| 10:00 Uhr

Gewitter
Katastrophale Zustände nach schweren Unwettern in Eifel (Fotos/Video)

FOTO: TV / Florian Blaes
Dudeldorf. Schwere Unwetter sind laut Feuerwehr am Samstagabend über die Eifel gezogen. Mehr als 900 Einsatzkräfte waren stundenlang im Einsatz. Besonders getroffen sind die Dörfer Badem und Dudeldorf. Von Florian Blaes/ Agentur Siko/Mandy Radics

Nichts geht mehr am frühen Abend in den Verbandsgemeinden Bitburg-Land, Südeifel und der Stadt Bitburg. Gegen 18 Uhr begann es über der Eifel zu regnen. Und es hörte nicht mehr auf.

Schwere Unwetter in der Eifel FOTO: TV / Florian Blaes

Auf dem Radar des deutschen Wetterdienstes war zu sehen, dass sich die Zelle kaum fortbewegte und quasi über dem Eifelkreis stehenblieb. Sintflutartige Regenfälle über einen längeren Zeitraum. Viele Feuerwehren fuhren zum Einsatz.

Sturzfluten bildeten sich - besonders von Feldern, wo Mais angepflanzt war. In Bitburg-Irsch wurde ein Aussiedlerhof komplett von einer Schlammlawaine überrollt. Die Wassermassen flossen ungehindert ins Tal Richtung Bitburg-Erdorf. Hier war zunächst der Schwerpunkt der Unwetterauswirkungen. Aus allen Richtungen ergoss sich das Wasser durch Gärten, Häuser, Garagen und Keller.

Sturzfluten mit großen Ästen und schweren Steinen bedeckten Bundes- und Landstraßen und machten diese unpassierbar. Selbst für anrückende Einsatzkräfte wurde das gefährlich. Viele Straßen wurden durch die Feuerwehren, Polizei und den LBM komplett gesperrt. Zuggleise wurden bei Erdorf unterspült. Der Zugverkehr auf der Eifelstrecke wurde daraufhin komplett eingestellt. Die A60 zwischen der AS Spangdahlem und AS Badem wurde komplett überschwemmt, der Verkehr lag dort deshalb lahm.

Um 20.40 Uhr wurde die Alarmstufe 4 ausgerufen. Die technische Einsatzleitung lag nun beim Landrat. Mittlerweile waren alle Verbandsgemeinden vom Unwetter betroffen. Zahlreiche Straßenzüge in Wohngebieten, unter anderem in Bitburg und Badem, standen unter Wasser. Unzählige Häuser wurden überflutet. Das Telefonnetz fiel aus oder war überlastet.

Gegen 20.30 Uhr erreichte Dudeldorf eine Flutwelle, wie sie die Bewohner nach eigenen Aussagen noch nicht erlebt hatten. Vom „Langenbach“ aus und den oben gelegenen Feldern ergoss sich eine fast zwei Meter breite Sturzflut. Bewohner der Ordorferstraße berichtetn, dass binnen zehn Minuten alles überflutet war.

Ein Autofahrer war mit seinem BMW unterwegs und wollte um die Ecke der Ordorferstraße fahren. Er wurde von der Wucht des Wassers überrascht. Im letzten Moment konnte er aus dem Fahrzeug steigen und sich in Sicherheit bringen. Das Auto wurde von vom Wasser mitgerissen. Viele weitere Autos wurden durch das Wasser hochgehoben und gegen Häuser und Straßenlaternen gedrückt.

Zwei Fahrzeuge wurden aufeinander geschoben. Die machtlosen Einsatzkräfte und zahlreiche Bewohner sahen das aus sicherer Entfernung mit an. Die Motoren liefen noch. So wurde vermutet, das noch Menschen im Auto in einer Notlage waren. Mit einem schweren Bagger versuchten die Feuerwehrleute, zu den Autos zu kommen und diese zu sichern. Die zwei Fahrer retteten sich auf ein Garagendach und waren vom Wasser eingeschlossen. Alle Bewohner der betroffenen Straßen Ordorferstraße, Am Mühlenberg, Pickfließemerstraße, Hauptstraße und Herforsterstraße waren zeitweise in ihren Häusern eingeschlossen und begaben sich in die oberen Stockwerke.

In Dudeldorf entstand enormer Schaden. Unzählige Autos liefen komplett voll, ebenso Wohnhäuser und Geschäfte. Die Aufräumarbeiten werden wohl noch tagelang andauern.

Um 045 Uhr wurde die Alarmstufe 4 aufgehoben, der Einsatz der Feuerwehren war jedoch noch lange nicht beendet.

25591641117034927.jpg
Hochwasser nach Unwetter am Samstagabend FOTO:

Insgesamt waren mehr als 900 Einsatzkräfte von Feuerwehr, THW, DRK, DLRG, Bundeswehr und Polizei aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm im Einsatz. Unterstützt wurden die Kräfte von Einheiten der Airbase Spangdahlem, Kräften aus Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg und der Berufsfeuerwehr Trier.

25591641117034950.jpg
Hochwasser nach Unwetter am Samstagabend FOTO:

Während man in der Eifel langsam aufatmete, wurde es in der VG Trier- Land und Trier brenzlig. In Kordel wurde die Feuerwehr alarmiert, um den Hochwasserschutz aufzubauen. Um 22 Uhr lag der Pegel der Kyll in Kordel noch bei 85 Zentimetern, eine Stunde später bei 1,85 Meter. Ein Anstieg von einem Meter. Das setzte die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft. Die Kyll stieg schließlich bis um 1 Uhr am Sonntagmorgen auf den Höhepunkt von 369 Zentimetern. In Trier- Ehrang drohte ein Kraftwerk überflutet zu werden. Die Berufsfeuerwehr sicherte diese mit Sandsäcken. Bis zum Sonntagvormittag fielen dann die Pegel aller Bäche und Flüsse.

Überschwemmung im Wasserkraftwerk Trier-Ehrang FOTO: TV / Agentur Siko