E 10 fließt weiter

Bundesregierung, Auto- und Mineralölindustrie wollen die Millionen verunsicherter Autofahrer möglichst schnell über den Biosprit E 10 aufklären. Das ist das Ergebnis des Benzin-Gipfels vom Dienstag.

Berlin. "Das ist so beschlossen, und das wird so gemacht": Umweltminister Norbert Röttgen erklärte beim gestrigen Benzin-Gipfel in Berlin, dass die neue Benzinsorte eingeführt werde, nicht gestoppt. Und die Information werde auf allen Ebenen verbessert.

Sehr schnell sollen jetzt an allen Tankstellen Listen liegen, die Auskunft darüber geben, welche Automodelle E 10 vertragen und welche nicht. Und diese Angaben sind nach Auskunft des Geschäftsführers des Verbands der Automobilindustrie, Klaus Bräuning, verbindlich. Auf Nachfrage ergänzte er: "Rechtsverbindlich". Auch die Werkstätten sollen entsprechende Informationen bereithalten.

Die zweite Lösung des Problems versteckte sich hinter der Bemerkung des Vertreters der Mineralölwirtschaft, Klaus Picard, dass E 10 in dem Tempo eingeführt werde, wie es auf Akzeptanz bei den Autofahrern stoße. Die flächendeckende Verbreitung des neuen Sprits wird also offenbar etwas gestreckt. Auch Röttgen sprach davon, dass man den Kraftstoff "nicht im Hauruck-Verfahren" einführen wolle.

Lösung Nummer drei ist, dass alle Beteiligten besser über die Vorteile und die ökologische Unbedenklichkeit informieren wollen. Biokraftstoff spare mindestens 35 Prozent CO{-2} ein, sagte Röttgen. Und eine Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelherstellung gebe es in Europa nicht. In Deutschland wird auf 240 000 von zwölf Millionen Hektar Ackerland für Ethanol angebaut, das sind zwei Prozent der Fläche.

In der Sitzung warf Röttgen der Mineralölwirtschaft Blockadepolitik vor und fragte, ob es stimme, dass sie schon jetzt mögliche Strafzahlungen wegen Nichterfüllung der Biospritquote auf die Benzinpreise aufgeschlagen haben. Picard wies das empört zurück.

Eine "Geschichte der Tricks und Täuschungen" nannte Michael Müller den Kraftstoff E 10. Er sei allein auf Druck der deutschen Autoindustrie 2005 europaweit durchgesetzt worden. Müller war seit Ende 2005 Staatssekretär im Umweltministerium. Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn sprach gegenüber unserer Zeitung von einem "Schmalspur-Ergebnis" und bezweifelte, dass eine Informationsoffensive die Wogen glätten werde. "Ich hätte mir ein starkes Zeichen für weniger Spritverbrauch bei Autos gewünscht. Das ist der Königsweg".