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An der Uni Luxemburg laufen Vorbereitungen für flächendeckende Untersuchung der Bevölkerung des Nachbarlands.

Gesundheit : Viren-Nachweis nach Finger-Pieks

Weltweit wird an sogenannten Corona-Schnelltests gearbeitet. Eine Firma aus der Region vertreibt nun einen solchen Test. An der Uni Luxemburg laufen Vorbereitungen für flächendeckende Untersuchung der Bevölkerung des Nachbarlands.

Vor zwei Monaten, als in Deutschland Corona noch kein großes Thema war, habe er sich bereits die Vertriebsrechte für einen sogenannten Antikörpertest einer Schweizer Firma für Deutschland gesichert, erzählt Hermann Konrad. Er ist Inhaber der Firma Weko Pharma in Pellingen (Trier-Saaburg). Die vertreibt Gesundheitsprodukte. Und seit dieser Woche auch den Antikörpertest, den Weko als Covid-19-Schnelltest bezeichnet und Apotheken, Arztpraxen, Kliniken oder Pflegeheimen anbietet. Weltweit wird derzeit an solchen Antikörpertests geforscht. Anders als die Bezeichnung Schnelltest jedoch vermuten lässt, können diese nicht eine akute Corona-Infektion nachweisen. Man könne feststellen, ob jemand eine Virus-Infektion überstanden hat, also auch Corona, erklärt Konrad. Für den Nachweis einer durch das Virus verursachten, momentanen Covid-19-Erkrankung ist immer noch der sogenannte PCR-Test, also der Abstrich im Mund- und Rachenraum notwendig. Bis das Ergebnis vorliegt, vergehen derzeit aber mehrere Tage. Antikörpertests können innerhalb weniger Minuten anzeigen, ob man infiziert war oder nicht. „Der ist so einfach wie ein Schwangerschaftstest“, wirbt Konrad. Mit einer Einweg­lanzette wird der Testperson in den Finger gepiekst, das entnommene Blut auf einen Teststreifen getropft. Nach zehn Minuten zeige dieser dann an, ob man positiv oder nicht sei, so der Weko-Pharma-Geschäftsführer.

Positiv bedeutet in diesem Fall, dass Antikörper im Blut nachgewiesen wurden. Diese zirkulieren etwa zehn Tage nachdem das Immunsystem sich mit einem Virus auseinandergesetzt im Körper. Der Präsident des für die Seuchenbekämpfung zuständigen Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, nannte solche Tests gestern in einer Pressekonferenz „extrem wichtig“. Mit solchen Antikörpertests könne man erfahren, wie viele sich mit dem Coronavirus infiziert hätten und mittlerweile wieder genesen seien. Nur so könne man die Verbreitung der Krankheit nachweisen.

Allerdings warnen Experten davor, dass diese Tests von Privatpersonen angewendet werden. Durch falsche Anwendung, etwa wenn zu wenig Blut auf den Teststreifen komme oder es zu warm oder zu kalt sei, könne das Ergebnis verfälscht werden. Der Antikörpertest gehöre in die Hände von medizinischen Personal, sagt auch Konrad. Damit könne schnell nachgewiesen werden, ob etwa Ärzte oder Pfleger virenfrei seien und damit keine Gefahr für Kollegen, Patienten oder Heimbewohner darstellen. Auch bei mit Corona Infizierten, die sich in Quarantäne befinden, könnte so nachgewiesen werden, dass sie die Infektion überstanden haben und damit nicht mehr auf Eigenschutz achten müssen.

Auch am Luxemburger Institut für Gesundheit an der dortigen Uni wird an einem Antikörpertest gearbeitet. Damit soll die gesamte Bevölkerung getestet werden, sagt Dirk Brenner, Professor für Infektionskrankheiten an dem Institut. Ziel sei es nachzuweisen, wie weit sich das Virus bereits in der Gesellschaft ausgebreitet habe. „Dies ist wichtig, da wir nach dem derzeitigen Wissensstand davon ausgehen, dass die nach einer Infektion gebildeten Antikörper vor einer Neuinfektion mit dem SARS-CoV2-Virus schützen.“ Somit lasse sich die Grundimmunität der Bevölkerung gegen das Virus bestimmen.

An dem Institut würden dazu derzeit mehrere dieser Verfahren getestet. „Wir hoffen, dass wir bereits in einigen Tagen die ersten Antikörper-Nachweise durchführen können“, sagt Brenner.

Ein Problem sei die momentane „riesige weltweite Nachfrage“ nach diesen Tests. Diese führe zu Lieferengpässen. Daher versuche man einen „hauseigenen“ Test zu entwickeln.