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Der in Trier aufgewachsene Burkhard Güth ist in Pyeongchang Chauffeur der deutschen Athleten. Der 27-Jährige erlebt im Deutschen Haus eine Medaillenparty nach der anderen.

Olympische Winterspiele : Ihm sitzen die Olympia-Stars im Nacken

Der in Trier aufgewachsene Burkhard Güth ist in Pyeongchang Chauffeur der deutschen Athleten. Der 27-Jährige erlebt im Deutschen Haus eine Medaillenparty nach der anderen.

Ist angesichts halbleerer Tribünen, steriler, am Reißbrett entworfener Sportstätten und dem eher reservierten Auftreten der Südkoreaner bei den Winterspielen in Pyeongchang ein olympischer Spirit fühlbar? Auf jeden Fall! – sagt einer, der hautnah dabei ist. Der in Trier aufgewachsene Burkhard Güth ist als sogenannter Volunteer (freiwilliger Helfer) vor Ort. Bei den Wettkämpfen und den deutschen Stars. „Es ist wahnsinnig aufregend, Blicke hinter die Kulissen werfen zu können. Als Sportfan bin ich in einem emotionalen Rausch“, sagt der 27-Jährige, der vornehmlich im Shuttle-Dienst eingesetzt ist. Das heißt: Er chauffiert die deutschen Olympioniken zwischen Olympischem Dorf, den Wettkampfstätten, Medaillenzeremonien und Deutschem Haus hin und her. Sie saßen schon fast alle auf der Rückbank seines Neunsitzers: die Skispringer um Andreas Wellinger, die Nordischen Kombinierer um Eric Frenzel, die Biathleten um Arnd Peiffer. „Nach den Wettkämpfen sind sie alle sehr erschöpft. Doch wenn es ins Deutsche Haus geht, ist bei allen die Vorfreude groß“, sagt Güth.

Das Deutsche Haus – untergebracht im  Birch Hill Golf Club in Pyeong­chang – ist der Treffpunkt für Athleten, Trainer, Funktionäre, Politiker und Sponsoren. Täglich strömen bis zu 350 Gäste in die Räume – angesichts der bislang reichen Medaillenausbeute reiht sich eine Partynacht an die andere. „Noch gibt es meines Wissens aber genug Deutschland-Fähnchen zum Jubeln“, berichtet Güth, der schon viele Selfies mit den deutschen Medaillengewinnern gemacht hat. Sein bislang emotionalster Moment: „Der gestrige Zieleinlauf der nordischen Kombinierer.  Das war Gänsehaut pur.“

Güth hat am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Trier sein Abi­tur gemacht. Als Schüler eines Sport-Leistungskurses erhielt er die Pierre-de-Coubertin-Medaille des Landessportbunds Rheinland-Pfalz für vorbildliches Verhalten im Sport (Fairplay und olympischer Gedanke). Güth war als Ruderer bei der Rudergesellschaft Trier und als Handballer bei der DJK/MJC Trier aktiv.

Am Fernsehbildschirm verfolgte er Olympische Spiele seit 2002. „Seitdem hatte ich den großen Traum, einmal selbst dabei zu sein.“ In Pyeongchang hat es nun erstmals geklappt. Güth bewarb sich als Helfer und wurde ausgewählt: „Als Fernsehzuschauer erlebt man, wie die Wettbewerbe ablaufen. Hier bekomme ich nun Einblicke, was dahinter passiert, wie das Team hinter den Athleten arbeitet.“

Auch wenn keine Fanmassen an den Strecken und Schanzen stehen, empfindet Güth die Atmos­phäre nicht so nüchtern. „Beim Biathlon machen deutsche und französische Fans Stimmung. Auch beim Skispringen herrscht ein gutes Flair. Hoch her geht’s sogar beim Eishockey und Shorttrack, haben mir Kollegen gesagt, die schon dort waren“, sagt Güth.

Er bleibt noch bis kommenden Montag in Pyeongchang. Er freut sich vor allem noch auf die Biathlon-Staffeln und die Entscheidung im Viererbob.  Seine ersten Olympischen Spiele sollen nicht die letzten sein: „So nah dran zu sein ist ein Riesenerlebnis. Da möchte man mehr von haben.“