Der Duce von Köln: Adenauer und seine Heimatstadt

Der Duce von Köln: Adenauer und seine Heimatstadt

Lange bevor Konrad Adenauer erster Bundeskanzler wurde, war er 16 Jahre Oberbürgermeister von Köln. Zum 100. Jahrestag seiner Amtsübernahme erinnert die Stadt jetzt an "Konrad den Großen".

Köln (dpa) Köln war bis zum Ersten Weltkrieg von einem breiten Festungsgürtel umgeben. Nach der deutschen Niederlage bestanden die Sieger auf einer Entmilitarisierung. Da hatte Oberbürgermeister Konrad Adenauer eine Idee: Er ließ auf dem ehemaligen Todesstreifen einen Grasteppich ausrollen. So entstand der Grüngürtel, der sich heute um die gesamte Innenstadt legt und an jedem sonnigen Tag von x-tausend Bürgern bevölkert wird. Kein Wunder, dass Adenauer in seiner Heimatstadt noch immer populär ist.
Vor 100 Jahren wurde der spätere Bundeskanzler Kölner Oberbürgermeister und blieb es bis zu seiner Absetzung durch die Nazis 1933. Das Kölnische Stadtmuseum erinnert jetzt mit einer Ausstellung an diese 16 Jahre, Titel: "Konrad der Große".
Lange vor der Gründung der Bundesrepublik hat sich in Köln der Politiker Adenauer herausgebildet. Er war ein Mann der Mitte, ein Zentrumspolitiker aus kleinen Beamtenverhältnissen, dem der führende Mann der Kölner SPD, Wilhelm Sollmann, "soziales Gefühl und soziales Verständnis" bescheinigte. Gleichzeitig nannte er ihn den "Duce von Köln". Adenauer führte die Verwaltung autoritär und war für seine eisige Förmlichkeit gefürchtet. Stets war er absolut davon überzeugt, dass er richtig lag und die anderen falsch.
Als Ende der 1920er Jahre eine neue Rheinbrücke gebaut werden sollte, sprachen sich Preisjury und Stadtrat mit klarer Mehrheit für eine Gitterbrücke aus. Adenauer dagegen hatte es sich in den Kopf gesetzt, eine elegante, wesentlich teurere Hängebrücke zu errichten. Er schaffte es, sich durchzusetzen, mit Gutachten und einem neuen Preisgericht. Im Klüngeln soll Adenauer groß gewesen sein - "Mer kenne uns, mer helfe uns", pflegte er zu sagen. Die Ausstellung läuft vom 1. Juli bis zum 19. November.