Mit dem schönsten Bild in die Schule

Mit dem schönsten Bild in die Schule

April 1957, endlich stand der Tag der Einschulung vor der Tür. Die herrlich bunte Schultüte hatte mir meine Patin geschenkt, und ich konnte es kaum abwarten, dass meine Mutter ein paar Kostbarkeiten bereithielt, um sie in der Tüte zu verstecken.


Auch wenn sich im unteren Drittel leider nur zusammengeknülltes Zeitungspapier befand, so waren es doch ein paar nützliche Dinge wie Buntstifte, Griffel, Schwämmchen für die Tafel und ein paar wenige Süßigkeiten, die ich darin fand.
Voller Stolz, mit sorgsam geflochtenen Zöpfen und neuer Schürze trat ich an der Hand meiner Mutter den kurzen Schulweg an. Am Lederranzen baumelte ein von ihr gehäkeltes Läppchen, dessen Wollschnur an der neuen Schiefertafel befestigt war. Im alten Schulhof so viele neue Gesichter und im Klassenzimmer lernte ich meinen Lehrer, Herrn Jakobs, kennen, der jeden Einzelnen begrüßte, und als erste Aufgabe durften wir ein Bild auf unserer Tafel malen. Kleine Osterhäschen und deren Pilzhäuser zu malen, hatte ich von meiner Mutter gelernt.
Das machte mir großen Spaß und so hatte ich im Nu mein Werk vollendet. Nun kam dieser für mich unvergessliche Moment, als Lehrer Jakobs mein Bild für das schönste hielt und es den anderen Kindern zeigte. Wenn man vor Stolz abheben könnte, wäre dies sicher in diesem Augenblick geschehen. Gleich am ersten Tag solch ein Erfolgserlebnis zu haben, blieb und bleibt mir für immer in der Erinnerung. PS: Wie wenig manchmal nötig ist, um ein Kinderherz zu erfreuen...!

Marlene Schaal (66), Schönecken, erinnert sich an ihren Einschulungstag an der Grundschule in Schönecken.

Mehr von Volksfreund