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Waxweiler/Schleid: „Wir können uns nur selbst schlagen“

Fußball : „Wir können uns nur selbst schlagen“

Vom SV Waxweiler war Fußballer Boris Niesen eigentlich gar nicht wegzudenken: Hier fing er als Knirps an und hier half er auch beim Neustart in der Kreisliga D mit. Warum der Angreifer dann zum SV Schleid ging und was er an den Grün-Weißen besonders schätzt.

In seinem zweiten Jahr beim aktuellen A-Liga-Eifel-Tabellenführer SV Schleid hat Boris Niesen einen weiteren Schritt nach vorne gemacht und zählt zu den ganz großen Stützen im Team der Grün-Weißen. Der 27-jährige Ausnahmestürmer, der einst über die Außenbahnen kam, jetzt aber im Zentrum zuhause ist, erzielte in 14 Spielen genauso viele Tore.

Was waren die Gründe, dass er im Sommer 2020 nach Schleid wechselte? „Ich war mit 25 in einem Alter, in dem man sich entscheiden muss, noch mal andere Wege zu gehen. In Waxweiler haben mich zum Beispiel Disziplinlosigkeiten genervt. Da gab  es einige Spieler, die vor einem Spiel eben nicht auf Alkohol verzichtet haben. Das sind Dinge, die ich bewusst ausgeschlossen habe.“

Das professionelle Verhalten von Niesen, der als ganz junger Kicker beim SV Eifelland Waxweiler anfing und später auch mal für die JSG Fließem/Nattenheim/Neidenbach aktiv war, war auch anderen Clubs nicht entgangen. So buhlten nach seinen Angaben die SG Arzfeld, die SG Prümer Land, die SG Stahl sowie die SG Schneifel um seine Dienste. „Taner Weins und andere Spieler aus Schleid kannte ich bereits. Ich wollte mich unbedingt weiterentwickeln und in der A-Klasse spielen. Mich reizte am SV Schleid, dass dort viele Jungs unterwegs sind, die schon mal höherklassig gespielt haben und über große Erfahrung verfügen, wie etwa neben Taner auch Sebastian Ting und die beiden Hartmann-Brüder Tim und Nicolas. Ich versprach mir einen riesigen Lerneffekt.“

Genau dieser sei recht schnell eingetreten, so Niesen, der mit Dennis (29) und Kilian (22) noch zwei beim B-Ligisten SG Lambertsberg/Waxweiler kickende Brüder hat. Als der in Waxweiler lebende und als Kaufmann für Büromanagement bei den Wasserwerken in Prüm arbeitende Prümtaler nach der Auflösung der SG mit Lambertsberg im Jahre 2015 in der ersten eigenständigen Saison des SV Waxweiler einen Kreuzbandriss erlitten hatte, bedeutete das aber zunächst einen herben Rückschlag. „Ich war ein dreiviertel Jahr verletzt und habe nur die letzten drei Spiele in der D-Klasse mitgemacht. Eine Saison später sind wir dann erneut Meister geworden, wobei ich mir damals mit 36 Toren die Torjägerkanone sicherte. Danach hatte ich ein Angebot aus Auw, doch der Sprung von mehreren Klassen war für mich noch eine Nummer zu groß.“

Nach der Saison 2019/20 folgte schließlich der Wechsel nach Schleid. „Ich wollte Jens Bisenius und auch Taner Weins, aber natürlich auch mir selbst beweisen, dass sie mich zurecht geholt haben.“ Sein Zwischenfazit fällt positiv aus. „Die Trainingsintensität ist ungleich höher, ich habe Bock, in jedem Spiel direkt in den Spielfluss zu kommen und habe auch taktisch bereits viel gelernt. Die Routiniers im Team haben viel mit mir gesprochen und mich mental aufgebaut, auch wenn es Spiele gegeben hat, in denen es persönlich nicht so lief. Das ballbezogene Training hat mich aber immer motiviert. Ich bin Stammspieler fühle mich hier sehr wohl.“

Niesen kann seine Leistungen gut reflektieren, kennt seine Stärken und Schwächen. „Bälle festzumachen, abzuschirmen und klatschen zu lassen – all das ist mir wie auf den Leib geschnitten.“ Zählte das Kopfballspiel einst nicht zu seinen Stärken, so hat sich auch dort ein Wandel vollzogen. „Mittlerweile habe ich auch einige Kopfballtore gemacht, insbesondere dann, wenn ich mit Flanken aus dem Halbfeld von Denis Wadych, Sebastian Ting oder Tim Hartmann profitieren kann.“

Niesen gilt als sehr trainingsfleißig, willensstark und hat die Fähigkeit, andere Spieler in schwierigen Situationen zu pushen. Nur manchmal noch kommt seine Hitzköpfigkeit durch. „Diese ist dem eigenen Ehrgeiz geschuldet, ich weiß aber auch, dass ich dieses Manko noch mehr ablegen muss. Steigern muss ich mein Fitnesslevel, weiterhin mein Kopfballspiel sowie die Fähigkeit, Situationen besser vorauszuahnen.“

In dieser Saison ist für Niesen der Aufstieg möglicher denn je. „Die Mannschaft ist noch mehr zusammengewachsen und hat spielerisch noch mal einen Sprung gemacht. Die Chancen auf den Aufstieg stehen richtig gut, wir können uns eigentlich nur selbst schlagen“, so Niesen, der mit dem TuS Ahbach, aber auch der SG Nattenheim weitere Rivalen sieht, die „man nicht abschreiben sollte“. Zehn Runden vor Schluss haben die Schleider 37 Punkte auf dem Konto und damit vier mehr als der ärgste Verfolger Ahbach.

Auch seine weitere Zukunft sieht der Fan von Bastian Schweinsteiger (er trägt ebenso wie der WM-Held von 2014 die Rücknummer 31) in Schleid und hofft, den „Sprung in die Bezirksliga nun endlich zu schaffen und dort eine gute Rolle zu spielen. Das Team ist erfahren genug und hat eine super Qualität in allen Mannschaftsteilen.“ Eben auch dank Niesen.