Qualitäts-Check zwischen Wiesen und Wölfen: Naturpark Saar-Hunsrück wird zertifiziert

Natur : Qualitäts-Check im Naturpark zwischen Wölfen und Wiesen

Ein Gutachter hat zwei Tage lang die Angebote des Naturparks Saar-Hunsrück unter die Lupe genommen. Es geht um die neuerliche Einstufung als Qualitäts-Naturpark. Das Schutzgebiet spielt auch in der VG Saarburg eine spürbare Rolle.

„Wir sind sozusagen vom Nationalpark umzingelt,“ scherzt Klaus Görg, Geschäftsführer des Wildgeheges in Kempfeld und Vorstandsmitglied im Hunsrückverein, der die Anlage betreibt. Deren Besonderheit: Sie beherbergt vier Wölfe. Das Schutzgebiet des Nationalparks Hunsrück-Hochwald liegt mitten im Naturpark Saar-Hunsrück, in dem wiederum das Wildgehege liegt. Kempfeld ist eine Infostelle für den Naturpark, aber auch ein zukünftiges Eingangstor des Nationalparks.

Kein Wunder also, dass sich Prüfer Johannes Hager diese Einrichtung genauer anschauen wollte. Denn er ist für zwei Tage in den Hunsrück gekommen, um sich als „Qualitätsscout“ einen Eindruck von den touristischen Angeboten, den aktuellen Projekten und dem Service im Naturpark Saar-Hunsrück zu machen. Am Ende seiner Prüfung wird feststehen, ob der Naturpark im Rahmen einer verbandseigenen Offensive (siehe Info) zum dritten Mal als Qualitäts-Naturpark zertifiziert wird.

Auch wenn die Verbandsgemeinde Saarburg am Rand liegt, hat der Naturpark dort doch auch seine Bedeutung. Stefanie Koch von der Saar-Obermosel-Touristik (SOT) sagt: „Im Bereich Natur- und Umweltbildung und beim nachhaltigen Tourismus spielt der Naturpark eine wichtige Rolle.“ Er sei ebenfalls wichtig, wenn es darum gehe, Fördermittel für Projekte wie den Aussichtspunkt Kreuzberg zu bekommen. Vorteilhaft sei auch, dass Veranstaltungen mit der Natur im Vordergrund im Veranstaltungsprogramm des Parks beworben würden. Bei den Gästen in der VG Saarburg spiele er jedoch eine untergeordnete Rolle. Koch: „Die wenigsten hier wissen, dass sie im Naturpark sind.“ Dies liege wohl auch daran, dass die SOT, bei der auch Infomaterial zum Naturpark zu bekommen sei, den Park eher nebenbei erwähne. Themen wie Wandern und Radfahren und die beiden Flüsse im Namen der Tourismusorganisation spielten eine größere Rolle.

Prüfer Johannes Hager will sich von der Qualität der Angebote im Naturpark Saar-Hunsrück überzeugen. Geschäftsführerin Gudrun Rau zeigt ihm den neuen Bienengarten vor dem Hermeskeiler Infozentrum. Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber

Doch zurück zur anstehenden Zertifizierung. Gemeinsam mit Klaus Görg begrüßt Gudrun Rau, Geschäftsführerin des Naturpark-Trägervereins, den Gutachter. Hager ist selbst Leiter eines Naturparks (Eichsfeld-Hainich-Werratalin) in Thüringen. „Die Zertifizierung ist freiwillig,“ erklärt Rau. Sie soll das Niveau der deutschen Naturparks hoch halten, weshalb sich die Parks wechselseitig zertifizieren. Dafür musste das Team der Geschäftsstelle in Hermeskeil bereits einen Fragebogen mit 128 Fragen ausfüllen. Um die Angaben zu überprüfen, dient die Inspektion vor Ort.

Für Hager ist die Situation im Hunsrück sehr speziell: „Es ist außergewöhnlich, dass ein Nationalpark innerhalb eines Naturparks liegt. Für Außenstehende ist das meist unverständlich, deshalb haben wir den neuen Oberbegriff ,Nationale Naturlandschaften’ gebildet. In dem Rahmen stellen wir ein bundesweites Qualitätsmanagement auf die Beine.“

Naturpark und Nationalpark hätten unterschiedliche Schwerpunkte, teilweise aber auch ähnliche Ziele. „Der Nationalpark braucht den Naturpark als Partner. Das muss noch geübt werden, weil es hier so viele verschiedene Träger gibt,“ sagt Hager. Schließlich sind an beiden Gebieten zwei Bundesländer (Rheinland-Pfalz und das Saarland), mehrere Landkreise,  Verbandsgemeinden (VG) und auch Vereine beteiligt (siehe Hintergrund).

Die Wildenburg soll eines von drei Eingangstoren in den Nationalpark werden, neben dem Keltenwall im saarländischen Otzenhausen und dem Hunsrückhaus in der VG Thalfang, das aktuell zum Tor ausgebaut wird. Laut Thomas Josten, der den Ausbau dort leitet, gab es „ein kleines Budget und Probleme mit Akustik und Licht“. In zwei Monaten sei aber der Trockenbau fertig, die Ausstellung zum Park solle im Dezember eröffnen. Bei der Wildenburg ist man noch nicht so weit. Görg berichtet, das Land habe erste Gespräche angeboten, einen Termin gebe es allerdings noch nicht.

Zumindest eine Zertifizierung im Rahmen der Naturpark-Qualitätsoffensive ist nun erfolgt. „Mit 35 000 Besuchern pro Jahr liegen wir an der Spitze der drei Tore“, sagt Görg. Das Wildgehege habe eine Gesamtgröße von 72 Hektar. „Wir achten darauf, dass wir weit unter der Maximaltierzahl in den Gehegen bleiben. Allein ein Hektar steht für die vier Wölfe zur Verfügung, so dass sie sehr gute Rückzugsmöglichkeiten haben.“ Die Anlage diene zudem als Umweltbildungszentrum, Kinder könnten sich dort zu Erlebniscamps treffen.

Umweltbildung ist einige wichtige Säule im Angebot des Naturparks. Das wurde auch am Tag zuvor bei der Besichtigung des Hermeskeiler Infozentrums deutlich. Dort schaute sich der Prüfer unter anderem die Außenanlage an, die mit Bienengarten, Blütenreichtum, Nischen und Nistkästen vielfältige Unterschlüpfe für Kleintiere und Insekten bietet. „Wir machen viele Veranstaltungen mit Schulen und Kindergärten. Das geht von Kräuterkursen bis zur Honigernte“, sagt Geschäftsführerin Gudrun Rau. Zusätzlich gebe es speziell gepackte Rucksäcke auszuleihen mit Lehrmaterial etwa zum Thema Artenvielfalt auf Streuobstwiesen. „Das ist unser Ziel: Wertschätzung durch Erlebnis und Genuss erzeugen. Dann halten die Menschen ihre Naturlandschaft offen und pflegen sie.“

In der bereits dritten Runde des Qualitätschecks werden laut Hager auch neue Themen geprüft, etwa die Barrierefreit der Einrichtungen oder deren Beitrag zum Klimaschutz. Dass die Prüfer Praktiker aus anderen Parks sind, hält Rau, die selbst Zertifizierungen übernimmt, für eine gute Sache: „Das ist ein fachlicher Austausch. Man sieht, wie es die anderen machen und wo wir noch besser sein könnten.“ Viel aufzuholen gebe es da zwar nicht, sagt Hager. Denn der Naturpark Saar-Hunsrück hat bereits in Runde zwei 95 Prozent der möglichen Punkte erreicht. „Aber wir wollen damit auch andere anspornen, sich zu beteiligen.“ Zudem richte sich der Prozess an die Träger, da die Schutzgebiete oft „mit wenig Personal und Finanzen“ ausgestattet seien: „Die Träger müssen die Grundlagen schaffen, damit die Parks ihre Ressourcen voll ausschöpfen können.“

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