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Viktoria Karls: Nicht zusehen, wie Menschen jeden Tag um ihr Leben fürchten müssen

Lesermeinung : Nicht zusehen, wie Menschen jeden Tag um ihr Leben fürchten müssen

Afghanistan

Zu „Vom Scheitern des Westens in Afghanistan“, Trierischer Volksfreund, 17. August, und anderen Artikeln:

Rette sich wer kann! Menschen, die zu Tausenden auf ein Rollfeld strömen und versuchen verzweifelt, sich an einen startenden Flieger der US-Air Force zu hängen. Diese Bilder beschreiben die hoffnungslose, verzweifelte und dramatische Lager der afghanischen Bevölkerung. Nur kurze Zeit nach der Übernahme der Hauptstadt Kabul durch die Taliban beginnt die Massenflucht.

Die Flucht vor Gewalt, Mord, Krieg treibt die Menschen an. Besonders für Frauen und Journalisten wird die Situation Stunde um Stunde prekärer. Dennoch es wäre zu einfach zu sagen, die Uno und die Nato hätten Afghanistan im Stich gelassen. Eine Demokratie kann nicht von außen aufgebaut werden, der Wille zur Demokratie muss vom Volk selbst kommen, aus der Mitte der Bevölkerung.

Das Volk muss meines Erachtens selbst zur Erkenntnis kommen, dass die Demokratie ein friedensstiftendes, nachhaltiges politisches System ist. Der Westen kann einen Einfluss auf die politische Gestaltung haben, aber nicht die politische Richtung bestimmen. Es war ein Fehler, so schnell die Truppen aus Afghanistan abzuziehen, aber die demokratiewillige afghanische Bevölkerung wurde nicht vom Westen, sondern von ihrer Regierung, ihrem Militär und nicht zuletzt von ihrem eigenen Volk im Stich gelassen.

Nun stellt sich natürlich die Frage, was jetzt zu tun ist? Dürfen wir einfach so zusehen, wie Tausende Menschen in einem Kalifat unter Islamisten jeden Tag um ihr Leben fürchten müssen? Dürfen wir zusehen, wie Meinungs- und Pressefreiheit und die Stellung der Frau in der Gesellschaft einfach so zunichte gemacht werden?

Nein, das dürfen wir nicht. Wir müssen die Zivilbevölkerung und alle Menschen, die für Demokratie, Meinungs-und Pressefreiheit in Afghanistan einstehen, retten. Ganz besonders wichtig ist, dass wir jetzt uns nicht auf Verhandlungen mit Terroristen einlassen, sondern zusammen mit dem demokratiebereiten Teil Afghanistans gemeinsam den Schritt Richtung Demokratie und Frieden gehen.