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Leserbriefe: Ein ganz normaler Schüler

Leserbriefe : Ein ganz normaler Schüler

Zur Berichterstattung über das Karl-Marx-Jahr schreibt Thomas Raussen:

Als in Trier geboren und Aufgewachsener freue ich mich über die aktuelle überregionale Aufmerksamkeit für meine Heimatstadt anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx. Eine wenig bekannte und sehr menschliche Anekdote möchte ich zu den vielen Berichten ergänzen:

Als 17-jähriger legte Karl Marx im August 1835 in Trier an dem heute nach „Friedrich Wilhelm“ benannten Gymnasium seine Abiturprüfung ab.

Gut 150 Jahre später interessierte sich mein Vater, nach vier Jahrzehnten als Mathematiklehrer in Pension gegangen, für diese noch erhaltene Abiturprüfung, vor allem den mathematischen Teil. Neben der historischen Einordnung und fachlichen Bewertung konnte er als erfahrener Lehrer nahezu zweifelsfrei nachweisen, dass Karl Marx bei der dritten von vier Prüfungsaufgaben im Abitur abgeschrieben hatte!

Auch bei wem, fand er heraus: bei seinem Freund und späteren Schwager Edgar von Westphalen. Dem damaligen Mathematiklehrer, Oberlehrer Johann Steininger, war dies zum Glück für Karl Marx entgangen. Sonst wäre seine akademische Karriere vielleicht anders verlaufen.

Diese und viele weitere Ergebnisse zur „mathematischen Maturitätsprüfung im Jahr 1835 am Trierer Gymnasium“ veröffentlichte mein Vater 1990*.

Im Scherz habe ich oftmals zu ihm gesagt, dass es ja wohl kein Zufall gewesen sein kann, dass nur ein Jahr nach der Entdeckung des Abschreibens seitens Karl-Marx die große, auf seinen Lehren aufgebaute Sowjetunion 1991 zerbrach!

Thomas Raussen, Witzenhausen (Nordhessen)

* Bernd Raussen: Die mathematische Maturitätsprüfung im Jahr 1835 am Trierer Gymnasium. Kurtrierisches Jahrbuch 1990, 30. Jahrgang, Seiten 205 -236.