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Landwirtschaft: Ohne Stress mehr Milch

Landwirtschaft : Ohne Stress mehr Milch

Die Kühe sind das Kapital des Milchbauern. Um damit Geld zu verdienen, müssen sich die Tiere wohlfühlen. Was der Landwirt dafür tun kann, haben Milchbauern bei der Rinderunion West bei einem Vortrag erfahren.

Mehr Kühe, mehr Milch, diese Rechnung geht nach Ansicht von Bernd Broich von der Futtermittel-Firma Diamond V nicht so einfach auf. Denn nur, wenn es den Kühen gut geht, dann könne auch Geld verdient werden, machte Broich bei seinem Vortrag deutlich.

Für das Wohlergehen der Milchkühe kann der Bauer eine Menge tun, macht der Referent bei der Versammlung der Züchtervereinigung Eifel in seinem Vortrag deutlich. Denn es gebe häufig Gründe dafür, dass Kühe weniger Milch geben, auch wenn offenbar keine Krankheiten der Auslöser sind und sie gutes Futter bekommen. Ein ganz zentrales Problem dabei ist Stress.

Und Faktoren dafür gebe es viele, führt Broich weiter aus. Doch zunächst erklärt er, was Stress überhaupt bedeutet. Es handele sich dabei um die Alarmbereitschaft des Organismus, der sich auf höhre Leistungsbereitschaft einstellt. Das sei zunächst einmal nicht negativ.

Doch wenn diese Belastungen zu lange andauern, könne das Immunsystem geschwächt werden. Und das kann zum sogenannten „Leaky gut“, einem durchlässigen Darm führen. Wird durch Stress die Darmwand durchlässig, können Bakterien vom Darm über das Blut in den Körper gelangen. Dadurch können Entzündungsreaktionen entstehen.

Zu den Hauptstressfaktoren gehöre laut Broich sozialer Stress.  Eine zu hohe Belegdichte im Stall wirke sich auf die Milchleistung aus. Denn es führe zu Aggressionen. Außerdem könne es zu Streit um die Fressplätze kommen, bei denen schwächere Tiere den Kürzeren ziehen. „Eine gute Belegung ergibt zwei Liter pro Kuh mehr“, sagte Broich.

Außerdem sprach er sich dafür aus, gerade bei Tieren, die rund um die Uhr mit Melkrobotern gemolken werden, auch rund um die Uhr Futter vorzuhalten. „Jeder Happen, den die Kuh mehr frisst, damit verdienen Sie Ihr Geld“, sagt Broich. Er plädierte auch für Fressgitter. Das heißt, dass es Öffnungen für alle Kühe gibt, die dann in gleichem Abstand voneinander fressen könnten. Die andere Möglichkeit seien Nackenstangen, bei denen schwächere Tiere aber öfter benachteiligt sind. Auch bei der Tränke spricht sich der Referent dafür aus, mehrere Plätze anzubieten, damit eben auch die schwächeren Tiere zum Zuge kommen.

Auch beim Futter nennt Broich Faktoren, die zu einer besseren Milchleistung führen können. Kleingehäckseltes Stroh sei nach seiner Ansicht besser für die Tiere, als lange Strohhalme.

Was Kühen außerdem viel Stress bereitet, sei die Hitze. Hier stellt  Broich eine These auf, die für Gelächter bei den Landwirten sorgt. „Die Enkelin gibt mehr Milch, wenn die Oma gut gekühlt wurde.“ Das heißt im Klartext, dass es von Vorteil ist, Kühe, die kurz vor dem Kalben stehen, was oft im Sommer der Fall ist, Kühlung zu verschaffen. Das würde nicht nur die Milchleistung der Kuh nach dem Abkalben steigern. Auch das Kalb, das von einer Mutter geboren wurde, die keinem Hitzestress ausgesetzt war, würde mehr Milch geben. Dieser Effekt sei sogar bei der nachfolgenden Generation noch zu erkennen.

Das Fazit von Bernd Broich: „Es muss den Kühen gut gehen, damit sie viel Leistung bringen“. Wer Geld in das Wohlergehen der Tiere investieren, könne damit auch mehr verdienen.