Pannenpanzer Puma: Die Bundeswehr muss noch länger warten

Pannenpanzer Puma: Die Bundeswehr muss noch länger warten

In wenigen Tagen läuft die Frist ab, bis zu der der neue Panzer Puma beweisen muss, dass er reif für die Serie ist. Laut Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat er allerdings noch immer gravierende Mängel. Dennoch hält sein Ministerium an dem Prestigeprojekt fest.

Weil der neue deutsche Prestigepanzer Puma so viele technische Probleme hat, wartet die Bundeswehr nun schon seit sechs Jahren vergeblich auf den Nachfolger des 40 Jahre alten Vorgängermodells namens Marder (der TV berichtete).

Und sie wird noch länger warten müssen. Denn anders als geplant, werden wohl auch Anfang 2014 noch keine Serienmodelle des mit zehn Millionen Euro pro Stück teuersten Schützenpanzers der Welt vom Band rollen.

Ende Oktober endet jene Frist, innerhalb derer die Herstellerfirmen Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann nachweisen müssen, dass der Panzer, der in der Wehrtechnischen Dienststelle 41 in Trier erprobt wird, einwandfrei funktioniert. Schon länger gab es Zweifel daran, dass dies gelingen würde. Gestern nun bestätigte Verteidigungsminister Thomas de Maizière, dass es "keine Grundlage für die Übernahme in die Nutzung" gebe. Übersetzt: Die technischen Mängel des Panzers sind so groß, dass er vorerst nicht in die Bundeswehr eingeführt werden kann. Der Puma war unter anderem deshalb in die Schlagzeilen gekommen, weil er in der Vergangenheit sein eigenes Gewicht nicht tragen konnte, weil Laufrollen abbrachen, Gleisketten ausspurten oder er unter Beschuss zu schwelen anfing.

Der Tagesschau sagte de Maizière gestern, es gebe aktuell unter anderem noch Probleme mit der mangelnden Stabilität bei Software und Elektronik, bei der technischen Dokumentation, beim Gewicht und mit der eingeschränkten Sicht des Fahrers.

Theoretisch hätte die Bundeswehr das Recht, aus dem 4,3 Milliarden Euro-Projekt auszusteigen, wenn bis zum 31. Oktober nicht der Nachweis gelingt, dass der Puma über keine "Sachmängel" verfügt, die nicht innerhalb einer "angemessenen Nacherfüllungsfrist" beseitigt werden können.

Nach Auskunft des Verteidigungsministeriums ist ein solcher Ausstieg jedoch nicht geplant. "Es liegen aktuell keine Erkenntnisse über Mängel vor, die einen Rücktritt rechtfertigen würden. Das Ergebnis der Nachweisführung ist hier abzuwarten", sagt ein Ministeriumssprecher.

Wie lange die Frist ist, die man den Firmen einräumt, ist offen. Auch die Frage, wann die Bundeswehr nun ihre 350 bestellten Panzer bekommt, kann de Maizière derzeit nicht beantworten. Angeblich kommen die Rüstungsfirmen für die Kosten der nötigen Nachbesserung auf.

Ursprünglich hatte die Bundeswehr 405 Panzer bestellt. Dafür waren laut Bundesrechnungshof 2012 Ausgaben von 4,345 Milliarden Euro geplant. Durch die Reduzierung der Stückzahl auf 350 sanken die Kosten auf 3,924 Milliarden. Dass inzwischen doch wieder von 4,3 Milliarden Euro - also knapp 380 Millionen mehr - die Rede ist, begründete das Verteidigungsministerium mit der Inflation.

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