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TV-Serie "Kulturmacher" über den Klausener Veranstalter Tobias Marenberg

Die Kulturmacher : Er holt die Stars nach Klausen

Ein Kulturangebot für „Gottes Lohn“: Der ehrenamtliche Veranstalter im Wallfahrtsort.

Mitten in Klausen steht die Wallfahrtskirche. Über 100 000 Menschen pilgern jährlich dorthin. Doch auch Kulturliebhaber kommen in Scharen hierher. Seit 2013 macht sich die kleine Kirche einen Namen als Veranstaltungsort. Musik, Vorträge, Gesprächsrunden, Lesungen und Buchvorstellungen – in Klausen gibt es ein vielseitiges Programm. Das ist zum einen Pater Albert Seul zu verdanken, der damals neue Wege einschlagen wollte. Den Traditionen und Riten der Kirche sollten moderne Aspekte zugefügt werden.

Über einen Fernsehgottesdienst, der 2013 im ZDF übertragen wurde, kam Tobias Marenberg in engeren Kontakt mit dem Pater. Seither ist der 44-jährige Familienvater ehrenamtlicher Veranstalter. Er sorgt in Absprache mit Pater Albert dafür, dass das vielfältige Kulturprogramm stattfinden kann. Für ihn ist es eine Art Hobby, das ihm jede Menge Freude bereite. „Im Jahr stecken da viele hundert Stunden drin“ – und das nicht nur für ihn, sondern auch für seine Helfer, die „Fleißigen Hände“, wie er sie gerne nennt. Pro Veranstaltung brauche es Unterstützer beim Einlass und Getränkeverkauf.

Doch der Hauptarbeitsanteil stecke nicht in der Veranstaltung selbst, sondern in der Vorbereitung. Künstler anschreiben, Verträge und Termine verhandeln, Werbung und Pressearbeit, Sponsorensuche – all das fällt in Marenbergs Zuständigkeit. „Das mit meinem Job in Luxemburg und mit meiner Familie unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht.“ Doch irgendwie klappt es immer – dank großem Organisationstalent. Mit dem Smartphone könne Marenberg schließlich auch in Randzeiten daran arbeiten, dass das Kulturprogramm in der Wallfahrtskirche Klausen so gut funktioniert: „Heute spielt es keine Rolle mehr, wann ich eine E-Mail abschicke.“

Und so kommen seit acht Jahren immer mehr und immer namhaftere Gäste nach Klausen. „Man muss es einfach riskieren – und auch mal größer denken.“ Ein gutes Beispiel hierfür ist der Auftritt der deutschen Pop-Band Die Prinzen. Die habe Marenberg beim Googeln gefunden,  „Kirchenkonzerte“ sei der Suchbegriff gewesen. Nach einiger Zeit stand fest: Das klappt – wäre da nicht die Finanzierung. Die Summe sei bei der Klausener Preispolitik, wonach die Ticketpreise günstig bleiben sollen und sich in Normalfall um die 20 Euro bewegen, kaum zu stemmen gewesen. Marenberg bemühte sich um Sponsoren, doch am Ende fehlten einige tausend Euro. Das Projekt schien gestorben, bis der Anruf des Managements auf die Mailbox kam: „Geld ist nicht alles und ihr seid mit so viel Herzblut dabei – wir kommen trotzdem!“

Diese Erfahrung, dass das Team um Tobias Marenberg mit ganzem Einsatz dabei ist, haben wohl die meisten Künstler hier gemacht. Viele übernachten nach dem Auftritt im Pfarrhaus kommen in engeren Kontakt mit Pfarrer Albert, Marenberg und oft auch den Helfern. „Wir bieten eine ganz familiäre Umgebung mit dieser besonderen Atmosphäre der Kirche. Das macht es zu einem speziellen Erlebnis, das viele sehr positiv im Gedächtnis behalten.“

Viele kommen wieder, zu manchen entstehen auch persönliche Bindungen. Joey Kelly etwa lud alle Helfer zum Konzert der Kelly Family nach Trier ein, empfahl seiner Schwester Patricia Kelly, auch dort aufzutreten. Günther Jauch sollte im Mai Gast von Pater Alberts Gesprächsrunde sein, Guildo Horn ist bereits aufgetreten, genauso wie die Leiendecker Bloas. Politiker wie Annette Schavan (ehemalige Bildungsministerin) oder Gregor Gysi (Die Linke), aber auch kirchliche Würdenträger wie Kardinal Marx oder Bischof Stefan Ackermann waren bereits zu Besuch – um nur wenige zu nennen. „Gerade das intime Ambiente macht für viele den Reiz aus“, findet Marenberg. Mit 270 Gästen sei es überschaubar, dafür sei man aber hautnah dran.

In Corona-Zeiten ist der Veranstaltungsbetrieb weitgehend lahmgelegt. Mit Online-Gottesdiensten ging die Kirche neue Wege – und gemeinsam mit Tobias Marenberg ging Pater Albert zu YouTube. Jeden Mittwoch zeichnen die beiden eine neue Folge der Reihe „Auf einen Kaffee mit Pater Albert“ auf. Im Sommer kommen nun die Picknick-Konzerte (siehe Info) hinzu. „Teils war es einfacher, die Künstler für die recht spontane Veranstaltungsreihe zu gewinnen. Viele haben ja jetzt Zeit.“ Da das auch für die Zuschauer gilt, gebe es nun auch Events im Sommer – aber nicht in, sondern an der Wallfahrtskirche.

„Wir haben den großen Vorteil, dass wir unser Kulturprogramm als zusätzliches Angebot betrachten können“, blickt Marenberg auf die Corona-Krise, die der Branche große Probleme bereitet. Bisher habe er die Hoffnung nicht aufgegeben, daher sei vieles noch nicht abgesagt. Vermutlich werde man aber 2021 das Programm etwas zurückfahren. „Ich befürchte eine Kulturschwemme. Da wäre es kontraproduktiv, würden wir uns in der Region mit einem Überangebot gegenseitig kannibalisieren.“

 Nach Klausen kommen Gäste aus der ganzen Großregion, dennoch sei man hier nicht auf Gewinn aus. Man wolle null auf null rauskommen, was unter anderem funktioniert, weil der Raum schon da ist und die Arbeit komplett ehrenamtlich gemacht wird: „Geld gibt es für mich nicht, aber dafür Gottes Lohn, wie Pater Albert das immer so schön sagt.“