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Liedermacher Götz Widmann beim ersten Konzert seit Monaten in Saarburg

Open Air : Götz Widmann in Saarburg: Da freuen sich Publikum, Veranstalter und Künstler!

Götz Widmann ist nach Saarburg gekommen, um das erste Konzert nach der Corona-Pause zu spielen.

„Don’t go for second best…”, sang einst die Pop-Ikone Madonna, und eigentlich hat sie recht, sich nicht mit dem zweitbesten zu begnügen. Auch klar, dass ein Kerl mit der Bühnenpower eines Götz Widmann in einen schweißgetränkten Saal gehört, wo man das Weiße in den Augen und das sprichwörtliche Blut spritzen sieht, aber in diesem Fall ist es eindeutig: Wenn Indoor-Konzerte (wie sein starker Auftritt in der TUFA im Januar) noch nicht erlaubt sind, dann bedarf es eines Bühnen-Tieres wie Widmann, um nach monatelanger Corona-Lethargie die Menschen wieder zum Feiern zu bringen. Natürlich mit angezogener Handbremse, mit Hygieneregeln, Masken und Abstand, aber immerhin. So geschehen am Freitagabend auf dem ehemaligen Schießstand der französischen Kaserne in Saarburg-Beurig, einer tollen neuen Open-Air-Location. Und es bedarf eines mutigen und unverzagten Konzertveranstalters wie Christof Kramp mit seiner Agentur Station-K. Er hat nicht gezweifelt, dass es irgendwann für ihn weitergeht, selbst an düsteren Tagen wie rund um Ostern hat er seinen Optimismus bewahrt. Und er legt mit Volldampf wieder los, als einer der ersten in der Region. Die große, frisch gemähte und gewalzte Wiese mit der überdachten Bühne vor dem indirekt beleuchteten Backstein-Verschlag, der früher die Ziele der Schützen enthielt, verströmt Festival-Atmosphäre, aber eine – locker gestellte – Bestuhlung muss sein. Über 100 Köpfe zählt das Publikum, Widmann-Fans und einige Feierfreudige, die einfach mal wieder ein Live-Erlebnis brauchten. Widmanns mal mit dem Schwert geschlagene, mal mit dem Florett gefochtene Musik zu loben, hieße Eulen nach Athen tragen. Der mittfünfzigjährige Liedermacher ist seit Jahrzehnten im Geschäft, er lebt und arbeitet seine Musik, eine One-Man-Show mit seiner Akustikgitarre; den Merchandising-Verkauf (der bombig läuft) macht er auch noch selbst. Man sieht ihm seine Freude an, wieder auf der Bühne zu stehen, auch wenn es unter erschwerten Bedingungen geschieht. Abstand zum Publikum fällt ihm schwer. Er, der sonst gerne mal ein Bad in der Menge nimmt. Die Texte sind brachial, wenn es um „ficken, saufen, kiffen“ geht, feinfühlig bei den politischen oder emotionalen Themen, aber oft auch sehr witzig. Doch das ist alles irgendwie zweitrangig, auch dass die Stimme etwas aus der Übung zu sein scheint. Die Hauptsache ist: Es geht wieder los. Ungetrübte Freude auch bei Christof Kramp, auch der Bier- und Würstchen-Umsatz scheint zu stimmen. „Natürlich sind wir weit entfernt davon, das Jahr wirtschaftlich noch retten zu können, aber wenigstens kommt wieder ein bisschen Geld in die Kasse und mir und meinen Leuten macht das Ganze ja auch einen Riesen-Spaß!“