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Großer Klang zum großen Jubiläum

 Der Kirchenchor Cäcilia Wiltingen in seiner normalen Besetzung: Zum Jubiläum soll ein Projektchor, auch mit Kindern, das Klangvolumen enorm verstärken.
Der Kirchenchor Cäcilia Wiltingen in seiner normalen Besetzung: Zum Jubiläum soll ein Projektchor, auch mit Kindern, das Klangvolumen enorm verstärken. FOTO: Herbert Thormeyer / HERBERT THORMEYER
Wiltingen. Einer der ältesten Chöre der Region, der Kirchenchor Cäcilia Wiltingen feiert Geburtstag. Er wird 230 Jahre alt. Zur Zeit der Französischen Revolution 1789 ist in der Wiltinger Pfarrkirche bereits der Glaube durch Gesang verkündet worden.

1989 wurde der 200. „Geburtstag“ begangen. Doch bei der Vorbereitung des Jubiläums stieß Pastor Peter Tillmann in alten Kirchenbüchern auf einen Hinweis: Am 13. April 1788 hat der damalige Pastor Franz Flander den Kirchenchor für dessen Dienstleistung bezahlt. Der Chor ist also mindestens noch ein Jahr älter, Jubiläen werden aber weiter immer auf die „9“ gefeiert. Dem Chor konnte in seinem Fortbesehen bis heute nichts und niemand etwas anhaben, keine Kriege und keine Machthaber. Gesungen wird inzwischen allerdings ehrenamtlich. „Derzeit stehen 35 Aktive zur Verfügung. Für das große Konzert werden mehr als 80 gebraucht“, erklärt der Kirchenmusiker und Organist, Jürgen Kopp, der den Chor seit 2010 leitet. Das kirchenmusikalische Spektrum soll mit alten und modernen Meistern die 230-jährige Schaffenszeit des Chores widerspiegeln.

„Erstmals werden wir Kinder mit einbinden“, freut sich Chorleiter Kopp auf die enorme Erweiterung des Klangspektrums. Darüber hinaus ist die Winzerkapelle Wiltingen beim Jubiläumskonzert am 24. November um 17 Uhr in der Pfarrkirche St. Martin dabei. Orgel und Klavier spielt Reinhold Neisius. Das genaue Repertoire steht noch nicht fest. Die Proben beginnen unmittelbar nach Fastnacht, am Freitag, 8. März, um 19 Uhr.

Das sagen die Sänger

Ein Beispiel dafür, wie jung das Singen im Kirchenchor hält, ist ­Eugen Breit. Der 81-jährige Tenor ist seit fast 20 Jahren im Wiltinger Chor aktiv und kann sich noch gut daran erinnern, wie das zustande kam: „Die haben mich damals gefragt, ob ich Lust hätte, mit nach Rom zu fahren. Das hat mir so gut gefallen, dass ich dabei geblieben bin.“ Breit macht seit seiner Jugend Musik und beherrscht mehrere Instrumente.

„In diesem Chor zu singen bringt mir viel“, sagt die 81-jährige Sopranistin Hedwig Paulus. Nicht nur das Singen, auch die Geselligkeit ist ihr wichtig. Seit ihrem 14. Lebensjahr ist sie aktives Mitglied. „Da hat man auch im Alter noch eine Aufgabe, die einen erfüllt“, erklärt die Sängerin.

Jüngstes aktives Mitglied ist ­Michael Schuh. Der 32-Jährige singt Bass. Für ihn ist Kirchenmusik gesungenes Gebet – und Gottesdienste mitzugestalten ein großes Erlebnis. „Mein christlicher Glaube ist dafür das Fundament“, begründet er seine Motivation.

Chorgesang als Balsam für die Seele

Stolz zeigt der junge Chorleiter Jürgen Kopp historisches Notenmaterial, das schon beim ersten Blick verrät: Dieser Chor hat eine sehr, sehr lange Geschichte. „Das ist die Herz-Jesu-Messe von August Löhle, der 1859 geboren wurde. Die singen wir heute noch“, erklärt der 34-Jährige, der im Hauptberuf Lehrer für Chemie und Biologie am Konzer Gymnasium ist. Der Qualität der Komposition tun dabei die Löcher, die Würmer in vielen Jahrzehnten durchgefressen haben, keinen Abbruch.

Kopp leitet den Chor seit 2010. Zum Chordirigenten wurde der Organist an der Dommusikschule in Trier ausgebildet. Sein Anspruch: „Ich will die Meister der Vergangenheit und die Komponisten der Gegenwart in der Kirchenmusik lebendig wirken lassen.“ Diesen Spannungsbogen plant er auch für das Jubiläumskonzert am 24. November um 17 Uhr in der Pfarrkirche St. Martin. Es sei ihm eine Freude, diese Tradition in die Zukunft zu tragen. Dabei kann Kopp auch auf dieses uralte Notenmaterial zurückgreifen, mit und ohne Wurmlöcher, zum Teil von den Anfängen des Chores vor 230 Jahren und handschriftlich von den ersten seiner Vorgänger festgehalten.

Etwa 15 Auftritte gibt es im Jahr in der Pfarreiengemeinschaft Wiltingen-Oberemmel. „Der hervorragende Klang des Chores, mit ansprechender Dynamik gibt mir auch persönlich Energie und ist Balsam für die Seele“, beschreibt Jürgen Kopp seine Motivation.