Abteilung Attacke

Der immer heftiger werdende Streit um Auffanglager für Asylsuchende dreht sich längst nicht mehr nur um die Sache. Vielmehr verbindet Otto Schily und die Grünen eine gegenseitige, fast schon leidenschaftliche Abneigung.

Der kleine Koalitionspartner kann nicht mit dem Innenminister, weil er zuweilen die Union mit seinen Ideen rechts überholt. Und der rote Sheriff fühlt sich von den Ökopaxen nur genervt. Daraus macht er keinen Hehl: Neulich erst gab es den großen rot-grünen Krach um die Zuwanderung, jetzt scheut sich Schily nicht, Flaggschiff Joschka Fischer ins Visier zu nehmen. Dabei hat der Außenminister völlig Recht: Vieles von dem, was sein Parteifreund aus früheren Tagen in letzter Zeit so hinaus posaunt hat, klang nicht nach Konzeption, sondern eher nach Schnellschuss aus der Abteilung Attacke. Schily, der Zuchtmeister der Grünen, nimmt sich aber nur die Narrenfreiheit, die ihm der Kanzler bewusst bewilligt hat. Selbst auf Kosten eines Koalitionskrachs. Ohne den Innenminister wäre das Kabinett schließlich noch blasser als es schon ist. Und er deckt die Flanke ab, auf der die SPD sonst nicht richtig punkten könnte. Kein Wunder also, dass Schily jetzt auch noch damit kokettiert, vier weitere Jahre im Amt bleiben zu wollen. Schröder würde es ihm wohl danken, die Grünen dürften allerdings fluchen. nachrichten.red@volksfreund.de