Vor 40 Jahren wurden die Westeifel Werke gegründet.

Jubiläum : Unbürokratisch und damit sehr erfolgreich

Vor 40 Jahren wurden die Westeifel Werke gegründet. Mit einem großen Fest am Standort Wißmannsdorf wurde das gestern gebührend gefeiert.

Ferdinand Niesen hat ein sehr dankbares Publikum vor sich. Dessen ist sich der Geschäftsführer der Westeifel Werke (WEW) durchaus bewusst. Weshalb er zu Beginn seiner umfassenden Begrüßungsansprache in der vollen Turnhalle der WEW-Einrichtung in Hermesdorf darum bittet, erst dann zu applaudieren, wenn er dazu das Zeichen gibt. Das funktioniert soweit ganz gut. Hin und wieder aber geht die Begeisterung dann doch mit den Zuhörern durch. Vor allem dann, wenn Gäste namentlich begrüßt werden, die den Beschäftigten der Westeifel Werke sehr gut bekannt sind. Dazu zählt auch Raimund Kaiser. Der Mediziner betreut bereits seit 1979 als Honorararzt die Mitarbeiter der Einrichtung. Das sind immerhin 40 Jahre. Und genauso alt sind auch die Westeifel Werke. Wobei die Anfänge sogar noch weiter zurückliegen.

Alles beginnt 1973. Weil es für Menschen mit Behinderung in der Region keine adäquaten Teilhabemöglichkeiten am Arbeitsleben und Leben gibt, kommt es in der leer stehenden Schule in Kopp (VG Gerolstein) zur Einrichtung einer ersten Werkstatt. Unbürokratisch und ohne große finanzielle Unterstützung nehmen sich die Lebenshilfe-Vereinigungen Daun, Bitburg und Prüm des Problems an und eröffnen nach den provisorischen Anfangsjahren im September 1979 eine eigene, neu gebaute Werkstatt in Gerolstein. Bereits wenige Jahre später wird die Einrichtung erweitert. 1991 folgt das erste Zweigwerk in Wißmannsdorf-Hermesdorf, vier Jahre später das zweite in Weinsheim. In den Jahren darauf entstehen neben der Gründung der Lebenshilfe Wohngemeinschaften weitere Einrichtungen wie etwa das Euvea Freizeit- und Tagungshotel in Neuerburg oder aber die neuen Werkstätten in Pützborn und Weinsheim im Rahmen der Europäischen Werkstätten-Kooperation Euweco für Menschen mit psychischer Beeinträchtigung.

Für Niesen zählt zu den Besonderheiten der Westeifel Werke, das seit der Gründung nahezu alle von der Lebenshilfe betreuten Menschen mit Behinderung in die Werkstätten integriert worden seien. „Wir sind somit die einzige Region in Rheinland-Pfalz, in der es keine klassischen Fördereinrichtungen gibt“, sagt der Geschäftsführer, der darüber hinaus die gute und langjährige Zusammenarbeit mit den Partnern aus der Wirtschaft lobt. So werden in den Westeifel Werken neben der eigenen Produktion unter anderem auch Aufträge für Firmen wie Stihl, Gerolsteiner oder aber das Prümer Türenwerk bearbeitet.

Ein wenig besorgt zeigt sich Niesen mit Blick auf die Zukunft. Die zunehmende Digitalisierung werde auch Auswirkungen auf die Werkstätten haben, ist der Geschäftsführer überzeugt. Und was die weitere Entwicklung ebenfalls prägen werde, seien die Stufen des Bundesteilhabegesetzes (BTHG).

Nach diesem Gesetz sollen Menschen mit Behinderung in ihrem Leben mehr selbst bestimmen können. Die Bundesvereinigung der Lebenshilfe begrüßt das, wie aus einer vor wenigen Tagen veröffentlichten Stellungnahme hervorgeht, sieht aber in dem derzeitigen Gesetzentwurf der Bundesregierung durchaus noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Und dem Verwaltungsratsvorsitzenden der Westeifel Werke, Alfred Haas, geht es da nicht anders.

„Bei den Gesprächen über Inklusion entsteht der Eindruck, dass in Einrichtungen wie den unseren nicht mehr zeitgemäß gearbeitet wird“, kritisiert Haas die Diskussion um die gesellschaftliche Teilhabe. „Unsere Werkstätten sind keine abgekapselte und verengte Welt“, betont er. „Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen bestmöglich selbständig arbeiten, wohnen und leben können“, sagt der Verwaltungsratsvorsitzende. „Nirgendwo sonst“, so Haas, „wird der Mensch intensiver betreut als hier.“

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