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Leserbrief
Wir brauchen eine Agrarwende

Landwirtschaft

Zum geplanten Neubau von Großställen in Niehl, Orenhofen, Metterich, Auw bei Prüm und zur Lage der Landwirtschaft schreiben diese Leser:

Immer mehr Bauern in der Eifel müssen ihren Hof aufgeben. Bei über lange Zeit gleich bleibenden oder fallenden Preisen für Milch, Fleisch, Getreide und gleichzeitig steigenden Preisen für Geräte, Maschinen, Futter, Dünge- und Spritzmittel lohnt sich der Betrieb nicht mehr.

Was ist die Folge: die wenigen verbliebenen Betriebe bewirtschaften immer mehr Flächen, bauen immer größere Ställe, müssen immer mehr investieren (und sich dadurch verschulden).

Das, was da entsteht, sind keine bäuerlichen Höfe mehr, sondern Massentierhaltungsfabriken, mit den bekannten Folgen:

Die Tierhaltung insgesamt ist zu mehr als 50 Prozent verantwortlich für die Klimaerwärmung durch die Treibhausgase Methan, CO2 und Stickoxyde (World Watch Institute 2009).

– Der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung (allein 2017 in Deutschland ca. 740 Tonnen) begünstigt die massenhafte Entstehung von multiresistenten Keimen. Die nicht abbaubaren  Antibiotika gelangen ins Grundwasser und werden vom Menschen mit dem Trinkwasser aufgenommen.

–  Für den Anbau von Viehfutter werden weltweit riesige Flächen von Urwald gerodet und Natur zerstört, außerdem gehen dadurch Flächen für pflanzliche Lebensmittel verloren: für die Produktion von einem Kilogramm  Rindfleisch zum Beispiel werden etwa sechs bis zehn Kilogramm Getreide benötigt.

Angesichts der Klimaerwärmung und der rasanten Zerstörung der Umwelt ist die Subventionierung von Großställen doch längst nicht mehr zeitgemäß.

Zur Zeit läuft die Subventionspolitik der EU  (ca. 60 Milliarden Euro jährlich für die Landwirtschaft) so: Großbetriebe mit viel Fläche erhalten viel, Klein- und Familienbetriebe wenig.

Wir brauchen auch hier eine Agrarwende: Es sollten vorrangig ökologische und tierfreundlich wirtschaftende Betriebe gefördert werden.

Die sogenannte „Flächenbindung“, die vom ehem. Landwirtschaftsminister Seehofer weitgehend abgeschafft wurde, muß wieder eingeführt, das heißt, die Zahl der Tiere pro Fläche begrenzt werden.

Und wir alle können etwas tun zur Rettung der Erde: wir müssen weniger Fleisch essen!

„Ein geringerer Fleischkonsum (in den Industrieländern um mindestens die Hälfte reduziert), weniger Tiere und eine umweltschonende Tierhaltung, das sind klimafreundliche Mittel für globale Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit.“

(„Fleischatlas 2018“, herausgegeben vom BUND)