Prozess wegen Schüsse auf Polizisten: Angst vor Befreiungsaktion im Gericht

Prozess wegen Schüsse auf Polizisten: Angst vor Befreiungsaktion im Gericht

Unter verschärften Sicherheitsbedingungen hat am Donnerstag der Prozess gegen drei aus Marokko stammende Männer vor dem Landgericht Trier begonnen. Sie sollen in der Eifel auf Polizisten geschossen haben.

Trier. Das Polizeiaufgebot ist auffallend. Bereits am Eingang des Trierer Landgerichts stehen gestern Polizisten und Justizwachtmeister - in Schutzwesten. Vor dem großen Saal ist eine Sicherheitsschleuse mit Metalldetektor aufgebaut. Jeder, der rein will, wird von Polizisten und Wachtmeistern kontrolliert. Höchste Sicherheitsstufe. Grund ist der Prozess gegen drei Marokkaner, die im vergangenen Jahr in Bleialf (Eifelkreis Bitburg-Prüm) auf Polizisten geschossen haben sollen . Es wird befürchtet, dass Komplizen des Trios ins Gericht stürmen und eine Befreiungsaktion starten.Mindestens sieben Banküberfälle

Der 39-jährige Angeklagte verbirgt sich im Trierer Landgericht hinter einer Akte, neben ihm seine Verteidigerin Katrin Braun.TV-Foto: Friedemann Vetter.

Für Staatsanwalt Eric Samel steht nämlich fest, dass die drei Männer (25, 27 und 39 Jahre alt) Mitglied einer Bande sind. In unterschiedlichen Konstellationen sollen sie mindestens sieben Banken in Nordrhein-Westfalen überfallen haben. Samel ist überzeugt, dass die Männer am 11. April vergangenen Jahres auch genau deswegen aus Belgien in die Eifel gekommen sind - um in Bleialf eine Bank zu überfallen.

Doch dazu ist es nicht gekommen. Die Polizei fuhr an dem Morgen verstärkt Streife in dem Eifelort. Nicht etwa, weil man die Drei im Visier hatte, sondern weil man aufgrund der Banküberfälle im benachbarten Nordrhein-Westfalen befürchtete, dass auch Bleialf mal wieder Tatort für einen solchen Raub sein könnte, sagt Samel. Bereits mehrmals wurde dort die Bank überfallen. Den Polizisten fiel an dem Morgen der auffällig langsam fahrende Ford Focus mit drei Männern drin auf. Vor allem das Kennzeichen mit OE für den Kreis Olpe erregte die Aufmerksamkeit der Beamten. Es war gestohlen.

Als die Polizisten eine Straßensperre am Ortseingang von Bleialf errichteten, um die drei Männer anzuhalten, fährt der 39-Jährige, der das Auto steuert, durch den Straßengraben an den Polizisten vorbei. Als sich eine Zivilstreife mit ihrem Wagen vor die Flüchtenden setzt, soll der 25-Jährige aus dem Fenster geschossen haben - gezielt auf die Polizisten vor ihnen und auch auf die ihnen im Streifenwagen mit Blaulicht folgenden Beamten. Ein Schuss aus der Neun-Millimeter-Pistole durchschlug das Auto der Zivilpolizisten, verfehlte einen Beamten wohl nur knapp. "Jeder der gezielt abgegebenen Schüsse hätte die Insassen töten können", heißt es in der von Samel vorgetragenen Anklageschrift. Versuchter Mord wirft er ihnen vor. Sie hätten "um jeden Preis" verhindern wollen, festgenommen zu werden, sagt Samel. Ein paar Stunden nach der Flucht sind die Drei dann im nahen Belgien von der Polizei geschnappt worden.

Bislang haben sie bestritten, auf die Polizisten geschossen zu haben. Doch die Verteidiger der Angeklagten kündigten an, dass diese sich während des Prozesses noch äußern wollen. Der 27-Jährige will wohl sagen, dass er nicht geschossen hat, er habe auf der Rückbank des gestohlenen Wagens gesessen, von einem geplanten Banküberfall wisse er nichts, sagt seine Verteidigerin Monika Kühne aus Trier. Er und der 25-Jährige kennen sich wohl schon seit ihrer gemeinsamen Kindheit in Marokko und wohnten bis zur Festnahme zusammen im belgischen Anderlecht. Offenbar hat jeder der Drei verschiedene Identitäten. Die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz stutzt kurz, als der 25-Jährige sagt, der in der Anklageschrift genannte Name von ihm stimme nicht. Er hat wohl unterschiedliche Namen benutzt. Auch der 39-Jährige, der zuletzt in Brüssel wohnte und angibt, sowohl die deutsche als auch die marokkanische Staatsbürgerschaft zu haben, soll auch einen bulgarischen Pass besitzen.

Der Prozess wird am 13. Februar fortgesetzt.

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