Riss des vorderen Kreuzbands bei Frauen bis zu zehnmal häufiger als bei Männern

Riss des vorderen Kreuzbands bei Frauen bis zu zehnmal häufiger als bei Männern

Frauen kippen im Sprunggelenk stärker nach innen als Männer und aktivieren ihre Beinmuskeln anders. Das könnten Gründe dafür sein, dass Frauen etwa beim Fußballspielen häufiger schwere Knieverletzungen erleiden.

Frauen verletzen sich beim Fußballspielen bis zu zehnmal häufiger am vorderen Kreuzband als Männer, besagen wissenschaftliche Studien. Eine mögliche Ursache sind anatomische Unterschiede zu Männern. "Beim Laufen kippen Frauen beim Aufsetzen des Fußes mit dem Rückfuß generell stärker nach innen als Männer", erklärt der Laufanalytiker Dr. Oliver Ludwig. Zudem weisen Frauen eine stärkere X-Beinstellung auf, weil sie wegen des Geburtskanals breitere Becken haben. Dadurch laufen ihre Oberschenkelknochen zum Knie hin stärker aufeinander zu als beim Mann. Beides führt dazu, dass sich die Knie der Frau stärker nach innen drehen, wodurch die Belastung steigt.
Einen weiteren Unterschied nennt Dr. Karen aus der Fünten, die Orthopädin am Institut für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes. "Frauen zeigen, verglichen mit Männern, andere Aktivierungsmuster der Muskulatur." Frauen aktivieren den vorderen Oberschenkelmuskel stärker, den hinteren Oberschenkelmuskel hingegen schwächer als Männer. Dadurch wird das Kniegelenk muskulär weniger stabilisiert, das Kreuzband weniger stark "geführt". "Als weiterer negativer Aspekt kommt bei den Frauen eine verzögerte und verkürzte Aktivierung der stabilisierenden Muskulatur hinzu, insbesondere der Gesäß- und Wadenmuskulatur", sagt die Orthopädin.
Neben den Menisken federn auch die Beinmuskeln die Stöße ab, die beim Gehen und Laufen in den Körper dringen. Setzt man das Bein mit leicht gebeugtem Knie auf, dann aktiviert der Körper die Muskelgruppen an der Oberschenkelvorderseite und -rückseite gleichzeitig. "Dadurch kann er den Dämpfungsgrad des Kniegelenkes verändern und schnell reagieren, wenn der Fuß abrutscht", erläutert Ludwig. Setzt der Sportler das Bein jedoch gestreckt auf, so ist das Kniegelenk mechanisch "verriegelt". Belastungsstöße wandern jetzt fast unvermindert durch dieses Gelenk hindurch.
Karen aus der Fünten berichtet, dass Mädchen beim Fußballspielen mit zunehmendem Alter häufig ihre Landeposition ändern. "Sie setzen dann die risikoreichere, gestreckte Landung ein." Auch das könnte ein Grund für die häufigen Kreuzbandrisse im Frauenfußball sein. ml