Die Volksfreund-Sommertipps: Das sind die Urlaubstrends 2019

Reisen : Die fünf Urlaubstrends des Sommers

Erlebnisse, die man nie mehr vergisst, spannende Unterkünfte – und das Ganze ruhig in Deutschland: Was sich Reisende aktuell wünschen.

Günstiger Pauschalurlaub irgendwo in der Sonne wird wohl niemals wirklich out sein. Aktuell erleben Ägypten und die Türkei ein Comeback nach schwierigen Zeiten. Doch zeichnen sich auch einige Trends ab, die nichts mit dem Massentourismus entlang der Küsten zu tun haben:

Sehnsucht nach dem echten

ARCHIV - Zum Themendienst-Bericht von Philipp Laage vom 5. Juni 2019: Ein Reisetrend geht zu individuellen USA-Touren im Camper. Foto: Christian Röwekamp/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++ | Verwendung weltweit. Foto: picture alliance/dpa/Christian Röwekamp

Großstadtleben

Urlaub in Deutschland ist aktuell angesagt – ebenso wie die Suche nach Erlebnissen, die man so schnell nicht vergisst, außergewöhnliche Übernachtungsplätze und auch Camping liegen im Trend. Foto: picture alliance / Andreas Arnol/Andreas Arnold

Andreas Kagermeier, Professor für Freizeit- und Tourismusgeographie an der Universität Trier, macht einen neuen Trend aus, der dem Städtetourismus zugute kommt: den „new urban tourism“, ein neuer städtischer Tourismus, der klassische Sehenswürdigkeiten wie Eiffelturm, Brandenburger Tor oder Kolosseum links liegenlässt. Stattdessen stürzen sich die Besucher in angesagten Stadtvierteln mitten hinein ins alltägliche großstädtische Leben, suchen nach dem besten Pfannkuchen in Friedrichshain, der leckersten Köfte in Kreuzberg, dem coolsten T-Shirt-Shop im Hamburger Schanzenviertel oder der urigsten Kölschkneipe in Köln-Nippes. Kurz: Sie suchen Orte, die „instagrammable“ sind, die in sozialen Netzwerken gut ankommen.

dpatopbilder - HANDOUT - 08.01.2019, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein neugeborenes Zweifinger-Faultier klammert es sich an den Bauch seiner Mutter Marlies, die es mit sich herumträgt. (zu dpa: "Nachwuchs bei den Zweifinger-Faultieren" vom 08.01.2019) Foto: Inga Dauter/Wilhelma Stuttgart/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit. Foto: picture alliance/dpa/Inga Dauter

Berlin und München zählen europaweit übrigens zu zehn Städtereise-Zielen mit den meisten Übernachtungen in gewerblichen Betrieben. So sieht die Top 10 aus: London, Paris, Berlin, Rom, Barcelona, Madrid, Prag, Wien, München, Amsterdam.

Zum Themendienst-Bericht "Tourismus/Französisch-Polynesien/KORR/" von Hilke Segbers vom 23. Dezember: Begegnung beim Schnorcheln: Besuchern von Französisch-Polynesien eröffnet sich eine abwechselungsreiche Unterwasserwelt. (Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei. Quellenhinweis: "Hilke Segbers/dpa/tmn") . +++ +++ |. Foto: picture-alliance/ dpa-tmn/Hilke_Segbers

Urlaub made in Germany

In den 50er Jahren verbrachten noch mehr als 90 Prozent der Deutschen ihren Urlaub in der Heimat. In den 70er Jahren sank der Anteil auf unter 50 Prozent. „Wir dachten: Der Drang nach draußen wird immer stärker, und Deutschland spielt irgendwann keine Rolle mehr“, sagt der Trierer Tourismusforscher Andreas Kagermeier. „Aber da haben wir uns geirrt.“ Seit den 1990er Jahren hat sich der Wert eingependelt: Ein Drittel der Deutschen macht irgendwo zwischen Schleswig-Hol­stein und den Alpen Urlaub.

18,9 Millionen Urlaubsreisen unternahmen die Deutschen 2018 in Deutschland. Ihre Top 5: Rund 20 Prozent reisten laut Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen nach Mecklenburg-Vorpommern, 17 Prozent nach Bayern, 16 Prozent nach Schleswig-Holstein, 13 Prozent nach Niedersachsen und acht Prozent nach Baden-Württemberg.

Wenn es um Kurzurlaube geht, wählen sogar 74 Prozent der Deutschen ein Ziel im eigenen Land aus.

Nicht zuletzt, weil sich die Erkenntnis durchsetze, dass Tourismus für den ländlichen Raum ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist, habe man in Sachen Wander- und Radtourismus „gute Produkte entwickelt“. Aus wirtschaftlicher Sicht hält der Experte den Tourismus für wichtig. „Wenn die Autoindustrie den Schwenk zur E-Mobilität nicht schafft, dann wird es wirtschaftlich notwendig sein, andere Segmente zu haben“, sagt Kagermeier.

Reise ins Ich: Das Erlebnis zählt

Natürlich gibt es immer noch sehr viele Menschen, die in Urlaub fahren, um einfach mal nichts zu tun. Zwei Wochen Strand mit Buch. Und abends ein Cocktail. Aus die Maus. Laut Deutschem Tourismusverband steht Erholung für deutsche Urlauber ganz oben auf der Wunschliste.

Allerdings steigt die Zahl der Reisenden, denen das nicht reicht. Sie wollen etwas erleben, sich weiterbilden, neue Erfahrungen machen. Etwas mitnehmen – für sich und ihr Leben. Unterwegs sein ist ihnen wichtiger als ankommen. Tourismusforscher Kagermeier spricht von der „Destination Ich“.

Und so boomen die Erlebnisreisen. Laut Dairubys Gonzalez und Patrick Sachsenröder vom Wittlicher Reisebüro Pasa Travel Experience ist die Nachfrage stark gestiegen. Nicht Erholung, sondern das Entdecken von Land und Leuten stehe im Vordergrund. Im Dschungel nach Faultieren Ausschau halten, sich von Kaffeebauern über die Plantage führen lassen, Elefanten in freier Wildbahn beobachten, Pyramiden längst versunkener Großkulturen besteigen ...

Auch beim Urlaub in Deutschland gehe es oft um das Erlebnis, sagt Markus Aspetzberger vom Deutschen Tourismusverband. Das könne ein Weitwanderweg sein, ein Retreat, ein Radurlaub. Speziell wenn es um den Kurzurlaub zwischendurch gehe, punkte Deutschland bei den Deutschen durch seine Städte, sein kulinarisches Angebot von Bier bis Wein, von bodenständig bis Sterneküche, oder das kulturelle Angebot. „Theaterfestivals, Freiluftbühnen, Opernaufführungen – das sind längst nicht mehr nur städtische Angebote“, sagt er. Im ländlichen Raum seien Kultur oder Festivals zu fixen Anziehungspunkten geworden – von Oberammergau bis Wacken. Die zehn liebsten Aktivitäten der Deutschen im Deutschland­urlaub sind: Kulturelle Sehenswürdigkeiten besichtigen (57 Prozent), in der Natur sein (57 Prozent), Spazierengehen (36 Prozent), typische Speisen und Getränke genießen (35 Prozent), Zeit mit der Familie verbringen (33 Prozent), Besuch von Events (30 Prozent), Wandern (27 Prozent), Aktivitäten am oder im Wasser (19 Prozent), Einkaufen (18 Prozent), Besuch von Erlebniseinrichtungen (16 Prozent).

Am liebsten nachhaltig, aber ...

„Menschen machen sich zunehmend Gedanken über die Nachhaltigkeit“, sagt Markus Aspetzberger vom Deutschen Tourismusverband. Allerdings zeigen die ersten Ergebnisse der Reise-Analyse 2019, dass zwischen nachhaltiger Einstellung und nachhaltigem Verhalten weiterhin eine große Lücke klafft. 57 Prozent der Reisenden sagen zwar, dass ihr Urlaub möglichst sozial verträglich, ressourcenschonend und umweltfreundlich sein soll. Nur bei 23 Prozent war Nachhaltigkeit – neben anderen Dingen – dann aber wirklich ein Aspekt bei der Reise. Und nur für vier Prozent hat Nachhaltigkeit den Ausschlag zur Entscheidung zwischen sonst gleichwertigen Angeboten gegeben. Auch bei der CO2-Kompensation gibt es noch viel Luft nach oben: Nur zwei Prozent der Flugreisen werden kompensiert. Eine kleine Umfrage bei Reisebüros in der Region zeigt, dass die Kunden in der Regel nicht nach CO2-Kompensation fragen.

Anders sieht das zum Teil bei Kreuzfahrten aus. „Man merkt, dass die Leute sich mehr mit dem Klimawandel beschäftigen“, sagt Patrick Sachsenröder, dessen Wittlicher Reisebüro vermehrt Fahrten auf kleinen, luxuriösen Expeditionsschiffen einer deutschen Reederei verkauft, die  in diesem Bereich komplett von Schweröl auf weniger umweltschädliches Marinedieselöl umstellt. Bei Nachhaltigkeit gehe es aber nicht nur um den Umweltaspekt. Sein Reisebüro achte bei Erlebnisreisen darauf, dass nicht nur zehn, sondern 50 oder 60 Prozent der Einkünfte ins Zielland fließen.

Bloß nicht langweilig übernachten

Im Ausland übernachten Urlauber am liebsten im Hotel (55 Prozent), im Inland hingegen sind gerade beim Urlaub ab fünf Tagen Ferienwohnungen und Ferienhäuser die beliebteste Unterkunftsart (37 Prozent). Laut Deutschem Tourismusverband legen Urlauber zunehmend Wert auf Qualität, Individualität und den Bezug zur Region. Aber auch wirklich außergewöhnliche Unterkünfte sind gefragt: Vom Designer-Haus am Strand über das Zimmer im Weinfass, das Glamping-Zelt am See bis hin zu temporären Übernachtungsmöglichkeiten: Für 120 bis 160 Euro nächtigt man in einem weißen Schlaf-Kubus, den ein Hamburger Unternehmen mal auf einer mittelalterlichen Burg, einer Seebrücke, im Dinosaurierpark Teufelsschlucht oder auf einem Hochhausdach aufbaut.

Dieses Outdoor-Erlebnis passt gut zu einem weiteren Trend: Camping und Caravaning boomt. 2018 wurde mit 34,6 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen ein neuer Rekord gebrochen. Auch wurden 2018 zwölf Prozent mehr Reisemobile zugelassen als im Vorjahr. Aufs Camping entfallen insgesamt sieben (zuvor sechs) Prozent der Urlaubsreisen ab fünf Tagen.


Weitere Infos unter

www.volksfreund.de/freizeit

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