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Mutmaßliche Betrügerin erscheint nicht vor dem Amtsgericht Bitburg

Keine Angeklagte, kein Prozess : Mutmaßliche Betrügerin erscheint nicht vor dem Amtsgericht Bitburg

Der Prozess gegen eine mutmaßliche Bitburger Betrügerin ist am Montag vertagt worden, weil die Beschuldigte nicht vor Gericht erschien. Und auch eine Polizeistreife konnte die 20-Jährige nicht finden.

Der Sitzungssaal 124 des Amtsgerichts Bitburg ist am Montagmittag vergleichsweise gut gefüllt. Richter, Staatsanwältin, Verteidiger und zwei Schöffen sitzen schon. Ein Zeuge hat vier Stunden Fahrzeit auf sich genommen, um dabei zu sein. Und sogar ein paar Zuschauer haben sich trotz der Pandemie zur Verhandlung eingefunden. Nur ein Platz bleibt um 12.30 Uhr leer: die Anklagebank.

„Die junge Dame, die wir alle gerne kennengelernt hätten, ist wohl noch nicht da?“, fragt Richter Udo May den Rechtsanwalt Michael Fingas. Der erklärt, er habe seine Mandantin mehrfach angeschrieben und angerufen — ohne Reaktion. Seit Tagen herrsche Funkstille zwischen der 20-Jährigen und ihrem Verteidiger. Mehr könne er dazu auch nicht sagen. Die Staatsanwaltschaft Trier wirft der Angeklagten vor, sich über Dating-Portale im Internet zwei Männer angelacht und um einen Batzen Geld erleichtert zu haben. Nach Ansicht der Ermittler hat die junge Frau den beiden eine Beziehung vorgespielt und sie dazu gebracht, ihr insgesamt 6000 Euro zu überweisen.

Ob die einschlägig vorbestrafte Bitburgerin schuldig ist oder nicht — darüber kann das Gericht an diesem Montag allerdings nicht verhandeln. Auf Anordnung des Richters fährt zwar noch eine Polizeistreife an ihrer Adresse vorbei. Und sucht, nachdem ein entsprechender Hinweis eingegangen war, auch noch in Irrel nach der Beschuldigten. Doch die Beamten finden dort nur einen bellenden Hund.

Und so bleibt Richter May am Montagmittag nach gut einer Stunde Wartezeit nichts anderes übrig, als den Prozess erstmal zu vertagen. „Die Strafsache ohne die Angeklagte zu verhandeln, ergibt keinen Sinn. Ich kann es nicht ändern“, meint der Vorsitzende, der sich noch bei Anwälten, Zeugen und Zuschauern entschuldigt.

Das Datum für die nächste Verhandlung am Amtsgericht Bitburg steht noch nicht fest. Was allerdings schon klar ist, ist, dass die junge Dame diesmal durch die Polizei vorgeführt werden wird. „Dass sie beim nächsten Termin der Ladung freiwillig folgen wird, ist ja wohl unwahrscheinlich“, sagt May.

Ob sie die Ladung vergessen hat, ihr etwas dazwischenkam oder sie absichtlich nicht zur Verhandlung kam? Unklar. Wenn sich letzteres herausstellen sollte, könnte es jedenfalls teuer werden. Denn bei „vorsätzlichem Fernbleiben“ vor Gericht, wie es im Juristenjargon heißt, wird in der Regel zumindest ein Ordnungsgeld fällig.