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Kriminalität: Erst kam das Zischen, dann folgten Knall und Lichtblitz

Kriminalität : Erst kam das Zischen, dann folgten Knall und Lichtblitz

Am Silvesterabend hat ein Unbekannter im Vorraum der St.-Josefs-Kirche in Stadtkyll eine Feuerwerksrakete gezündet.

Die Kirchgänger hatten gerade ihre Kommunion empfangen, da hallte am Silvesterabend kurz vor dem Ende des Jahresabschlussgottesdienstes ein ohrenbetäubender Knall durch die Pfarrkirche St.♦Josef. Im rechten Eingang hatte jemand den Knallkörper gezündet (TV von Mittwoch). Verletzt wurde dabei niemand. Deutlich sind im rechten Eingangsportal noch Schmauchspuren und Rußreste an der Decke zu erkennen.

„Wie wohl die meisten Besucher des Gottesdienstes wusste ich erst gar nicht, was geschehen ist. Der Schreck sitzt uns wohl noch allen in den Knochen. Sowas habe ich noch nie erlebt“, sagt Pastor Reinhard Mallmann. Mit dem Rücken zum Kirchenraum habe er, als es passierte, vor dem Tabernakel gestanden.

„Die Gemeinde sang eben noch das ‚Te deum’, ich sage noch ‚Lasset uns beten’, da höre ich plötzlich ein deutlich vernehmbares Zischen. Im Nachhinein weiß ich, dass es von der zündenden Rakete stammte, doch bevor ich das Geräusch in dem Moment einordnen konnte, waren auch schon der Knall und ein gleißend helles Licht da“, sagt der Pastor. Dann sei alles sehr schnell gegangen.

„Die Kirche war fast ausschließlich mit etwas älteren Gläubigen besetzt, aber zwei junge Männer reagierten sehr schnell. In dem Vorraum, wo die Rakete gezündet wurde, sahen sie einen Mann, der gleich fort lief. Sie verfolgten ihn“, sagt Mallmann. Zwar sei es möglich gewesen, den Mann anzuhalten, der habe aber versichert, nichts mit der Sache zu tun zu haben. „Wir wissen also noch nicht hundertprozentig, ob er es war und können so auch nur von einem Tatvorwurf sprechen“, sagt der Pastor.

Er selber habe den Gottesdienst noch abgeschlossen, anhand der Reaktionen der Messdiener und der Gemeinde sei aber gleich klar gewesen, dass niemand verletzt worden war. „Das hätte auch ganz anders ausgehen können“, sagt er. Auch an der Kirche sei nicht viel zerstört worden. Deutlich ist an der Decke des Vorraums die Stelle zu erkennen, an der die Silvesterrakete einschlug, von dort aus zieht sich nun ein heller Streifen in Richtung Kirchenschiff. Ein Balken wiederum stoppte den Flug des Feuerwerkskörpers und leitete den Sprengkörper wieder Richtung Boden. „Wir hatten alle einfach Glück, dass niemand verletzt wurde oder die Kirche in Brand geriet, sagt Mallmann.

Ende gut, alles gut? „Definitiv nicht. Das war kein Jungenstreich, den man einfach mal so abtun kann, sondern eine Straftat, die alle Grenzen überschreitet. Und aus unserer Sicht ja auch ein regelrechtes Sakrileg.“ Er frage sich, was in jemandem vorgehe, der so etwas macht. „Zumal ja klar ist, dass in der Kirche vor allem ältere Leute versammelt sind. Nicht auszudenken, was da hätte noch passieren können.“

Mitglieder des Verwaltungsrats und des Pfarrgemeindesrats haben somit auch Anzeige erstattet. „Die Polizei ermittelt nun“, sagt Mallmann. Ergebnisse haben die Nachforschungen aber noch nicht ergeben, teilt die Polizeiinspektion Prüm mit. Ein zunächst verdächtigter Mann sei aber wohl nicht der Täter. Die Beschreibung der Zeugen treffe auf ihn nicht zu. Der Täter soll ein Jugendlicher zwischen 14 und 16 Jahren sein.

Die Polizeiinspektion Prüm geht derzeit davon aus, dass der Vorfall in der Kirche in keinem Zusammenhang steht zu einem späteren Fall von Vandalismus, bei dem in Stadtkyll etliche Autoreifen zerstochen worden sind. Die Ermittlungen laufen weiter.

Zeugen können sich unter Telefon 06551/9420 oder per E-Mail an pipruem.dgl@polizei.rlp.de melden, um Hinweise zu geben.