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Newsletter des Chefredakteurs Thomas Roth: Ab ins Wochenende

Information : Ab ins Wochenende - Neuer Newsletter des Chefredakteurs jetzt immer freitags

Ab ins Wochenende: Mit meinem neuen Newsletter bekommen Sie exklusive Einblicke in die Arbeit der TV-Redaktion - ab jetzt jeden Freitag. Melden Sie sich an und ich verrate Ihnen, was am Wochenende in unserer Region los ist und was wir beim TV in der vergangenen Woche gemacht haben.

Liebe Leserin,
lieber Leser,

herzlich willkommen zur Premiere: Ich freue mich, wenn ich Ihnen ab jetzt einmal in der Woche einen persönlichen Einblick in die Redaktionsarbeit geben und Ihnen meine persönlichen Favoriten in unserem Online-Angebot ans Herz legen darf. Jeden Freitag werde ich einerseits einen Blick zurückwerfen und andererseits – passend zum Motto „Ab ins Wochenende“ – Tipps geben, was Sie am Samstag und Sonntag Spannendes in unserer lebens- und liebenswerten Region erleben können.

Folge 1 steht dabei, wen wundert es, ganz im Zeichen des Marx-Wochenendes. Ab morgen ist das volle Marx-Paket in seiner Geburtsstadt Trier zu erleben. Vier Ausstellungen geben Einblicke in das Leben und die Lehren des umstrittenen Philosophen, Ökonomen und Journalisten. Was Sie erwartet, haben für Sie vorab schon einmal Mandy Radics und Miguel Castro erkundet. Ihre Eindrücke finden Sie hier. Mein Tipp: Klicken Sie auf die Multimedia-Darstellung, um diese tolle Arbeit in Wort und Bild vollständig genießen zu können.

Einflussreich, das war Karl Marx in jedem Fall. Unbestritten sind in seinem Namen Systeme entstanden, in denen Menschen keineswegs befreit, sondern unterdrückt worden sind. Die Debatte ist rege, nicht alleine mit Blick auf die Karl-Marx-Statue, die morgen am Simeonstiftplatz ausgepackt wird. Ein Standort, der übrigens einiges über den Umgang mit Marx in Trier verrät. Ja, wir nehmen das Geschenk aus China an, allen Bedenken zum Trotz. Nein, wir wollen es nicht zu prominent platzieren. Dass dieses Thema unsere Leser bewegt, zeigt sich alleine an der Zahl der Leserbriefe, die uns erreicht haben.

Die Eröffnung der Ausstellungen und der Start der Feiern bieten nun die Chance, sich selbst ein Bild zu machen, wie kritisch und wie gelungen der Blick auf Marx geraten ist. Meine Ansicht: Marx-Ampelmännchen und Bade-Enten sind dabei nur selten hilfreich, sie sind aber auch nicht Grund zum Fremdschämen für unsere Region. Ministerpräsidentin Malu Dreyer sieht in dem Jubiläum die Chance zu einer kritischen Diskussion über Marx‘ Werk. Diese ist notwendig und bisher – so mein Eindruck – etwas zu kurz gekommen.

Dass zur Eröffnungsfeier am heutigen Freitag Jean-Claude Juncker die Festansprache hält, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Der Juncker, der einerseits die europäische Einigung im Sinne hatte und hat. Der Juncker, der aber anderseits als Finanzminister und Premier in Luxemburg das Kapital anlockte – mit Steuererleichterungen und Verlockungen für große Unternehmen. Kaum anzunehmen, dass er heute in der Konstantinbasilika zum Marxisten wird. Wird er selbst auf diesen Zwiespalt eingehen? Die Diskussionen gehen weiter, das steht fest. Und sie haben auf volksfreund.de in vielerlei Hinsicht Platz gefunden.

So forderte etwa Gregor Gysi bei uns die Umbenennung der Universität. Den Widerpart dazu lieferte Uni-Präsident Michael Jäckel. Er warnte vor einer „Entfremdung“ und argumentiert, ganz marxianisch: „Mit seinem Kapital sollte man sorgsam umgehen.“ Wissenswerter Randaspekt: Karl Marx musste Trier zum Studieren verlassen – 1798, 20 Jahre vor seiner Geburt, ließen die Franzosen die Universität schließen. Grund: „politische Unzuverlässigkeit“ der Lehrkörper.

Für heute soll es das zu Marx gewesen sein – jedenfalls fast. Ich freue mich, wenn Sie in unserem Themenbereich noch mehr entdecken wollen. Wir berichten zudem am Wochenende online aktuell über die Feierlichkeiten, aber auch über die verschiedenen Demonstrationen. Es ist gar nicht so leicht, den Überblick zu behalten: Zahlreiche Gruppierungen haben Veranstaltungen angemeldet. Und vielleicht haben Sie in den nächsten Wochen Lust, den jungen Karl Marx im Gespräch mit seinem älteren Pendant zu erleben. Mein Kollege Roland Morgen hat vorab das Mitgeh-Stück in Trier verfolgt.

In diesem Sinne: Machen Sie sich Ihr eigenes Bild, ob und wie Trier aus Marx Kapital schlägt und genießen Sie ein vielleicht turbulentes und hoffentlich friedliches Wochenende!

Herzlichst,
Thomas Roth
Chefredakteur

PS: Haben Sie Anregungen, Kritik, Wünsche? Dann melden Sie sich gerne bei mir unter t.roth@volksfreund.de