Moralisch korrekt

Zum Kommentar "Deutschland weiß nicht so recht" (TV vom 19./20. März):

An diesem Kommentar wird deutlich, warum sich Deutschland bei der Stimmabgabe enthalten musste. Ohne Zweifel ist eine Intervention mit UN-Mandat legitim und gegen den libyschen Diktator auch wünschenswert. Aber man darf nicht glauben, dass sie deshalb hierzulande schon mitgetragen würde.

Sicher, wenn ein UN-Mandat fehlt, dann benutzt man diese Tatsache gerne, um gegen die Akteure zu Felde zu ziehen. Wenn es aber vorhanden ist, fühlt man sich doch in keiner Weise verpflichtet. Und um diese Selbstverpflichtung geht es, denn zuerst "Ja" zu sagen, dann jedoch abseits zu stehen und andere zu kritisieren, die das Geschäft machen, wäre wohl sehr zweifelhaft. Fehlende oder vorhandene UN-Mandate jedenfalls gehören in diesem Lande lediglich zum ideologischen Instrumentarium, Munition für den medienwirksamen Showdown.

In Afghanistan konnten wir lernen, dass unsere Hilfe von zweifelhafter Stabilität ist. Denn eine Intervention, die von der Regierung getragen, von der Mehrheit der Bevölkerung aber abgelehnt wird, steht auf wackligen Füßen.

Es ist eine moralisch korrekte Position, jemandem keine Hilfe anzubieten, wenn man nicht garantieren kann, dass man am Ende nicht doch lieber die Flucht ergreift.

Jürgen Krotz, Trier



Libyen

Moralisch korrekt

An diesem Kommentar wird deutlich, warum sich Deutschland bei der Stimmabgabe enthalten musste. Ohne Zweifel ist eine Intervention mit UN-Mandat legitim und gegen den libyschen Diktator auch wünschenswert. Aber man darf nicht glauben, dass sie deshalb hierzulande schon mitgetragen würde. Sicher, wenn ein UN-Mandat fehlt, dann benutzt man diese Tatsache gerne, um gegen die Akteure zu Felde zu ziehen. Wenn es aber vorhanden ist, fühlt man sich doch in keiner Weise verpflichtet. Und um diese Selbstverpflichtung geht es, denn zuerst "Ja" zu sagen, dann jedoch abseits zu stehen und andere zu kritisieren, die das Geschäft machen, wäre wohl sehr zweifelhaft. Fehlende oder vorhandene UN-Mandate jedenfalls gehören in diesem Lande lediglich zum ideologischen Instrumentarium, Munition für den medienwirksamen Showdown. In Afghanistan konnten wir lernen, dass unsere Hilfe von zweifelhafter Stabilität ist. Denn eine Intervention, die von der Regierung getragen, von der Mehrheit der Bevölkerung aber abgelehnt wird, steht auf wackligen Füßen. Es ist eine moralisch korrekte Position, jemandem keine Hilfe anzubieten, wenn man nicht garantieren kann, dass man am Ende nicht doch lieber die Flucht ergreift. Jürgen Krotz, Trier