Mosel Musikfestival stellt sein Programm für die Spielzeit 2020 vor

Mosel Musikfestival : Augen zu, Ohren auf, Kopfkino an!

Das Mosel Musikfestival überrascht zur Spielzeit 2020 mit einem Programm voller Neuerungen. Zur Präsentation der fast 60 Konzerte am Freitag in Trier hatte Intendant Tobias Scharfenberger auch Personalien im Gepäck.

Bevor im Kasino am Kornmarkt die Präsentation der Spielzeit 2020 beginnt, verteilen Mitarbeiter des Mosel Musikfestivals erstmal Schlafmasken. Mit ihnen sollen die Gäste ihr Sehen ausschalten und sich ganz aufs Hören und die eigene Fantasie konzentrieren. „Augen zu, Ohren auf, Kopfkino an!“, lautet die Devise. „Wir möchten Sie einladen, über das Hören von Werken in bestimmten Kontexten eine andere Perspektive zu erfahren“, erklärt Intendant Tobias Scharfenberger, der das Festival 2020 unter das Thema „Von Sinnen“ gestellt hat. Wer dann die Augen verdunkelte und die Ohren spitzte, bekam beim Live-Hörspiel einen spannenden Vorgeschmack auf das Eröffnungskonzert „Dark room – Egmond“, das Scharfenberger als Sensationsformat ankündigt. Das Orchester aus Hannover füllt mit Konzerten, in denen die Besucher nichts sehen, große Säle. Die Besucher hören dann die berührende Geschichte des Grafen Egmont durch markante Stimmen bekannter Synchronsprecher und Schauspieler, verwoben mit live gespielter Musik. Dunkel wird’s auch beim Konzert an einem neuen Spielort des Festivals, dem Gipsbergwerk Engel in Ralingen (Kreis Trier-Saarburg). In dem kühlen Stollen agieren auch die Musiker des Lights out Trios ohne Licht. Motto: „No risk, no fun“.

Konzert zum Riechen: Ein besonderes Sinnenerlebnis verspricht auch das „Concert des Parfums“, in dem der französische Serpent-Virtuose Michel Godard und die Pafümière Ursula S. Yeo „Duftakkorde“ kreieren und in einen Dialog von Klang und Duft treten. Damit macht das Mosel Musikfestival nun Ernst mit der grenzüberschreitenden Kooperation – das Konzert läuft im Trifolion in Echternach.

Konzert zum Schmecken: Neben Geräuschen und Gerüchen wird es auch Gerichte für den Gaumen geben. Zu den bewährten „Weinklang“-Veranstaltungen (Weingüter Van Volxem in Wiltingen, Markus Molitor in Bernkastel-Wehlen, Richard Richter in Winningen, von Othegraven in Kanzem) gesellt sich erstmals ein „Hopfenklang“-Event auf Hof Dick in Holsthum in der ­Südeifel. Und weil Beethovens Mutter Vorfahren in Köwerich hatte, bietet sich das Weingut Geschwister Köwerich als Ort an, an dem sich eruieren lässt, was eigentlich „deutsche Musik“ sei.

Zum Sinnen-Thema inspiriert wurde Scharfenberger von Ludwig van Beethoven, der bekanntlich taub wurde und sein Spätwerk selbst nie hören konnte. „Was hört ein Mensch, der nicht mehr hört“, fragt Scharfenberger, „und wie beeinflusst es sein Komponieren?“ Dem berühmten Komponisten aus Bonn ist zum 250. Geburtstag ein Programmschwerpunkt gewidmet. Es erklingen im Sommer in einem ambitionierten und hochkarätig besetzten Zyklus sämtliche 17 Streichquartette Beethovens sowie – zum besseren Verständnis – damit verbundende Beethoven-Dialoge. Das sei „das allerehrgeizigste Projekt dieses Jahres“, sagte Scharfenberger. Entgegen vieler Vorurteile sei die Streichquartettszene „die aufregendste Musikszene der Gegenwart“.

Das Sehen vergeht den Besuchern aber nicht überall. Zu den vielen besonderen Spielstätten der kommenden Saison gehören die Burg Landshut in Bernkastel, der Brunnenhof in Trier, die Klosterkirche St. Irminen in Trier, Schloss Lieser, der Barocksaal von Kloster Machern, Dom und Konstantin-Basilika in Trier und die Kirche in Trier-Heiligkreuz. Letztere ist der Ort einer ganzen Eröffnungswoche, in der das Festival einen besonderen inhaltichen Impuls setzt: „Gemeinsam wollen wir überlegen, wie eine (Stadt-)Gesellschaft mit Fragen wie der möglichen Profanierung von Kirchenbauten und der damit verbundenen Entwicklung von Stadtvierteln und urbanem Zusammenleben umgeht“, kündigt Scharfenberger an. Geplant sind dort neben besagtem Dunkel-Konzert Orgelmusik für vier Hände und vier Füße, eine Gospel-Session, skandinavische Kammermusik (dem Motto des rheinland-pfälzischen Kultursommers „Kompass Europa: Nordlichter“ entsprechend) und auf der festivaleigenen Kinder- und Jugendbühne „Sommersprossen“ ein Klavierkonzert für vier Hände.

Was die Woche in der Heiligkreuzer Kirche zudem besonders macht: Studierende der Fachrichtung Innenarchitektur und Intermedia Design des Campus Gestaltung der Hochschule Trier begleiten diese Konzertreihe und geben ihr einen zusätzlichen intermedialen und kreativen Rahmen. Die Studenten gestalten die Innenräume und bespielen auch das Kirchengebäude selbst mit stimmungsvollen Projektionen, um musikalische Eindrücke zu verdichten und die Konzerte mit den verschiedensten Sinnen erlebbar zu machen.

Zu den Stars unter den Künstlern gehören Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter, die bei „Nachts in der Basilika“ in Trier auftritt, Hornist Felix Klieser, das Schumann Quartett, Mnozil Brass und die Jazzmusikerin Julia Hülsmann, die zusammen mit ihrem Trio den JTI Trier Jazz Award 2020 erhält.

Im dritten Jahr seiner Intendanz gesellt sich zu Scharfenbergers künstlerischer Leitung eine kaufmännische Geschäftsführerin. Lilian Erbel war bislang Finanzchefin. Neu ist der Service von Shuttlebussen zu ausgewählen Konzerten sowie die Kooperation mit dem Start-up Yeswego, über deren Plattform Konzertbesucher Fahrgemeinschaften bilden können.

Das neue Programmheft liegt an vielen Orten in der Region aus. Foto: Mosel Musikfestival/Mosel Musikfestival 2020 Katalog

Der Vorverkauf läuft seit Freitag. Karten gibt es bei Ticket regional, Telefon 0651/7199-996 oder unter www.moselmusikfestival.de. Dort steht auch das komplette Programm.