Mein GARTEN

"Was für ein Schnäppchen", jubelte die Frau mit den fünf enzianblauen Salbeipflanzen auf dem Einkaufswagen. Der bedingt winterharte Sommerblüher war wie so viele überständige Gewächse zu einem Spottpreis angeboten worden.

Man hätte sie warnen sollen. Ich kenne das mit den Schnäppchen. Erst kauft man ein Schopflavendel-Hochstammbäumchen, das man im Leben nicht erworben hätte, wenn es nicht so unverschämt günstig gewesen wäre. Dann stellt man fest, dass für das mediterrane Gewächs weder ein Winterquartier noch ein passendes Gefäß vorhanden ist. Man ersteht also einen sündhaft teuren, aber stilechten Terracottakübel. Die Investition in Tragegurte für den Umzug von der Terrasse ins noch zu bauende Glashaus verschiebt man lieber ins vierte Haushalts-Quartal. Aber eine qualitativ hochwertige Pflanzerde muss sein. Das Substrat sollte man bei mediterranen Kräutern wie dem Lavendel mit grobem Sand oder Kalksplitt abmagern. Ich plane also eine Sonderfahrt zur Kiesgrube ein. Immerhin, dort ist die balkongartenübliche Menge günstiger als im Laden. Als Kübelpflanze braucht die neue Errungenschaft eine gute Drainage. Die Blähtonkörner sind nur im Großpack erhältlich. Der Kaufpreis überschreitet den der Pflanze bei weitem. Egal, meint die Stimme des guten Gewissens: Überleg\' doch mal, wie viel Geld du mit dem Schnäppchen gespart hast. Beim Pflanzen stellt sich heraus, dass das Hochstämmchen im unteren Bereich etwas nackig wirkt. Hier hilft eine blumige Unterpflanzung: der passende herabhängenden Sommerflor im frisch eingetroffenen hochpreisigen Segment. Ich fasse zusammen: Ein Schnäppchen ist so lange ein Schnäppchen, wie dessen Einkaufspreis die damit verbundenen Folgekosten nicht überschreitet. Unkalkulierbar bleibt natürlich der individuelle Glücksgewinn. Sie haben eine Frage an unsere Gartenexpertin Kathrin Hof meister? Schreiben Sie an garten@volksfreund.de Diese und weitere TV-Kolumnen finden Sie auch im Internet auf www.volksfreund.de/kolumne