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Soziales: Von wegen Respekt!

Soziales : Von wegen Respekt!

Zu den Artikeln „Von der Grundrente zur ,Respekt-Rente’“ (TV vom 23. Januar), „SPD-Spitze fordert die Hartz-IV-Abkehr“ (TV vom 11. Februar) und weiteren Beiträgen zum Thema schreibt Helga Blang:

Wenn dieses Rentenprogramm in zwei Jahren in Kraft treten würde, wäre das ein Riesengewinn für die meisten Rentner. Denn es ist ungeheuerlich, was seit Jahren in Deutschland passiert.

Da wird immer wieder über Altersarmut diskutiert, unter der sogenannte Geringverdiener, Allein­erziehende, Teilzeitarbeiter und arbeitsscheue Menschen leiden. Das stimmt so nicht.

Die meisten Menschen der Nachkriegsgeneration haben von ihrem 14. Lebensjahr bis zum 60. oder 65. Lebensjahr hart gearbeitet. Dass es Deutschland heute so gut geht, verdanken wir diesen Menschen, die auch mit geringerem Lohn zufrieden waren und brav ihre Steuern und Rentenbeiträge bezahlt haben.

Wer im Alter von 14 Jahren eine kaufmännische Ausbildung begann, hatte eine monatliche Vergütung von 25 Mark im ersten Lehrjahr, 50 Mark im zweiten Lehrjahr und 75 Mark im dritten Lehrjahr. Nach Beendigung der Ausbildung lag der Verdienst um 400 Mark bei einer 48-Stunden-Woche. Dieser Lohn ist natürlich im Laufe der Zeit kontinuierlich gestiegen, aber der Grundstein für eine Minirente, trotz über 45 Jahren Rentenbeitrag, war damit gelegt.

Meine persönliche Rentenerwartung zu Zeiten der D-Mark lag zuletzt bei knapp 1800 Mark. Bei der Rentenbeantragung ergab sich dann ein Betrag von nur 800,40 Euro. Auf Nachfrage, warum so wenig, denn ich hatte ja sehr viel eingezahlt, wurde mir gesagt, Rente sei ein Solidarbeitrag. Ich habe das akzeptiert. Wenn sich aber unsere Landtagsabgeordneten eine Erhöhung der Diäten genehmigen, die über meiner monatlichen Rente liegt, frage ich mich, wo bleibt da die Solidarität?

Wenn ein Politiker aus der Eifel sagt: „Ich bin jeden Cent wert“, dann sollte er uns zukünftige „Respekt-Rentner“ einmal fragen, wie wir das sehen.

Wieso bekommen Beamte eine viel höhere Pension, sie zahlen nicht in die Rentenkasse ein und bekommen auch noch Beihilfe bei außergewöhnlichen Belastungen?

Wenn ich heute einem Azubi gegenübersitze und weiß, dass er mehr Ausbildungsbeihilfe bekommt als ich Rente, fühlt sich das für mich an wie „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.“ Wir Rentner gehören in Deutschland einfach nicht mehr zur Gesellschaft dazu. Von Respekt gar nicht zu reden. Die deutschen Politiker könnten sich ein Beispiel an unseren Nachbarn in Belgien und den Niederlanden nehmen. Dort hat man viel mehr Respekt vor dem Alter. Rentner fahren kostenfrei mit Bus und Bahn. Auch beim Eintritt in Museen et cetera hat man Vergünstigungen. Für Kranke und Alte wird innovativ gesorgt. Das sind nur einige wenige Beispiele.

Unsere Politiker sollten lieber doch mal über den Tellerrand schauen,  als immer nur neue Worthülsen wie „Respekt-Rente“ zu erfinden. Dann würden sie auch erkennen, warum sich viele ihrer Wähler nach Alternativen umsehen.

Helga Blang, Trier