Mehr Licht!

Wie gefährlich kann Laufen sein? Diese Frage erhält in den zunehmend dunklen Herbst und Wintertagen eine neue Bedeutung. Wie wichtig dann die richtige Ausrüstung ist, weiß auch TV-Laufkolumnist Rainer Neubert.

"Mehr Licht! …" So sollen die letzten Worte von Johann Wolfgang von Goethe gelautet haben, bevor er am 28. März 1832 in Weimar verstarb. Goethe war ein Universalgenie, der sich in vielen Bereichen der Dichtung und Wissenschaften bewegte und dazu reichlich reiste. In den Wirren der Französischen Revolution kam er auf dem Rückweg von Frankreich auch in unsere Region. Bei der Passage auf der Mosel zwischen Trier und Koblenz geriet er bei stürmischem Wetter im Dunkeln der Nacht in Seenot. Sein Schiff erreichte mit Mühe das Städtchen Trarbach, wo die aufgebrachte Seele des Dichter- und Denkerfürsten im Hause des Kaufmanns Becking bei einigen Bechern "köstlichen Moselweins" wieder Ruhe fand.

Goethe wollte den beschwerlichen Landweg mit dem Schiff abkürzen. Er war also vermutlich kein Läufer. Falls doch, wäre die Dunkelheit für ihn auch auf dem Land zu einem Problem geworden. Zumindest das hat sich bis heute nur wenig geändert: Wenn die Tage kürzer und dunkler werden, müssen sich Läufer in Acht nehmen. Dunkle Kleidung kann nun gefährlich werden. Denn schon ab zehn Meter Abstand wird der Läufer für andere unsichtbar.

Wenn ein Sportler aus dem Nichts auftaucht, sorgt das nicht nur bei anderen Läufern für unliebsame Überraschungen. Sobald Autos oder Fahrräder ins Spiel kommen, wird es auch gefährlich.
Helle Kleidung, Reflektorbänder oder -westen sollten also nun zur Ausrüstung aller Läufer gehören, die auf öffentlichen Straßen und Wegen unterwegs sind. Eine Stirnlampe sorgt für Durchblick. Und schon ab fünf Euro gibt es kleine Blinklichter, die sich am Arm tragen oder in das Verstellband der Laufkappe einklicken lassen.

"Mehr Licht!" … der Kreis schließt sich (schreib es, flüstert das zynische Teufelchen auf meiner Schulter dem Kolumnisten ins Ohr) … das könnten in diesen düsteren Tagen auch die letzten Worte eines schlecht sichtbaren Läufers sein.

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