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Ehemaliges Kino in Bitburg wandelt sich zum Gotteshaus

Koptisch-orthodoxe Gemeinde : Ehemaliges Kino in Bitburg wandelt sich zum Gotteshaus

Nach der Weihe durch Papst Tawadros II. hat die Gemeinde weitere Pläne für St. Athanasius.

Papst Tawadros II. weilt längst wieder im ägyptischen Alexandria, und in der koptisch-orthodoxen Gemeinde Bitburg ist nach dem Besuch ihres Oberhauptes wieder der Alltag eingekehrt, wie Daniel Abadeir beim Rundgang durch die nun geweihte St.-Athanasiuskirche erzählt. Er ist in einer dem Diakon ähnlichen Funktion beim Papstbesuch im Einsatz gewesen und übernimmt diese Aufgabe auch samstags beim Abendweihrauch oder sonntags bei der Eucharistiefeier. Dass der 34-Jährige seit seiner Jugend in Bitburg lebt, dafür sind die Staus im Großraum Stuttgart verantwortlich, wo er mit seiner Familie gelebt hat. „Es nahm immer viel zu viel Zeit in Anspruch, wenn wir von der Schwäbischen Alb zum Gottesdienst nach Stuttgart fuhren“, erzählt Abadeir. Und so beschlossen seine Eltern, nach Bitburg zu ziehen und sich der Gemeinde auf dem Flugplatz anzuschließen. Bitter für Abadeir war dabei allerdings, dass bei seinem Weggang aus Baden-Württemberg dort die Sommerferien begannen und in Bitburg gingen sie schon zu Ende“, erinnert er sich.

Der zweifache Familienvater ist aber schnell wieder zurück in der Gegenwart und berichtet mit Enthusiasmus im Beisein von Pater Schenouda St. Antonius über weitere Pläne für das Gotteshaus, das – wie alle koptischen Kirchen – auch der Mutter Gottes geweiht ist. Etwa 90 Familien gehören zur Gemeinde, die jedoch nicht nur in Bitburg leben, sondern auch darüber hinaus, wie Pater Schenouda St. Antonius ergänzt. Auch Gläubige aus dem Umkreis von 300 Kilometern besuchen die Kirche in der Messerschmidtstraße.

Beeindruckend im Kirchenraum sind die filigranen Holzelemente in der Ikonostase und das geschnitzte Rundbogen-Portal zum Vorraum von St. Athanasius. Die Holzelemente wurden von koptischen Mönchen in Ägypten gefertigt –  was über ein Jahr gedauert hat, wie Abadeir weiß. Im Container sind die Ikonostase und das Rundportal als Einzelteile  und  per Schiff nach Deutschland gekommen und weiter auf dem Landweg nach Bitburg, wo sie dann zusammenmontiert wurden.

Eines Tages sollen auch die seitlichen Wände mit Holzschnitzereien verziert werden, wenn die Gemeinde wieder genug Geld dafür hat. Die koptische Kirche erhebe keine Steuern, sondern sei von Spenden ihrer Mitglieder abhängig. „Jeder gibt so viel er kann“, sagt das Gemeindemitglied. An den Wänden hängen farbenfrohe Bilder der Heiligen, die in der ganzen Christenheit verehrt werden. Kirchenbänke gibt es nicht. Die Bestuhlung ist noch die gleiche wie zu der Zeit, als der Raum ein Kino war und sich amerikanische Militärangehörige dort Filme anschauten. Heute sind die Klappsitze mit roten Samt-Hussen überzogen, und der Boden ist mit Teppichen ausgelegt.

Zurzeit wird noch im Vorraum der Kirche gearbeitet, dort entsteht ein Raum, der für Taufen genutzt werden soll. Auch die deutsche Ehefrau von Daniel Abadeir wollte den koptischen Glauben annehmen und hat sich taufen lassen. „Dafür wird man lange und eingehend geprüft, ob man auch würdig ist. Das geht bei uns nicht so einfach“, erzählt er.

 Daniel Abadeir deutet auf die filigranen Einzelteile des Portals in der St.-Athanasiuskirche, die von koptischen Mönchen in Ägypten gefertigt wurden.
Daniel Abadeir deutet auf die filigranen Einzelteile des Portals in der St.-Athanasiuskirche, die von koptischen Mönchen in Ägypten gefertigt wurden. Foto: TV/Maria Adrian
 Das imposante Portal besteht aus unzähligen Einzelteilen.
Das imposante Portal besteht aus unzähligen Einzelteilen. Foto: TV/Maria Adrian
 Die Teile aus langlebigem Holz bilden immer ein Kreuz.
Die Teile aus langlebigem Holz bilden immer ein Kreuz. Foto: TV/Maria Adrian
 Das Bildnis des heiligen Athanasius hängt im Vorraum.
Das Bildnis des heiligen Athanasius hängt im Vorraum. Foto: TV/gemälde

Schießlich wird der Rundgang beendet, denn Pater Schenouda St. Antonius muss die Kirche abschließen, weil der 47-jährige Mönchspriester nach Ägypten fliegt, um Zeit im Kloster zu verbringen. Auf die Frage, ob die Kirche dann geschlossen bleibt und  die Gottesdienste ausfallen, antwortet Abadeir vehement: „Auf gar keinen Fall, dann gibt es eine Vertretung.“