Parodist Jörg Knör und seine Jahr-100-Show in Trier.

Veranstaltung : Eine Zeitreise zu Wum, Wendelin & Co.

Parodieren ja, Imitieren nein: Entertainer Jörg Knör sagt vor seinem Auftritt in der Trierer Tufa, wie er bitte niemals bezeichnet werden möchte und was sich am Humor verändert hat.

Ein moosgrünes Bundespost-Telefon, mit Wählscheibe, versteht sich. Wum und Wendelin auf dem roten Sofa. Aus dem Off des Langzeitgedächtnisses tönt Rudi Carrell. Und in der Werbepause badet Tante Tilly die Hände anderer Frauen im Spülmittel. Wer jetzt schon kuschelig im Nostalgie-Modus ist, könnte ein Kandidat für Jörg Knör sein. Für seine Jahr-100-Show, mit der der knapp 60-Jährige am 26. April in der Trierer Tuchfabrik gastieren wird.

Knör muss im Telefonat erstmal mit einem Klischee aufräumen, bevor noch der Interviewer schlimmstenfalls das böse I-Wort ausspricht. „Das was ich auf der Bühne mache, ist leider nie im Fernsehen gekommen. Und wer noch nie eine Show von mir gesehen hat, reduziert mich im Zweifel schon mal zum Stimm-Imitator“, sagt er. „Das Wort beschert mir eine Gänsehaut, ich hasse es zutiefst und empfinde es als Beleidigung. Ich parodiere Leute, ich zeichne, ich singe, mache eigene Songs – ich bin Entertainer. Man würde ja auch Loriot nicht als Imitator bezeichnen, nur, weil der hervorragend in vielen Masken aufgetreten ist.“

Mit dem großen Loriot hat der Wahl-Hamburger in den 80ern zusammengearbeitet. Knör hat bei Wim Thoelkes Unterhaltungsshow „Der Große Preis“ den Loriot-Charakteren wie Wum, Wendelin oder dem Blauen Klaus seine Stimme geliehen. „Die Arbeit mit Loriot war sensationell. Wir waren auch sehr ähnlich von der Art“, sagt Knör, der bei seinem Jubiläumsprogramm auch eine Folge von Wum & Wendelin live synchronisieren will. „Da wird es viel Prominenz geben, die ich parodiere. Viel Musik, aber auch etwas Sentimentalität ist dabei: Ich besinge den kleinen Jungen in mir. Das wird eine Zeitreise, die auch viel mit dem Leben der Zuschauer zu tun haben wird.“ Knör, gebürtiger Wuppertaler, war als 15-Jähriger erstmals als Kandidat bei Carrells Show „Am laufenden Band“ zu sehen. Schon mit 17 moderierte er im Vorabend-Programm. Später war er unter anderem beim „ARD-Talentschuppen“, der „Jörg-Knör-Show“ (ZDF) oder „Sieben Tage, Sieben Köpfe“ (RTL) zu sehen.

Auf den „etwas großkotzigen Titel 100-Jahr-Show“ (O-Ton Knör) sei er eher zufällig gestoßen – als er bemerkte, dass Bühnenjubiläum und Lebensjahre addiert 100 ergeben. „Die größte Gefahr bei einem solchen Programm ist die der Eitelkeit. Man muss den Balanceakt hinkriegen“, sagt Knör, der auch einige Anekdoten erzählen will – über seine Begegnungen mit Peter Alexander, Liza Minelli oder Michael Jackson: „Das sind die Geschichten, die ich auch gerne mal an der Bar erzähle.“ Eine Autobiographie wäre nicht sein Ding, das wäre ihm „zu eitel“: „Der eine bringt es auf die Blätter, ich auf die Bretter.“

Was sich seit seinen Bühnenanfängen in Sachen Humor geändert hat? „Es gibt weniger Tabus als damals. Man kann Grenzen überschreiten, es ist ein anderes Humorverständnis. Die ‚Da-darf-man-nicht-drüber-lachen’-Verklemmtheit ist nicht mehr so da“, sagt Knör, der im Juli 60 wird: „Und man braucht ein schnelleres Timing. Die Witzdichte muss eng sein, da muss Gag auf Gag folgen.“ Bei seinem Auftritt in der Tuchfabrik soll zudem noch ein drittes Jubiläum eine Rolle spielen: In diesem Jahr wird Nestwärme 20 Jahre alt. Der Trierer Verein engagiert sich für Familien, in den schwerkranke oder behinderte Kinder zu Hause betreut werden. Auf Knör geht sowohl der Name Nestwärme zurück, als auch das erste Logo des Vereins mit zwei Kindern, die in einem Nest sitzen.

Jörg Knör, Jahr-100-Show, Tufa Trier, 26. April, 20 Uhr

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