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Grenzorte rechnen wegen kostenlosen ÖPNV in Luxemburg mit zusätzlichem Parkverker

Verkehr : Grenzorte zu Luxemburg bereiten sich auf Dauerparker vor

Der öffentliche Nahverkehr kostet die Nutzer ab diesem Wochenende in Luxemburg nichts mehr. Deshalb bereiten sich die Gemeinden auf beiden Seiten der Grenze darauf vor, dass mehr Pendler auf Busse und Bahn umsteigen.

Die Meinungen dazu, wie sich der kostenlose Nahverkehr in Luxemburg auswirkt, gehen nicht weit auseinander. Fast jeder, der sich mit den Tausenden Berufspendlern auseinandersetzt, geht davon aus, dass künftig noch mehr Menschen ihr Auto grenznah parken und auf Busse und Bahn umsteigen wollen. Für die Gemeinden auf beiden Seiten der Grenze bedeutet das, dass sie Parkraum schaffen müssen – zumindest wenn sie vermehrtes Wildparken und die damit verbundenen Probleme unterbinden wollen.

In der Verbandsgemeinde Konz laufen zum Beispiel laut dem hauptamtlichen Beigeordneten Guido Wacht entsprechende Planungen. „Wir sind in allen Obermosel-Gemeinden unterwegs, um geeignete Flächen zu finden“, sagt er. Die VG erstelle in Absprache mit den Ortsgemeinden Listen, wo Flächen frei seien, und gebe diese weiter an den Landesbetrieb Mobilität (LBM). Der LBM prüfe dann, welche Flächen geeignet seien und an den Zulaufstrecken für Pendler lägen. Laut Wacht sind noch in der ersten Jahreshälfte Gespräche geplant, in denen die Pläne konkretisiert werden sollen.

Dann wird auch geklärt, ob Parkflächen als Mitfahrerparkplatz oder Park-and-Ride-Parkplatz eingerichtet werden. Je nach Stoßrichtung, ob mehrere Autofahrer gemeinsam mit einem Fahrzeug weiterfahren oder ob Autofahrer in Bus, Bahn oder in Oberbillig in die Fähre umsteigen, sind dann unterschiedliche Fördertöpfe vorhanden, welche die Gemeinden für die Schaffung von Parkplätzen anzapfen könnten, erklärt Wacht.

Zumindest ein bisschen konkreter ist schon die Planung in Oberbillig. Dort pendelt die einzige Fähre an der Obermosel von Deutschland ins luxemburgische Wasserbillig. Von der Fährstation ist der Bahnhof in Wasserbillig nicht weit entfernt. Deshalb lassen schon jetzt viele Pendler ihr Auto in Oberbillig stehen, fahren ohne Fahrzeug nach Luxemburg und von Wasserbillig weiter mit dem Bus oder der Bahn. Laut Beiling hat der Betrieb auf der Fähre insgesamt zugenommen.

Wenn sich die Fährnutzung noch weiter verlagere, dass mehr Menschen ohne Autos über die Mosel fahren, bekomme Oberbillig ein Problem. Deshalb will die Gemeinde gerne einen Pendlerparkplatz am Ortsrand von Oberbillig in Richtung Temmels schaffen. Durch die neue Parkfläche will die Gemeinde den Parkdruck aus der Moselstraße rausbekommen. Um eine Parkverbotszone mit Bewohnerparkplätzen einzurichten, ist der Ort zu klein (siehe Info).

Igel ist je nach Sichtweise der erste oder letzte Bahnhof auf deutscher Seite. Zwar halten dort reihenweise Züge. Parkplätze sind jedoch Mangelware. Deshalb werden schon jetzt alle möglichen und unmöglichen Stellen als Parkplatz genutzt. Sehr zum Leidwesen der Anwohner, wie Ortsbürgermeister Franz Pauly sagt. Die eh schon angespannte Lage ist sowieso angespannter als früher, weil Wasserbillig den Dauerparkern den Kampf angesagt hatte. Der kostenlose ÖPNV in Luxemburg werde die Situation laut Pauly weiter verschärfen.

Als Ortsgemeinde könne man nicht viel gegen die Situation machen, sagt der Igeler Ortsbürgermeister. Man habe die Höchstparkdauer auf den Stellplätzen am Gemeindehaus begrenzt, um Dauerparker abzuschrecken. Auch sei man auf der Suche nach einem geeigneten Gelände für einen Pendler-Parkplatz. Doch der sei aufgrund der räumliche Enge im Dorf nicht zu finden.

In Wasserbillig selbst ist Großes geplant. Auf dem Bahnhofsgelände und am Grenzübergang an der Sauertalbrücke sollen weit mehr als 2000 Stellplätze für Autos entstehen. Die Pläne gibt es schon seit einigen Jahren. Die Grundsteine für die Parkhäuser müssen jedoch erst noch gelegt werden. Laut Gemeinde wird ab Ende des Jahres der bestehende Parkplatz teilweise gesperrt. Ab Mai 2021 soll dort überhaupt nicht mehr geparkt werden können. Dann nämlich beginnt die Baustelle des Park and Ride-Gebäudes, das voraussichtlich im Juni 2023 fertig gestellt sein wird.

Weniger problematisch als in Oberbillig oder Igel sieht die Situation in Wincheringen aus. Das ist die einzige Gemeinde mit Moselbrücke und somit mit direktem Zugang zum luxemburgischen Nahverkehrsnetz in der VG Saarburg. Ortsbürgermeister Elmar Schömann sagt auf TV-Anfrage, dass er nicht davon ausgehe, dass der Parkdruck in seiner Gemeinde wegen des kostenlosen ÖPNV-Angebots in Luxemburg steigt. Die Menschen führen meist immer noch mit dem Auto zur Arbeit oder gingen – zum Beispiel vom Neubaugebiet Auf Mont – zur Bushaltestelle im Ort. Schömann sagt zudem: „Es gibt bei uns gar keine Flächen, um neue Parkplätze zu schaffen.“ Genug Platz für neue Parkplätze ist laut Nathalie Hartl, Pressesprecherin der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell, hingegen in Merzkirchen in der Nähe des Sportplatzes und in Saarburg im Industriegebiet an der Irscher Straße. Dort würden neue Mitfahrerparkplätze gebaut, sagt Hartl.

Wie in Wincheringen rechnet man auch im saarländischen Obermoselort Perl, der vis a vis von Remich liegt, nicht mit Problemen. Laut dem Perl-Nenniger Ortsvorsteher Karl Fuchs gibt es einen ausreichend dimensionierten Pendlerparkplatz. Zudem ist das Tal der Mosel bei Perl laut Bürgermeister Ralf Uhlenbruch so breit, dass weitere Abstellmöglichkeiten geschaffen werden könnten. Uhlenbruch geht zudem davon aus, dass die Veränderungen in Luxemburg positive Effekte für die Orte auf der deutschen Moselseite haben. Denn es sei auch für Urlauber attraktiv, die Vorteile des kostenlosen Transports nutzen zu können.