen uns der Knoten platzt", sagt Brech. BP