Der Hohepriester am Steinway

Der Hohepriester am Steinway

Musikstars der Weltklasse geben sich in der Luxemburger Philharmonie quasi die Klinke in die Hand. Der chinesische Starpianist Lang Lang und die New Yorker Philharmoniker haben dort am Samstagabend vor mehr als 1500 begeisterten Zuschauern gespielt.

Luxemburg. Im Foyer der Philharmonie auf dem Luxemburger Kirchberg herrscht angespannte Vorfreude. Babylonisches Sprachgewirr schwirrt durch die Rotunde der musikalischen Kathedrale mit den hohen weißen Säulen. Und der Hohepriester an diesem Abend heißt Lang Lang. Der erst 29-jährige chinesische Klaviervirtuose gibt hier, diesmal mit den New Yorker Philharmonikern, schon sein zweites Gastspiel innerhalb von nur vier Monaten. Das sagt im Grunde schon alles über den Anspruch der Luxemburger Kulturmacher: Das Feinste - vor allem große Namen zählen - ist für das Publikum gerade gut genug.
Bunt gemischt ist das internationale Publikum, typisch luxemburgisch eben. Der Student in Jeans steht neben der Dame im Pelz, der Crémant perlt im Glas. Das Haus ist mit gut 1500 Besuchern ausverkauft, bei Top-Ticketpreisen schürt das hohe Erwartungen.
Der erste Teil des Konzertes gehört dem Star am Steinway-Flügel, Lang Lang mit seinem Paradestück, Tschaikowskys Klavierkonzert No. 1. Ein absoluter Klassiker aus dem Jahr 1875, dessen berühmtes Thema in der Einleitung sogleich für allerhöchste Aufmerksamkeit im Saal sorgt. Bravourös folgen die New York Philharmonics ihrem Solisten und Dirigent Alan Gilbert führt seine etwa 100 Musiker souverän und ohne Mühe.
Mühelos, fehlerfrei, fast routiniert ist auch das Spiel des chinesischen Virtuosen, die Finger fliegen über die Tasten, große Gesten und schmachtende Blicke wirken fast wie einstudiert. Fehlt da, bei aller technischen Perfektion, die wirkliche Innigkeit, die Inspiration? Wenn Lang Lang mit nicht einmal 30 Jahren schon an diesem Punkt der Meisterschaft angelangt zu sein scheint, stellt sich die bange Frage, was in so einer Karriere noch folgen soll? Sei\'s drum: Nach 35 Minuten verlässt ein strahlender Maestro sein ebenso strahlendes Publikum, das euphorisch applaudiert.
Den zweiten Teil des Konzertes bestreitet dann das traditionsreiche Orchester allein, die Fünfte Sinfonie, gemeinhin als Höhepunkt des Schaffens des sowjetischen Komponisten Prokofjew angesehen, ist ein episch getragenes, dramatisches Meisterwerk. 1945 in Moskau uraufgeführt, mangelt es ihr nicht an Bombastik. Die technischen Höchstschwierigkeiten meistern Alan Gilbert und sein dafür prädestiniertes, großes Orchester fehlerfrei, ja beeindruckend. Bravos und Standing Ovations sind der Lohn.